P. Wilhelm Toebosch SJ
11. Mai 1989 in Berlin

Im Sommer 1988 spürte P. Toebosch plötzlich Schmerzen im Rückenbereich, die bis zu seinem Tod nicht mehr ganz aufhören sollten. Alle Untersuchungen führten dazu, daß am 12. 1. 89 eine Darmoperation nötig wurde, die im St. Gertraudenkrankenhaus in Berlin-Wilmersdorf stattfand. Um einem Darmverschluß zuvorzukommen, wurde am 21. 3. eine zweite Operation durchgeführt. Dies war auch der Tag, an dem P. Toebosch seine letzte Hl. Messe zelebrierte, und zwar im St. Josefs-Kinderheim in Berlin-Charlottenburg, wo er seit 1983 Hausgeistlicher war.

Seine letzte Lebensphase verlebte P. Toebosch von November 1988 an fast durchgehend im St. Gertraudenkrankenhaus, in dem ich seit 1983 als Seelsorger tätig bin. Von Anfang an rechnete er mit dem Schlimmsten und machte sich mehr und mehr bereit für die Stunde des Heimgangs. Er sprach des öfteren davon, daß er bereit sei, "den letzten Urlaub anzutreten", wie er sich in seiner ihm eigenen humorvollen Art ausdrückte, die er bis in die letzten Tage beibehielt. Nachdem zunächst noch eine Rückkehr ins St. Josefsheim erwogen worden war, wurde Ende April 1989 deutlich, daß dies nicht mehr möglich sei. P. Toebosch war mit einer Verlegung nach Münster einverstanden, und über die briefliche Versetzung dorthin durch P. Provinzial freute er sich sehr, fühlte er sich doch nun ganz von seinen Aufgaben im St. Josefsheim entbunden, die er sehr ernst genommen hatte, vor allem die tägliche Feier der Hl. Messe.

Noch an seinem Todestag, dem 11. Mai, war er innerlich ganz auf die Umsiedlung nach Münster eingestellt. Doch begannen an diesem Tag früh besonders starke Schmerzen, die nur sehr schwer zu lindern waren. Die Schwester und eine Cousine P. Toeboschs, die schon seit mehreren Tagen zu Besuch waren, verbrachten den ganzen Tag bei ihm, bis er gegen 18.00 Uhr in den Armen seiner Schwester verstarb, ohne das Bewußtsein verloren zu haben. Er hatte noch am selben Tag seiner Schwester zum Geburtstag gratuliert und mich bei meinem Besuch gegen Mittag aufgefordert, ich sollte meine Mittagsruhe nicht vergessen.

In all den Monaten seiner schweren Krankheit beschäftigte sich P. Toebosch intensiv mit allen Personen, die ihm wichtig waren. Über Telefon und Post war er mit allen Verwandten, insbesondere mit seiner Schwester, eng verbunden, ebenso mit Freunden aus der Zeit seiner Seelsorgsarbeiten wie auch mit vielen Mitbrüdern unseres Ordens und mit Ordensschwestern verschiedener Gemeinschaften. Sie alle haben sich bemüht, ihm in seiner Leidenszeit beizustehen, doch versuchte er selbst, eher von sich abzulenken und kümmerte sich mehr um das Befinden der anderen. Soweit wie möglich war er vom Krankenbett aus und in der kurzen Zwischenzeit, in der er nicht im Krankenhaus war, noch priesterlich tätig. So nahm er nach und nach Abschied und begab sich auf die letzte Reise mit einer gewissen Heiterkeit, die ihn nie verließ und mit der er seine Besucher tröstete und in Verwunderung versetzte. Ja, er war selbst sehr verwundert, daß der Herr ihn früher, als er erwartet hatte, zu sich rief, hatte er doch vor dem Sommer 1988 oft gesagt, so gut hätte er sich in seinem ganzen Leben nicht gefühlt und so könne er noch gern einige Jahre verleben.

P. Wilhelm Toebosch wurde am 18. März 1917 in Mönchengladbach geboren. Seine Eltern waren Julius Toebosch und Wilhelmine, geb. Esser. Sein Familienname kommt aus dem Holländischen, und P. Toebosch sprach ihn gern "Tubos" aus. Wilhelm hatte drei Geschwister. Am 20.3.14 wurde seine erste Schwester Agnes geboren, sie starb am gleichen Tag. Es folgte die zweite Schwester Maria, die am 11. Mai 1915 geboren wurde und heute noch in Mönchengladbach lebt. Schließlich wurde nach Wilhelm noch am 12.2.22 der einzige Bruder Heinz geboren, der nach dem Abitur zum Militär kam und am 20.10.44 als Leutnant an der Eismeerfront fiel.

Wilhelm besuchte von 1923-1927 die Volksschule in Mönchengladbach-Hoven, dann das Humanistische Gymnasium, wo er 1936 sein Abitur machte. Am 22. April 1936 trat er in die Gesellschaft Jesu ein und machte in 's-Heerenberg und Hochelten sein Noviziat. Es folgten die Philosophie in Pullach (1938-40) und die Theologie von 1941-1943 in Sankt Georgen und von 1946-1948 in Büren. Dazwischen wurde er am 7. März 1943 in Limburg zum Priester geweiht. Sein Terziat machte er von 1948-1949 in Münster.

P. Toebosch begann seine priesterlichen Aufgaben als Kaplan in Dortmund, wo er bis 1945 blieb. Von August 1949 an lehrte er Moral und kirchliches Eherecht an der Westfälischen Wohlfahrtsschule in Dortmund und widmete sich so der Ausbildung junger Menschen, die sich auf soziale Berufe vorbereiteten. Im November 1954 übernahm er die Leitung des Gebetsapostolates als Nationalsekretär mit Sitz in Frankfurt/Main. Ab 1969 war er Hausgeistlicher und Krankenseelsorger am St. Josefsstift in Bremen, wo er 14 Jahre lang wirkte. Im Januar 1982 erlitt er dort einen leichten Herzinfarkt; dies war der Anlaß zu seiner Versetzung nach Berlin im Juni 1983. Hier wirkte er als Hausgeistlicher im St. Josefs-Kinderheim der Karmelitinnen, von wo aus er viele Aushilfen in Berliner Kirchen übernahm und regelmäßig auch in der Krankenseelsorge des St. Gertraudenkrankenhauses der Katharinerinnen mithalf.

P. Toebosch widmete sich in seinem priesterlichen Wirken besonders den Kranken, Leidenden und Sterbenden. Diesen Menschen begegnete er mit besonderer Einfühlung, weil er selbst zeitlebens körperliche Leiden zu ertragen hatte. Von Kindheit an besaß er lediglich eine Sehfähigkeit von 8%. Trotz dieser schweren Behinderung konnte er die ganze Ausbildung in der Gesellschaft Jesu machen und als Priester und Jesuit viele Aufgaben erfüllen. Zeitweilig fuhr er sogar mit einem Moped durch die deutschen Lande. In den letzten Jahren benutzte er einen speziellen Aufsatz für seine Lesebrille, so daß er sogar Kleingedrucktes lesen konnte. Als Nationalsekretär des Gebetsapostolates war er jahrelang in der ganzen Bundesrepublik unterwegs und predigte in unzähligen Dekanaten. Auch in seiner letzten Tätigkeit war er viel unterwegs. Er eroberte zu Fuß Berlin, das er bis dahin noch nicht kannte und machte alle Aushilfen soweit wie möglich ebenso zu Fuß. So kam er Woche für Woche jeweils einen Tag ins St. Gertraudenkrankenhaus, um mir einen freien Tag zu ermöglichen. Auch im Urlaub liebt er das Wandern, immer zusammen mit seiner Schwester, wobei sie Gegenden in der Nähe von Häusern und Ferienhütten des Ordens bevorzugten, von Arhus bis Locarno.

Sein besonderes Interesse galt der Musik und der dazu gehörenden Technik. Doch setzte er seine zahllosen Kassetten auch immer im Dienst der Seelsorge ein, besonders in Bremen für den Krankenhörfunk, indem er Abend für Abend eine Andacht per Kassette durchführte.
Charakteristisch war seine Pünktlichkeit, besonders bei der Feier der Hl. Messe, auch wenn sie noch so früh war. Er "rühmte" sich, niemals eine solche Frühmesse verschlafen zu haben. Überhaupt war die Hl. Eucharistiefeier für ihn, gerade in den letzten Jahren, das Wichtigste in seinem priesterlichen Wirken.

Dies war mir besonders bewußt, als ich am 19. Mai 1989 in der Hauskapelle unseres Hauses in Münster das Requiem für P. Toebosch in Konzelebration mit einigen Mitbrüdern feierte, die ihn von früher. gut kannten, u. a. die Patres L. Lennartz und H. Thurn. In Münster, wohin er einige Tage vor seinem Tod versetzt worden war, fand P. Toebosch seine letzte Ruhestatt, an der er im Beisein vieler Mitbrüder, seiner nächsten Verwandten und einer ganzen Reihe von Freunden und Bekannten beigesetzt wurde.

Mir war dieser letzte Dienst aufgetragen worden, den ich einem Mitbruder leisten durfte, der mir in den sechs Jahren, in denen wir im St. Gertraudenkrankenhaus zusammenarbeiteten, ein Freund geworden war.

R.i.p.

P. Norbert Schauerte SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 6/1989 - Dezember, S. 151ff