Bruder Franz Swiderek SJ
* 3. Juni 1907 in Gembitz/Schneidemühl
5. Juni 1996 in Münster

"Ich bin der Junge von der Julchen", so konnte sich Bruder Franz Swiderek gelegentlich in Münster oder in Essen laut lachend vorstellen, wenn er "gut drauf war". Julchen war seine Mutter, die "17 Geburten hatte und 14 Kinder großzog". (Franz und Mutter Julchen haben mit dem 5. Juni den gleichen Todestag.) Mutter und Großmutter haben Franz Swiderek nicht nur "mit Essen, Kleidung und Wäsche versorgt", sondern "uns auch belehrt und uns ein gutes christliches Leben vorgelebt". - "Mein Vater und meine Mutter haben die Gebote Gottes ernst genommen und danach gelebt." (Alle Zitate stammen aus einem 'Rückblick zum 80. Lebensjahr', der eine Art Selbstbiographie ist und lebensnah und spannend zu lesen ist. Br. Swiderek hat lange sehr bedauert, daß sein "Buch" nicht richtig gedruckt wurde.)

Franz wuchs als sechstes Kind mit seinen vielen Geschwistern auf einem Bauernhof (mit 90 Morgen) im Kreis Kolmar (Provinz Posen) auf. Durch den Abbau von Lehmboden war auf dem Gehöft ein großer Teich entstanden, in dem im Sommer die Pferde und Schweine schwimmen konnten. "Meine Eitern züchteten alles an Vieh und Geflügel, was man zum Leben brauchte: Pferde, Kühe, Schweine, Schafe, alle Arten von Geflügel, Hunde, Katzen und Kaninchen." (Vor dem Schulbeginn wollte Franz 'Hengstbeschneider' werden, weil man da "schnell und gut Geld verdient" - nachdem er bei der Kastration eines Hengstfohlen zugeschaut hatte.) Die Arbeit auf dem Bauernhof "war vielseitig und interessant". "Die Tage waren kurz, es wurde in Hof und Scheune nur bei Tageslicht gearbeitet. Als der Vater nach einer Operation (auf dem bäuerlichen Küchentisch) zwei Jahre lang ausfiel, müßte die Mutter - neben Schwangerschaft und Kindern - allein für die Wirtschaft Verantwortung tragen." (Erst nachdem die Mutter 1958 in die DDR (Bad Freienwalde) gekommen war, hat sie Franz von dieser schweren Zeit erzählt.)

Mit sieben Jahren kam Franz in Gembitz in die evangelische (früher preußische) Volksschule. (Nach dem verlorenen Krieg 1914/18 war durch veränderte Grenzziehung sein Heimatort zu Polen gekommen.) Ein polnischer Lehrer sollte katholische Religion in deutscher Sprache unterrichten, "aber daraus wurde wenig". Mit zehn Jahren bekam er in der Pfarrkirche von Czarnikau erst richtigen Religions- und Kommunionunterricht. Im letzten Kriegsjahr (1918) empfing er die Erste Hl. Kommunion, wobei er mit zweispänniger Kutsche in die Kirche gefahren wurde. Das am gleichen Tag stattfindende Kirmes-Sommerfest machte er nicht mit: "Als alle fort waren, zog ich mich zurück in ein stilles Zimmer und betete aus dem geschenkten Gebetbuch die Dankgebete für diesen Tag."

Bis 1921 besuchte Franz Swiderek die Volksschule: "Trotz der vielen Schulausfälle während des Krieges bekam ich noch ein ziemlich gutes Zeugnis." Danach blieb er noch drei Jahre auf dem elterlichen Hof als Arbeiter. - "In dieser Zeit habe ich bei meinen Gebeten zu Gott, besonders beim Morgengebet, manchmal unter Tränen, Gott gebeten, er möge mir doch helfen und mich führen, einen Beruf zu lernen. " Obwohl Jungen aus der Nachbarschaft ihm abrieten ("Schuhmacher bekommen früh einen Buckel, sehen immer blaß aus, haben krumme Beine vom Sitzen und haben die große Gefahr, zum Schnapstrinker zu werden"), begann Franz Swiderek nach einer Probezeit seine dreijährige Schuhmacherlehre, die er mit 'gut' abschloß. Zwischendurch hatte er auch viele Auseinandersetzungen mit seinem Meister und viele "Kummertage" zu ertragen.

Nach einer kurzen Arbeitszeit als Geselle in Posen wurde er zum polnischen Militär einberufen: "Dort hatte ich wegen meiner etwas eigenwilligen Art, Dinge zu sehen und zu laut, zu schnell und zu aufgeregt zu erklären, etliche Schwierigkeiten." Nach der Grundausbildung wurde er als Bursche zu einem General abkommandiert. Dort legte er sich mit der 'Frau Generalin' an, weil diese ihn in Uniform mit einer Riesendogge zum Milchholen geschickt hatte. Danach war er als Bursche für die Reitpferde der Offiziere zuständig. Seine Erzählungen aus dieser Zeit (mit diversen Streichen, bei denen er dann das Unschuldslamm spielte) muten wie die Erlebnisse des braven Soldaten Schwejk an. Wen wundert es, daß er zuletzt nicht zum Gefreiten befördert wurde, was Franz Swiderek für sich als "Vorteil" ansah.

Nach der Militärzeit suchte sich Franz in der nahegelegenen Kleinstadt seiner Heimat eine Stelle als Schuhmachergeselle. Dort arbeitete er "ruhig 11 1/2 J. bei gutem Verdienst". Er bekam beim Meister Verpflegung und Familienanschluß: "Es waren dort nette Menschen und zudem waren sie auch gute Katholiken."

In dieser Zeit starb sein Vater. Am Sarg des Vaters wurde ein Gedanke immer stärker: "Vielleicht ist es für mich am besten, ich gehe in einem Orden arbeiten und beten." - "Bei einer nächtlichen Anbetung vor dem Allerheiligsten spürte ich in meiner Seele: 'Komm und folge mir!." Auf Rat seines Heimatpfarrers bewarb er sich als Ordensbruder beim Orden der Heiligen Familie und bekam die Aufnahme ins Postulat. Kurz vor der Abfahrt ins Noviziat erhielt er die Einberufung zum Militär: Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen. Ohne Kampfeinsatz erlebte Franz Swiderek die polnische Kapitulation: "Mit vielen Umwegen und großer Mühe" (Hunger, Ruhrerkrankung in deutscher Gefangenschaft etc.) erreichte er die Familie seines Meisters. "Von dort fuhr ich nach Hause zu Muttern."

Er konnte noch drei Jahre bei seinem alten Meister - unter deutscher Besetzung arbeiten. Dann wurde er zunächst als Hilfspolizist dienstverpflichtet. Nachdem er mit etlichen "Kniffen" einer Musterung durch die SS und einem "freiwilligen" Eintritt in die SA ausgewichen war, wurde er im Juli 1942 'Soldat im Deutschen Heer'. Nach gründlicher Grundausbildung in Berlin-Straußberg kam Franz Swiderek in der Nähe von Kiew zum Fronteinsatz. Schon am ersten Tag wurde er schwer verwundet: "Ein Schuß schlug in meine Taschenuhr in der Hosentasche, aber den letzten Hinterdeckel schlug das Geschoß nicht mehr durch - und ich hatte einen Querschuß im rechten Oberschenkel." Nach dreimonatigem Lazarettaufenthalt wurde er zur Etappe (Kleiderkammer und Schuhmacher) reaktiviert. Nach einem dreiwöchigen Einsatz in Frankreich wurde er an die Ostfront nach Ostpreußen in die Nähe von Memel verlegt.

In dieser Zeit kommen in den lebensnahen Schilderungen von Franz Swiderek immer wieder religiöse Anliegen und Wünsche durch: Listenreich suchte er z. B. jede Gelegenheit, um wenigstens einmal in der Woche eine Heilige Messe mitfeiern zu können: "Dann hatte ich wieder Kraft für die nächsten Tage."

Auf dem Rückzug kam es - in der Nähe von Braunsberg - wieder zum Kampfeinsatz: Von den Russen umzingelt, unternahm seine Kompanie einen Sturmangriff, bei dem Franz Swiderek von einem Granatsplitter am rechten Arm schwer verwundet wurde (die Speiche war auf einer Länge von 8 cm zersplittert). Mühsam rettete er sich zu einem Verbandsplatz: "Dann betete ich zu Gott, machte eine vollkommene Reue über all das, was verkehrt in meinem Leben gewesen ist. Bat Gott, er möge mir helfen, daß ich gut über den Berg komme. Versprach Gott in meiner jetzigen Lage: Wenn ich noch weiter leben darf, werde ich nie mehr im Leben Gott beleidigen, also keine schwere Sünde zu begehen. - Dieses Versprechen war auch ein Grund dafür, daß ich den Ordensstand erwählt und bis jetzt treu gelebt habe." Auf verschiedenen Verwundetentransporten kam er (zum Teil auf kleinen Fischerbooten) über die Nehrung nach Rostock und über Perleberg nach Lübeck. Dort geriet er in englische Gefangenschaft. Er wurde auf einem Lazarettschiff ärztlich versorgt und gefragt, ob er jetzt Pole oder Deutscher sein wolle. (Polnische Verwundete wurden mit den ehemaligen Kriegsgefangenen sofort nach Polen zurücktransportiert.) Franz Swiderek antwortete: "Ich kann doch nicht einmal Kalb sein und einmal Ziege. Ich bin als Deutscher geboren und werde als Deutscher sterben. - "Dann bleiben Sie hier", sagte der Arzt."

Nach wechselnden Aufenthalten in diversen Lazaretten und Gefangenenlagern wurde ihm in Lübeck "ein Zimmer bei einer netten Familie zugeteilt". Trotz Schmerzen und zwei Nachoperationen (Splitterentfernungen) arbeitete er schon vom Lazarett aus wieder als Schuhmacher - zunächst gegen Lebensmittel, später beim Obermeister der orthopädischen Schuhmacherinnung gegen Entgelt. Hier erwarb er auch Anteile für seine "Rrränte". Er nahm an einem Deutsch-Aufbaukurs teil und belegte einen Kurzkurs für die Ablegung der Meisterprüfung als Schuhmacher. Diese bestand er 1948 als einziger seiner Gruppe mit 'sehr gut'. In seinen Erinnerungen ist er stets stolz auf diese seine Leistung, weil er trotz der schweren Verwundungen, in einer Zeit des Hungerns, des Frierens (1946/47 herrschte ein sehr strenger Winter) und vieler anderer Entbehrungen das noch geschafft hatte.

Als Franz Swiderek 1949 für kurze Zeit arbeitslos wurde (nach Versorgung der Kriegsversehrten wurden weniger orthopädische Schuhe gebraucht), lebte er von seiner Kriegsopferrente (bei 40% Versehrtheit): "So hatte ich wieder mehr Zeit zum Nachdenken. Ich fragte mich, ob ich mit 43 Jahren und als Kriegsversehrter noch in einen Orden eintreten könnte." Danach geriet er an einen Ordenspriester, der "öfters in der Herz-Jesu-Kirche zelebrierte, der aber auch viel wegen seelsorglicher Angelegenheiten verreist" war. Pater Josef Schäfer SJ gab ihm zunächst "ein dickes Buch zum Durchlesen, das vom Leben und Wirken des hl. Ignatius handelte. "Ferner bekam er aus der Pfarrbücherei von einer Ordensfrau das Buch: 'Der kölnische Mönch als Franziskaner'. - Beim nächsten Treffen fragte Pater Schäfer, wie ihm das Buch über Ignatius gefallen habe. Franz Swiderek antwortete: "Es hat sich gut gelesen, aber das Leben des hl. Ignatius hat sich vor mehr als 300 Jahren abgespielt. In der Zeit hat sich bei der Menschheit und in der Kirche manches verändert. "Pater Schäfer meinte: "Das schon, aber im Jesuitenorden ist der ignatianische Geist noch lebendig." Am Ende des Gespräches sagte Pater Schäfer: "Glauben Sie mir, Sie sind von Gott zum Ordensleben berufen." - "So eine Aussage hatte mir noch gefehlt, um mich ganz sicher auf meinem Weg zu wissen."

In der Fastenzeit 1950 kam Franz Swiderek "zur Probe" nach Burg Eringerfeld: "Ich wurde von der Pferdekutsche (wie zur Ersten Hl. Kommunion) am Bahnhof Geseke abgeholt. Dann fing ich mit dem Gebetsleben an." In Eringerfeld traf er auf sieben andere Brüdernovizen und auf einen "Maneduktor, der auch Schuhmacher war". (Br. Swiderek nennt in seinen Erinnerungen niemals Namen, wenn er mit diesen Mitbrüdern Auseinandersetzungen hatte.) "Mit ihm bekam ich manchmal Spannung. Er hatte nicht die Meisterprüfung und war auch mit der Arbeitsmethode und dem neuen Werkstoff und mit Klebearten nicht vertraut. Ich sollte nach alter Methode arbeiten, wie man früher im Orden in den Schuhmacherwerkstätten gearbeitet hatte. Als ich auf diesen Rat nicht einging, sondern so arbeitete, wie ich es in Lübeck in der Orthopädie getan hatte, meinte er, ich habe als Ordensmann ihm zu gehorchen. Ich sagte, wenn er vorhat, mich aus dem Orden hinauszuekeln, dann trage er vor Gott die Verantwortung, ich wüßte, daß ich Gott im Orden dienen soll." Es kam dann zur Intervention des Rektors und Novizenmeisters: "Arbeiten Sie so in der Werkstatt, wie Sie es für richtig halten."

In der Eringerfelder Schuhmacherwerkstatt arbeitete Br. Swiderek fleißig und erfolgreich: "Vielen älteren Mitbrüdern, die kranke Füße hatten, verpaßte ich gute orthopädische Schuhe, in denen sie wirklich gut laufen konnten." Auch rüstete er viele junge Mitbrüder mit seinen Sandalen (aus brasilianischen Kuhhäuten) aus: Sie waren derb, bequem und (bis auf die Sohlen) kaum zu verschleißen.

Ferner kehrte und wachste er (wie alle Novizen) die langen Gänge der Burg, fegte in seiner vielfach geflickten Gummischürze den Hof und pumpte regelmäßig die Sickergruben der Jesuiten für die Düngungen auf dem Landgut von Bauer Mollerus aus.

1964 mußte er seine Schuhmacherei im Keller der Burg verlassen: "In Ascheberg habe ich aus einem alten Hühnerstall eine Schuhmacherwerkstatt hergerichtet." "Dann wurde unser Noviziat immer kleiner; die Barmer zahlte für die orthopädischen Schuhe; Sandalen waren günstiger zu kaufen, so mußte ich mehr und mehr andere Arbeiten machen." Schon vor dem Umzug des Noviziats von Ascheberg nach Münster (1969) kam er als Aushilfe nach Haus Sentmaring in den Speisesaal. Dort verstand er sich anfangs mit der Hauptköchin (Frau Martha Jostmeier) und mit den anderen 'Küchenfrolleins' gut. Er "schäkerte" auch oft mit dem Küchenpersonal, so daß sein Lachen und das Kichern der F'rolleins' durch das Treppenhaus von Haus Sentmaring schallte.

In dem heißen Sommer 1976 fühlte sich Br. Swiderek gesundheitlich sehr schlecht: "Mein Schlaf war ganz weg, und meine Nerven waren so angespannt, daß ich bald die Flöhe husten hörte." Zu einer Art Erholungsaufenthalt kam er in das Ignatiushaus nach Essen. Mit medikamentöser Hilfe, (obwohl er immer gegenüber "der Chemie" skeptisch blieb) konnte er wieder schlafen, machte wieder seine Morgengymnastik, wie er es noch vom polnischen Militär her gewohnt war, und "ich fand wieder meinen guten Humor". Anschließend versetzte ihn Pater Provinzial Johannes G. Gerhartz nach Essen, "obwohl mir jetzt auch in Münster leichtere Arbeit angeboten wurde". - "Die meinten noch, es müßten bald jüngere Brüder nachkommen. Da ich noch gut beweglich war und man mir wenig anmerkte, verstanden die nicht, daß ich wegen der Verwundungen arbeitseingeschränkt war."

In Essen war Br. Swiderek 14 Jahre lang (bis 1990) "Mädchen für alles": Er half vor allem der Haushälterin Frau Marlies Stolte, sorgte für den kleinen Speiseraum, sortierte den Müll und half nach dem Einkaufen. Auch unterhielt er neben einer Heizung eine kleine Schuhmacherwerkstatt, in der er sich öfter noch beschäftigte. Besondere Freude machte ihm die Gartenarbeit. Hier fühlte er sich an seine Kindheit und Jugend auf dem Bauernhof erinnert: "Ich betreute die 15 Obstbäume, wie ich es aus meiner Heimat gewohnt war": er grub um die Baumstämme Mutterboden ein, stellte einen Spezialdünger her und versah etliche Bäume mit Stützen. Noch mit 82 Jahren stand er hoch auf einer Leiter, hantierte mit einem längeren Pflücker und ärgerte sich über jede gute Birne, die ihm herunterfiel. Im Essener Obstkeller stellt er die richtige Temperatur von 4 - 5 ° C ein, "damit das Obst mehrere Wochen länger hielt". Er konnte darüber oft einen kleinen Vortrag halten: "Manche Sorten Obst schmecken erst nach längerem Lagern etwas süßer. Dies kann aber nur der Fachmann feststellen, der vorher die nicht gelagerten Birnen gegessen hat."

Anfang 1990 wurde Bruder Swiderek das Leben in Essen beschwerlicher: Er hatte vermehrt Zeiten, in denen er sehr still und in sich gekehrt und dabei doch innerlich unruhig und ängstlich war. Diese Zustände haben ihn sehr gequält. Dennoch verbrachte er viel Zeit vor dem Tabernakel und mit dem Rosenkranz im Garten. Am 1. Juni 1990 kam er in die Altenabteilung nach Münster. Auch dort machte er sich noch - "bewaffnet" mit Schürze und Besen - auf Wegen und Plätzen vor dem Haus und im Park nützlich. Im Frühjahr 1996 bekam er einen Hirninfarkt, der ihm die Sprache raubte. Trotz einer stationären Behandlung in der Raphaels-Klinik konnte er nicht mehr sprechen, schaute den Besucher nur ratlos und hilflos an. Am Todestag seiner Mutter, nur 30 Jahre später, starb der "Junge von der Julchen". Es ist wohl kaum verwunderlich, daß Br. Swiderek eine besondere Verehrung für die Gottesmutter hatte. Er sprach selten darüber. Doch in seiner Gebets- und Liedersammlung ("Lieder und Gedichte, welche ich in der Jugend gelernt habe, die mich das ganze Leben begleitet haben und immer aufs neue mein Herz erfreuen") finden sich fünf Marienlieder. Das letzte Lied paßt wohl für uns Zurückgebliebenen und alle Jesuitenhäuser:

"Segne, Du Maria, alle, die Dir lieb,
Deinen Muttersegen ihnen täglich gib.
Deine Mutterhände breit auf alles aus.
Segne alle Herzen, segne jedes Haus."

In einem Nachtrag zu seiner Selbstbiographie schreibt er zum besseren Verständnis des Rückblicks auf sein Leben als Schuhmachermeister und Ordensbruder: "Ich habe nun mal kein zu überstarkes politisches Gefühl mitbekommen, so daß es leicht in mir aufschäumt, dafür habe ich aber ein starkes religiöses Gefühl." Trotzdem hatte er sehr wohl gute religiös-politische 'Ahnungen'. So hat er die Vereidigungen im polnischen und im deutschen Heer nicht mitgemacht: "Als der Hauptmann für uns alle laut die Soldateneidesformel sprach, sollten wir alle die Hand hochhalten. Ich habe die Hände über der Brust gefaltet und leise gebetet, Gott möge mir helfen, daß ich, wenn ich zum Einsatz käme, keinen Menschen unschuldig erschieße. Ich will lieber verwundet werden, als meine Seele zu belasten. Gott hat dieses Gebet erhört. Ich habe im polnischen wie im deutschen Einsatz keinen Schuß abgeschossen. Ehe wir zum Einsatz kamen, wurde ich schon zweimal verwundet."

Die Exerzitien des hl. Ignatius haben den Schuhmachermeister und Ordensmann sehr geprägt: "Man sollte wenigstens jedem erklären: Gott hat uns dazu erschaffen, damit wir Gott erkennen, lieben, treu dienen, um sich so das ewige Leben im Himmelreich zu verdienen. Gott gibt uns von seiner Seite reichlich seine Gnade (=Hilfe) dazu." Kürzer und für den Alltag griffiger formuliert er es in seinem regelmäßigen Dankgebet nach der Hl. Kommunion beim Verlassen der Kirche:

"Froh bei der Arbeit,
treu in der Pflicht,
Gott im Herzen,
da fehlt dir nichts."

Bruder Franz Swiderek ist es während seines Lebens gelungen, Herzensgebet und unermüdliche Arbeit harmonisch miteinander zu verbinden. Er war ein 'wahrer' Jesuit, in dem 'nichts Falsches' war.

R.i.p.

P. Ulrich Niemann SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 5/1997 - Oktober, S 160-164