P. Johannes Westerbarkey SJ
17. April 1975 in Münster

Im Jahre 1949 schrieb P. Westerbarkey in einer kleinen Schrift über den Bauernstand: "Ich werde niemals das Bild meiner vor zwölf Jahren verstorbenen Bauernmutter vergessen, wie sie im Sarge lag. Im 76. Lebensjahre war sie nicht als Pensionierte, sondern in den Sielen gestorben. Am Vormittag hatte sie noch im Garten gearbeitet; am Abend hatte sie ihre sterbensmüden Hände in den Schoß gelegt. Der Anblick der mit dem Rosenkranz umschlungenen Hände meiner Mutter hat mich damals lange gefesselt. Es waren eigentlich keine Hände mehr, es waren Fäuste, Arbeitsfäuste und Bauernfäuste mit dicken Schwielen, die sie als Orden und Ehrenzeichen in das Grab mitgenommen hat." Diese Sätze sind kennzeichnend für P. Westerbarkey. Er war stolz darauf, aus einer Bauernfamilie zu stammen, und er fühlte sich sein Leben lang eng mit dem Bauernstand verbunden. Mit seinem Zwillingsbruder Alois kam er am 17. April 1903 in Avenwedde bei Gütersloh zur Welt. Nach dem Besuch des Evangelischen Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh studierte er Theologie in Paderborn und Freiburg und wurde am 16. März 1929 im Dom zu Paderborn zum Priester geweiht. Seinem Weihekurs blieb er bis zu seinem Tod verbunden und nahm noch 1974 an gemeinsamen Exerzitien in Gerleve teil.

In Stukenbrock trat er als Vikar seine erste Stelle an. Dort, wo er sechs Jahre blieb, aber auch in Rönkhausen und Hamm gehörte seine Zeit und Kraft vor allem der Jugend. Von Ha aus kam er im September 1939 in unser Noviziat nach Hochelten. Das war eine große Umstellung für den Herrn Vikar, der noch in seinem Wagen zum Kandidatur-Examen gekommen war. Aber er hat die einfachen Verhältnisse auf Hochelten ganz gut verkraftet und ist nicht davongelaufen.

Der Krieg brachte es mit sich, daß er nach zwei Jahren schon wieder in der Pfarrseelsorge war. Von 1941 bis 1946 hat er in Bödexen, Warstein, Salzuflen und zuletzt in seiner Heimat Avenwedde gearbeitet. Nach dem Ende des Krieges kamen seine guten Beziehungen manchen unserer zerstörten Häuser zustatten. So berichtet P. Deitmer, der damals Rektor von Haus Sentmaring war, daß durch Vermittlung von P. Westerbarkey der ganze neue Dachstuhl für Haus Sentmaring von einem Zimmermann in Avenwedde auf dessen Holzplatz gezimmert, d.h. nach Zeichnung des Architekten zurechtgeschnitten und in Münster aufgestellt wurde, und zwar gegen RM-Bezahlung ohne die damals übliche Gegenleistung in Naturalien! Auch Hochelten verdankte die Zementpfannen seines ersten Daches den Verbindungen von P. Westerbarkey. Und als er 1947 zur Fortsetzung seines Bienniums nach Büren gerufen wurde, erfreute er P. Deitmer dadurch, daß er den ihm geliehenen Wagen nun nach Münster vermittelte für die vielen Beschaffungsfahrten der damaligen Zeit.

Daß sich P. Westerbarkey 1947/48 in Büren nicht nur den Thesen widmete, geht aus einer Schrift zum 25-jährigen Bestehen der Landvolkhochschule Hardehausen hervor. Am 8. Juni 1948 lud der damalige Leiter des Seelsorgeamtes Paderborn, Dr. Hengsbach, einen Kreis von Geistlichen nach Hardehausen ein, wo P. Westerbarkey S.J., Büren, der sich während des zweiten Weltkrieges auf Exerzitien für Bauern spezialisiert hatte und viele Geistliche und Laien des Paderborner Landes für die Arbeit am Landvolk anzuregen und zu begeistern suchte, ein Referat über die Seelsorge an der Bauernjugend hielt. Seine Gedanken fixierte er in einem Brief vom 10. Juni 1948: Anregungen zur Gründung einer katholischen Bauern- und Siedlerschule Kloster Hardehausen. Er bemerkt darin, daß die Standesseelsorge der Bauernjugend bisher am meisten vernachlässigt worden sei. "Tagungen, Jugendtreffen, Führerkurse und Arbeitsgemeinschaften sind der Bauernjugend kein Begriff. Aber unter einer Schule, zumal unter einer Fachschule und Berufsschule mit Religionsunterricht und Lebenskunde kann sich auch die konservativste Delbrücker Bauernmutter etwas vorstellen." Die von P. Westerbarkey gegebenen Anregungen gehen bis ins Detail und zeigen seine konkreten Vorstellungen von einer solchen Schule. Bereits im nächsten Jahr veröffentlicht das Erzbischöfliche Seelsorgsamt Paderborn eine Pressemitteilung: Am 27. September 1949 wurde in Hardehausen, dem uralten Zisterzienserkloster und heutigen Jugendhaus des Erzbistums Paderborn, eine katholische Landvolkhochschule gegründet, welche die Tradition der von dem bekannten Volksbildner Anton Heinen im Volksbildungsheim Franz-Hitze-Haus in Paderborn im Jahre 1924 grundgelegten Volkshochschule weiterführt.

Nach dem Tertiat in Münster wurde P. Westerbarkey 1949 für die Landjungendseelsorge bestimmt, der er sich von Büren aus bis 1959 widmete. Das war das Arbeitsgebiet, das er sich gewünscht hatte, für das er auch eine besondere Eignung mitbrachte. Als Rückhalt für seine Arbeit gründete er die "Anton-Heinen-Gesellschaft für die Volksbildung auf dem katholischen Lande". 1950 erschien zum ersten Mal sein Bauernkalender, ein Familienkalender für das katholische Landvolk, der später unter anderer Schriftleitung vom Winfried-Werk in Augsburg verlegt wurde.

Seit 1960 suchte P. Westerbarkey von Trier aus die Erfahrungen, die er in der Landvolkseelsorge gemacht hatte, in Vorträgen und Exerzitien weiterzugeben. 1966 ging er wieder in die ihm vertraute Pfarrseelsorge. Er übernahm die Stelle eines Pfarrvikars in Schleidweiler bei Trier. Dort erlitt er 1967 einen Schlaganfall, der ihn für Monate im Krankenhaus in Ehrang festhielt. Obwohl er durch Lähmungen schwer behindert war, wollte er sich doch nach Möglichkeit nützlich machen und half in der Pfarrei Saerbeck bei Greven. Seit 1969 zwang ihn die wachsende Behinderung zum Verzicht auf jede äußere Tätigkeit. Er hat sich bis zuletzt bemüht, dem Tag einen Inhalt zu geben. Solange es noch möglich war, zelebrierte er täglich selbst. In den letzten Monaten schloß er sich als Konzelebrant einem anderen Pater an und nahm dann noch an andern Messen teil. Viele Stunden widmete er in seinem Lehnstuhl der Lektüre. Mit einem interessanten und dicken Buch konnte man ihm Freude machen.

Nach der Mittagserholung an seinem 72. Geburtstag, dem 17. April 1975, traf ihn auf dem Rückweg zu seinem Zimmer ein neuer Schlaganfall, dem er nach drei Stunden erlag. Bei der Begräbnisfeier dankte Domkapitular Nüschen im Auftrag des Erzbischofs von Paderborn für die Dienste, die P. Westerbarkey den. Erzbistum geleistet hat, und besonders für seine Mitwirkung bei der Gründung der Landvolkhochschule Harde hausen.

R.i.p.

P. Wilhelm Flosdorf SJ

Aus der Provinz, Nr. 7 - Dezember 1975, S. 74ff