P. Winand Steigels SJ
* 2. September 1900 in Korschenbroich
30. November 1989 in Münster

P. Winand Steigels wurde am 2. September 1900 in Korschenbroich geboren. Seine Eltern, Johann Leonhard Steigels und Katharina, geb. Fassbender, hatten noch weitere fünf Kinder aufzuziehen. Nach dem Besuch der Volksschule kam Winand auf das Gymnasium in Mönchengladbach, wo er auch sein Abitur machte. Danach studierte er für die Erzdiözese Köln Theologie und wurde am 14. August 1924 von Kardinal Schulte im Dom zu Köln zum Priester geweiht. In den Jahren 1924-1926 war er Vikar in Langenberg bei Neviges und dann von 1926-1931 Kaplan in St. Vitalis in Köln-Müngersdorf.

Was ihn letztlich bewegte, um die Aufnahme in die Gesellschaft Jesu zu bitten, wissen wir nicht. Er trat am 15. September 1931 in 's-Heerenberg ein, wo er das erste Jahr des Noviziates machte, um dann das zweite Jahr 1932/33 in Valkenburg zu vollenden. Dort schlossen sich gleich Studien der Philosophie und Theologie an, die mit dem Tertiat 1936 bis 1937 in Münster abgeschlossen wurden.
Seine nächste Arbeit war Kaplan in St. Ignatius in Frankfurt (1937-1944). Hier erlebte er mitten in der Gemeinde den 2. Weltkrieg mit all den furchtbaren Geschehen, besonders der Bombennächte.

Von 1944-1946 war er Pfarrvikar in Schlitz (Oberhessen), wo er auch das Ende des Krieges erlebte. Anschließend war er erneut als Kaplan am Wiederaufbau der Pfarrei St. Ignatius Frankfurt tätig, bis ihn schließlich die Obern als Pfarrer von St. Robert Bellarmin nach Köln, Gabelsbergerstraße beriefen. Hier wirkte er segensreich von 1948-1959. Als schließlich die Pfarrei aufgegeben wurde, arbeitete er als Operarius in Bonn, vornehmlich als Exerzitienmeister und Schwesternseelsorger, bis er im Jahre 1966 - durch Krankheit gezwungen - die Stelle als Rektor im Haus 'Salus infirmorum' der Schwestern U. L. Frau in Mülhausen-Oedt übernahm. Dort hatte er nicht nur die Sorge für die alten und kranken Schwestern übernommen, sondern gab auch Schwesternvorträge und Exerzitienkurse, soweit er das bei seiner angegriffenen Gesundheit konnte.

Als schließlich im Frühjahr 1981 seine Sehkraft immer mehr abnahm und auch das Gehör nicht mehr wollte (Herzschwäche kam dazu), konnte er wohl seine Aufgaben nicht mehr voll übernehmen und siedelte Anfang August 1981 nach Haus Sentmaring in Münster über. Dort verbrachte er die nächsten Jahre, bis er am frühen Morgen des 30. November 1989 sein Leben in die Hände des Herrn zurückgab.

P. Syre hat bei der Beisetzung P. Steigels den begleitenden Mitbrüdern etwas von dessen Persönlichkeit nahegebracht:

    Wir nehmen Abschied von P. Steigels. In diesem Augenblick empfinde ich etwas von dem, was Mose vor dem brennenden Dornbusch widerfuhr: "Tritt nicht näher ... denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden." Das verspüre ich in dieser Stunde vor der Persönlichkeit unseres Mitbruders. Mir schiene es angemessener, in ehrfürchtigem Schweigen zu verharren. Da ich mich mit P. Steigeis in einer tiefen mitbrüderlichen Wertschätzung verbunden wissen darf, wage ich es, zu sprechen.

    Als P. Steigels am 12. August 1981 eintraf, um hier im Hause Sentmaring seinen Lebensabend zu verbringen, lernten wir uns kennen. Die damalige Provinzialoberin Sr. M. Mechtilde und Sr. M. Gervasia brachten ihn von Mülhausen. Noch steht mir die Szene vor Augen, als beim Abschied die Schwestern ihn um seinen priesterlichen Segen baten. Mit tränenerstickter Stimme sprach er mühsam die Segensworte. Ein französisches Sprichwort lautet: "Partir est toujours un peu mourir" - Abschied nehmen, heißt immer ein Stückchen Sterben. In der Tat, mit dem Tag seiner Ankunft hier begann für P. Steigels der lange Prozeß des Abschieds, der am Donnerstag früh seine Vollendung fand.

    Wer war P. Steigels? Was prägte ihn? Woraus und woraufhin lebte er? Jan van Ruysbroek prägte vor gut 600 Jahren das Wort: "Des Priesters Heiligkeit soll nicht nur im Innern brennen, sie soll auch leuchten nach außen." Dieses Wort scheint mir treffend auszudrücken, was P. Steigels lebte. Er war eine zutiefst priesterliche Persönlichkeit, durch und durch geprägt von jenem Geheimnis, an dem er am 14. August 1924, dem Tag seiner Priesterweihe im Dom zu Köln, Anteil erhalten durfte; Damit begann ein schmerzlich-beglückendes Erleben dessen, was das Buch Deuteronomium mit dem Wort zu umschreiben versucht: "Denn der Herr dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer" (Dtn 4,24), oder wie Martin Buber übersetzt: "Denn Er dein Gott, ein verzehrendes Feuer ist Er, ein eifernder Gottherr." P. Steigels "wußte" um dieses "Feuer" in seinem Herzen. Dessen zunehmende Erfahrung führte ihn sieben Jahre nach seiner Priesterweihe, im Jahre 1931, in die Gesellschaft Jesu.

    Wer näher mit ihm in Berührung kam, ahnte etwas von diesem inneren "Feuer". Das zeigte sich auf doppelte Weise. Zum einen bewirkte es, daß er ein "Ausgesonderter" wurde, etwa in dem Sinne, wie es z. B. den Propheten Israels widerfuhr: "Sie standen und lebten inmitten der Menschen und blieben in gewissem Sinne Fremdlinge, Unverstandene, ja sogar Gemiedene, weil der Herr seine Hand auf sie gelegt hatte." Bei P. Steigels zeigte sich das u.a. in einem ehrfürchtigen Umgang mit sich selbst. Ein feines Gespür für Takt und Form leitete ihn. Nie vergab er sich etwas, sondern wußte sich in jeder Situation zu bewahren. In dieser Haltung verwirklichte sich etwas von dem, was der hl. Ignatius in den Ordenssatzungen nahelegt: "Alle sollen mit großer Sorgfalt darauf achten, die Tore ihrer Sinne, vor allem die der Augen, der Ohren und der Zunge vor jeder Unordnung zu behüten. Sie sollen sich in Frieden und wahrer innerer Demut bewahren." Ja, man spürte es bei ihm: eine Atmosphäre des Friedens ging von ihm aus. Darum legte er Wert auf die Respektierung seiner Person, die er von seiner Umgebung erwartete und auf der er zu bestehen wußte, wenn er z.B. mit großer Sorgfalt die mit zunehmendeM Alter sich mehrenden Jubiläen und "runden" Geburtstage vorbereitete. Das mag den Anschein von Egoismus und "Kreisen um die eigene Person" erwecken, was es aber im Grunde nicht war. Dieses Verhalten zeigte, wie tief P. Steigels den Geist seines Ordensvaters, des hl. Ignatius, in sich aufgenommen hatte, der zu beten pflegte: "Herr, gib mir ehrfürchtige Liebe und liebeerfüllte Demut." Diese Ehrfurcht schöpfte P. Steigels aus einem unermüdlichen Umgang mit der Heiligen Schrift und den Satzungen der Gesellschaft Jesu.

    "Des Priesters Heiligkeit soll nicht nur im Innern brennen, sie soll auch leuchten nach außen". Auch der zweite Teil dieses Ruysbroek-Wortes fand in P. Steigels seine Verwirklichung. Und wie diese Heiligkeit leuchtete! Diese geheimnisvolle und glutvolle Wirklichkeit konnte, durfte und wollte er nicht in sich verschlossen halten. Wir werden an das Pauluswort erinnert: "Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!" (1 Kor 9,16). P. Steigels drängte es zu den Menschen um des Evangeliums willen; er wollte ihnen teilgeben an dem, was ihn selbst erfüllte. Dabei ging es ihm nicht um seine Person, sondern wirklich um Gottes Reich in den Menschen und der Welt der Menschen. Das spürten alle, die in irgendeiner Weise mit ihm in Berührung kamen, sei es in der Seelsorge als Kaplan oder Pfarrer, in zahlreichen Exerzitienkursen oder schließlich in den 15 Jahren seiner Tätigkeit als Hausgeistlicher bei den Schwestern Unserer Lieben Frau in Mülhausen. Und das setzte sich - wenn auch in bescheidenem Umfang - hier im Hause Sentmaring fort.

    Die 16.00 Uhr-Messe, die er täglich in der Kapelle des Altenheimes feierte, wurde schlichtweg zu einer Institution. Mit großer Sorgfalt und Liebe bereitete er sich - wie eh und je - auf jede heilige Messe vor, durchströmt von dem "Feuer" in seinem Innern. Nicht wenigen im Hause wurde er zum väterlichen Begleiter und geistlichem Ratgeber, mehr durch sein Vorbild als durch Worte wirkend. Nie blieb er müßig. Staunend ließ sich beobachten, wie der Herr ihn zur Vollendung führte. Mir kommt in diesem Zusammenhang das Bild eines Kornfeldes unmittelbar vor der Ernte in den Sinn: Das Wachstum ist abgeschlossen, das Korn füllt die Ähren, eines fehlt noch: die letzte, endgültige Reife. Diese geschieht in den letzten Tagen, unmittelbar vor dem Schnitt. Wie heißt es im Evangelium "Erhebt eure Augen und schaut: Die Felder sind weiß zur Ernte." (Joh 4,35).

    Wir dürfen hoffen, daß an P. Steigels in Erfüllung ging, was P. Pedro Arrupe, unserer zurückgetretener Generaloberer, im Nachwort seines Buches "Mein Weg und mein Glaube" im Juni 1981 schrieb: "Tatsächlich ist dieser Tod, den man oft so sehr fürchtet, für mich eines der am meisten erwarteten Ereignisse, ein Ereignis, das meinem Leben Sinn verleiht ... Er bedeutet, sich dem Herrn in die Arme werfen, er bedeutet, die Einladung zu hören, die man nicht verdient hat, die aber in Wahrheit ergangen ist: "Wohlan, du guter und getreuer Knecht ... geh ein in die Freude deines Herrn" (Mt 25,21), er bedeutet ans Ziel der Hoffnung und des Glaubens zu kommen, um in der ewigen und grenzenlosen Liebe zu leben."

R.i.p.

P. Heinz Brokof SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 3/1990 - Mai, S. 69ff