P. Fritz Vorspel SJ
* 1. November 1895
29. August 1970

Er war am Allerheiligentag 1895 in Epe als Ältester von acht Geschwistern geboren. Von seiner Verbundenheit mit der westfälischen Heimat zeugen die vielen Seiten seiner Lebenserinnerungen, die er in seinem letzten Lebensjahr niedergeschrieben hat. Aus dem 1. theologischen Semester, das er nach dem Besuch der Schola Paulina in Münster begonnen hatte, mußte er 1915 zum Dragonerregiment 14 einrücken. Nachdem der Vater gestorben (die Mutter hatte er schon als Fünfzehnjähriger verloren) und zwei Brüder gefallen waren, wurde er zweimal zur Führung des elterlichen Hotels beurlaubt. Im Februar 1919 nahm er die Studien wieder auf. Schon auf der ersten Kaplansstelle in Duisburg-Ruhrort (1921) entwickelte er eine Fähigkeit im Umgang mit der Jugend, die er nach seinem Eintritt in den Jesuitenorden (1924) in zahlreichen Exerzitien, Schulungen und Lagern des Bundes "Neudeutschland" voll entfalten konnte.

Der erste Zusammenstoß mit dem Nationalsozialismus wurde durch seine Kölner Dompredigten (1934) ausgelöst. Später trug ihm eine Marienpredigt auf einem öffentlichen Platz in Münster die Anzeige eines "Kreiswalters" und die Anklage beim Volksgerichtshof wegen "Heimtücke" ein. Nur die Vermittlung des damaligen Bischofs von Osnabrück, Dr. Wilhelm Berning, bewahrte ihn vor der Verurteilung.

Als Pfarrer von St. Ignatius in Essen erlebte er zwischen 1935 und 1949 Blüte, Zerstörung und Wiederaufbau einer Großstadtgemeinde. Es zeugt für seine fast unbegrenzte Arbeitskraft, daß er nach dem Krieg zu alledem noch die Jungengemeinschaft Neudeutschland wieder ins Leben rief, bei der Gründung einer Organisation zur Schaffung von Müttergenesungsheimen mitwirkte und das Amt eines Stadtseelsorgers für die Essener Frauen übernahm.

Der Abschied von Essen durch die Berufung zum Rektor des römischen Collegium Germanicum ist ihm nicht leicht geworden, aber er scheute nicht die Verantwortung dieses schwierigen Amtes. Eine schwere Krankheit zwang ihn, nach Deutschland zurückzukehren, und nun begann 1954 seine Arbeit für die Kirche im norddeutschen Raum, in Hamburg, Lübeck und Flensburg. Hier war er ein weitherziger, besonnener und gesuchter Beichtvater und Berater, besonders seiner priesterlichen Mitbrüder. Seine gründlichen theologischen Kenntnisse kamen ihm bei seinen dogmatischen Predigtreihen, die er u. a. acht Jahre lang in der Lübecker Katharinenkirche hielt, und bei der Pflege von ökumenischen Kontakten zugute. Als er ein Nachlassen seiner Kräfte spürte, war er klug genug, die Seelsorge im Franziskus-Krankenhaus zu Flensburg zu übernehmen. Dort gab er seine letzte Kraft im Dienst der Schwestern und Kranken aus.

Entscheidend für seine geistige Gestalt war nicht seine vielseitige äußere Tätigkeit, sondern die ungewöhnliche Treue zu seinem Beruf als Priester und Ordensmann. Durch fünf Jahrzehnte hat er sich Tag für Tag schriftlich Rechenschaft gegeben über seine Seelsorgsarbeit, sein Gebetsleben und sein Streben nach innerer Vollendung. So dürfen wir hoffen, daß der Herr ihn hat gelangen lassen "zur Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur Mannesvollkommenheit und zum Maß des Alters der Fülle Christi" (Eph. 4, 13).

R.i.p.

in: Aus der Provinz, Nr.8, Oktober 1971, S.227f