Bruder Alex Wecker SJ
10. Juni 1987 in Münster

Aus der Wecker-Familie in Düsseldorf - der Vater hatte eine Blechwaren-Fabrik - traten zwei von den acht Kindern in die Gesellschaft Jesu ein. Zunächst verlief der Lebensweg der beiden Söhne Hans und Alex ziemlich gleichförmig; beide besuchten die Städt. Oberrealschule in Düsseldorf. Während der um drei Jahre ältere Hans an der Kölner Universität mit der Promotion zum Dr. rer. pol. abschloß, tat sich Alex etwas schwerer. In den noch vorliegenden Zeugnissen steht trotz 'sehr gut' im Betragen und 'gut' in Religionslehre mehrfach die Bemerkung: "Er muß sich sehr anstrengen". Nach dem 'Einjährigen' hat es ihm dann wohl gereicht und er trat in der Fabrik seines Vaters eine kaufmännische Lehre an, die er nach zwei Jahren bei einer anderen Firma abschloß. Der Studienerfolg seines Bruders muß ihn dann doch wohl herausgefordert haben, so daß er 1925 an der Universität Köln ebenfalls Sozial- und Wirtschaftswissenschaften belegte.

Nach zwei Semestern gab er dann aber das Studium auf und begann am 17. Juli 1926 in 's-Heerenberg sein Postulat; sein Bruder Hans folgte ihm zwei Jahre später als Scholastiker-Novize. Wenn man weiß, wie hilflos die Orden damals akademisch vorgebildeten Brüdern gegenüber waren, muß man seinen Mut bewundern, der ihn diesen Schritt tun ließ. Gern ließ er sich im Noviziat bei Br. Hillebrand als Blumengärtner ausbilden; dafür hatte er offenbar 'ein Händchen' und das kam seiner späteren Tätigkeit als Sakristan auch zugute, ein Amt, das er zunächst von 1928 bis 1933 an der noch jungen Hochschule Sankt Georgen ausübte.

Von 1933 bis 1948 war Br. Wecker - mit Ausnahme der Militärzeit von 1940 bis 1943 - an St. Ignatius im Trutz-Frankfurt als Sakristan tätig. Hier fand er jene ihn befriedigende Tätigkeit, die ihm bei seinem Eintritt in den Orden wohl vorgeschwebt hatte. "Man hatte das Gefühl, daß man den Menschen etwas sein konnte", sagte er später in Erinnerung an diese Jahre. Die Brüder von Sankt Georgen nannten ihn den 'dritten Kaplan von St. Ignatius'; sicher nicht zu Unrecht, betreute er doch mit Hingabe die 60 Ministranten, half bei der Vereinsarbeit. Einige Zeugnisse aus dieser Zeit, die er aufbewahrt hatte, sprechen auch von der Zuwendung, die er den Menschen in der Pfarrei schenkte. Das trat besonders in Erscheinung, als er 1943 vom Militärdienst zurückkehrte; nicht nur die Kirche und das eigene Ordenshaus hatten schwere Schäden erlitten; überall war die Not groß und er half unermüdlich, so daß ihm viele Menschen, auch nach seiner Versetzung 1948, dankbar blieben. Sein Nachfolger im Küsteramt schrieb ihm einmal u.a.: "... es ist immer ein Geschenk für mich, wenn ich mich auf Ihren Namen berufe, denn jedes Mal geht bei der Nennung Ihres Namens ein Leuchten über das Gesicht meines Gesprächspartners".

Im Jahre 1940 wurde er zum Militärdienst eingezogen und einer Polizei-Reserveeinheit zugeführt. Diese Jahre bis zu seiner Entlassung 1943 sind wohl die schwersten seines Lebens gewesen; er war in Polen und Rußland als Wachtmeister eingesetzt. Über diese Jahre hat er wenig gesprochen, mußte er doch in seinem Dienst bei der Bewachung von Kriegsgefangenen und Juden hilflos mit ansehen, wie diesen Menschen Unrecht geschah, wie sie mißhandelt und umgebracht wurden. Mit Sicherheit hat er sich nicht zu Unrechtshandlungen mißbrauchen lassen, eher Härten zu mildern gesucht. Er erzählte, wie er einmal einer Jüdin geholfen habe und wie dankbar ihm diese gewesen sei; er konnte es aber nicht verhindern, daß sie erschossen wurde. Bei der Exekution stand er abseits; sie wandte sich ihm noch einmal zu und winkte mit der Hand. Solche Bilder müssen ihn wohl lange verfolgt haben. Bei einem Prozeß in Düsseldorf wurde er nach dem Kriege als Zeuge vernommen; über Einzelheiten hat er sich nie ausgesprochen.

Als 1948 ein Pfleger für P. Schröteler in Mönchengladbach gesucht wurde, stellte sich Br. Wecker dafür zur Verfügung, bis er 1950 von Br. Determann abgelöst wurde.

In den Jahren 1952 bis 1968 fand er wieder eine Tätigkeit so recht nach seinen Wünschen; er wurde Sakristan und Fremdenführer an unserer schönen Kirche in Büren/W. Gern nutzte er die Gelegenheit, den vielen Besuchern nicht nur etwas über die barocke Kirche zu erzählen, sondern er ging auch gern auf manche Fragen ein, die sie bewegten.
Zusammen mit Br. Schulte organisierte er Sternsinger-Gruppen, die in Büren große Beachtung fanden.

Nach der Bürener Zeit war er fünf Jahre in Trier als Pförtner tätig bis er 1973 wieder nach Sankt Georgen zurückkehrte. Hier konnte er sich ausschließlich mit seinen geliebten Blumen beschäftigen; die Blumenbank im Kreuzgang ist sicher noch vielen Mitbrüdern in guter Erinnerung.

Im September 1984 mußte Br. Wecker noch einmal wandern; da seine Kräfte sehr nachgelassen hatten, fand er Aufnahme in unserem Altenheim in Münster; wo er nach einer kleinen Lungenentzündung am 10. Juni 1987 ruhig heimging.

R.i.p.

Fritz Wellner SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 2/1988 - März, S. 31f