P. Karl Zander SJ
4. November 1988 in Münster

In den Abendstunden des 4. November, während die Kommunität des Bischöflichen Priesterseminars Trier das Fest ihres Patrons, des heiligen Mailänder Erzbischofs und Kardinals Karl Borromäus, beging, verstarb in Münster im Haus Sentmaring, wo er seit 1982 seinen Ruhestand verbrachte, der langjährige Spiritual des Trierer Priesterseminars, Pater Karl Zander.

27 Jahre lang hat P. Zander an der Priesterausbildung des Bistums Trier mitgewirkt und so mehr als eine Generation von Priestern unserer Diözese geprägt. Dabei war sein Dienst eher unauffällig und bescheiden, ganz von der persönlichen Zuwendung zum einzelnen Seminaristen geprägt, so daß die Frucht seines langjährigen Wirkens verborgen bleiben muß. Sie wird nur denen bekannt sein, für die er da war, und nicht zuletzt dem, für den er gelebt und gewirkt hat.

Geboren wurde P. Zander am 20. Juli 1903 in Bad Orb. Am 13. September 1922 trat er in den Jesuitenorden ein. Wie er selbst einmal versicherte, hielt er dieses Datum für providentiell im Hinblick auf sein Leben; ist es doch der Vorabend des Festes Kreuzerhöhung. Alle, die P. Zander kannten, wissen, wie sehr das Kreuz sein Leben geprägt hat, wie sehr er immer wieder von Krankheit und Gebrechen gezeichnet war, wie er sie aber mit viel Gelassenheit und Humor trug, weil er um die Fruchtbarkeit solcher Leiden aus dem Glauben heraus wußte: daß jeder Christ dem Beispiel Christi folgend unter dem Gesetz des sterbenden Weizenkorns steht. Dieses Motiv war ihm sehr vertraut, hat er doch selber einmal über die Arbeit des Spirituals gesagt: "Es ist eine Arbeit, deren Frucht man bei dieser oder jener Gelegenheit erkennen kann, die aber in ihrer Tiefenwirkung und vor allem in ihrer bleibenden sich weiter entfaltenden und schließlich fortzeugenden Fruchtbarkeit verborgen bleibt. Es steht ja auch ein anderer Sämann dahinter, der durch uns aussät, und der zugleich derjenige ist, der das Wachstum gibt. Der Sämann wurde selber zum Samenkorn, das in die Erde gesenkt wurde, dann aber erstand zur Fülle des Lebens die letzte Quelle aller Fruchtbarkeit."

Am 27. August 1933 wurde P. Zander zum Priester geweiht, damals noch als Folge der Ausweisung der Jesuiten unter Bismarck, im holländischen Valkenburg. Danach wirkte der Verstorbene zunächst als Subregens im Priesterseminar in Frankfurt, St. Georgen, dann in der Seelsorge an Priestern, Ordensleuten und Lehrern, als Mitarbeiter in der Pfarrseelsorge verschiedener Diözesen. Von 1952-1955 war er Spiritual bei den Barmherzigen Brüdern in Trier. Vom 23. Oktober 1955 bis zum Ende des Sommersemesters 1982 wirkte er als Spiritual im Clementinum. Als P. Zander 1980 sein silbernes Dienstjubiläum feierte, hat Bischof Bernhard Stein in seiner Ansprache zu diesem Anlaß das Wort des Täufers "Christus muß wachsen, ich aber abnehmen" auf den Dienst des Spirituals ausgedeutet. Sicherlich hat er damit das Anliegen des damals Geehrten getroffen.

Er sagte einmal: "Ein Spiritual ist ein Mann, der schon von seinem Titel her eine besondere Nähe zum Spiritus sanctus hat, er ist wie ein Geburtshelfer des geistgezeugten Lebens mit all dem, was dieses Bild einschließt an Ehrfurcht vor dem Leben, diesem besonderen Leben, an Verantwortungsbewußtsein, an Behutsamkeit und gewiß auch an Geschick." In seinem priesterlichen Bemühen wollte er nichts anderes sein als Mitarbeiter, damit Christus Gestalt gewinne in den Herzen der jungen Männer, und sie so von Ihm her ihren priesterlichen Dienst erfüllen können. "Der Spiritual braucht zunächst selbst den Geist des Herrn. Dieser muß ihn erfüllen mit seinem Licht und seiner Kraft, muß ihn wachsen lassen, indem er ihn immer tiefer einführt in Person und Werk Jesu Christi. Das gibt ihm dann eine Ausstrahlung, die über die rein menschliche hinausliegt, läßt ihn bei den ihm Anvertrauten das Wirken des Heiligen Geistes erspüren, um sie zu fördern durch Abbau von Hemmnissen und einfühlende Führung."

P. Zander hat seine Aufgabe wesentlich als einen Dienst an den Herzen und nicht am Kopf verstanden. Er wollte, daß Christus in seiner Länge und Breite, Höhe und Tiefe, ins Herz der jungen Männer aufgenommen werde; denn er wußte zu genau: "Das Zeugnis, das aus dem Herzen kommt, hat eine größere umformende Kraft, als wenn es nur vom Kopfe ausgeht." Wer P. Zander kennenlernen durfte, weiß zutiefst, wie sehr dieser Satz sein eigenes Wirken charakterisiert. Daß die Mitarbeit am Werke Jesu Christi, die Mitarbeit, Christus selber wachsen zu lassen, immer auch dazu führt, daß der Mitarbeiter selbst dabei geringer wird, mußte P. Zander durch viele Leiden erfahren.

1982 verschlimmerte sich sein Gesundheitszustand so sehr, daß er Trier - was ihn besonders schmerzte - verlassen mußte und im Haus Sentmaring, dem Altersheim der Jesuiten der Norddeutschen Provinz, in Münster Wohnung nahm. Es war im eigentlichen Sinne kein Ruhestand, denn die Jahre waren von immer größerem körperlichen Verfall geprägt. Trotz großer Schwäche blieb P. Zander bei klarem geistigen Bewußtsein auch dann noch, als er weder lesen noch schreiben konnte. Auch sein Humor und seine vornehme Art konnte man bis in die letzten Tage immer wieder nur bewundern.

Als er 1983 sein goldenes Priesterjubiläum feierte und zugleich sein 80. Lebensjahr vollendete, wählte er als Andenkenbild an diese Jubiläen einen Ausschnitt aus der Bernwardsäule im Hildesheimer Dom, auf dem die Jüngerberufung dargestellt ist. Hierdurch zeigte er noch einmal, wie sehr ihm die Förderung der Priesterberufe am Herzen lag. Als Text für dieses Andenken wählte er das Wort des Apostels Paulus: "Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, daß das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt" (2 Kor 4,7).
Er selber wußte zu genau, wie zerbrechlich das Gefäß seines eigenen Lebens war, vertraute aber darauf, daß das Übermaß der Kraft von Gott kommt. Die letzten Worte dieses Bildchens enthalten ein Zeugnis, das er von seinem Ordensbruder, P. Wilhelm Eberschweiler, dem er sich besonders verbunden wußte (schon dadurch, weil sich das Grab und die Verehrungsstätte von P. Eberschweiler in der Seminarkirche befindet), übernahm, und das schlicht nur drei Worte enthält: "Dank, Dank, Dank".

Wie sehr können die vielen Priester, die Pater Zander in den Jahren als Spiritual begleitet hat, dieses Wort nun ihm sagen! Sie danken ihm und wünschen, daß er nun die Seligkeit des Auferstandenen erfahren darf, von dem er selbst einmal geschrieben hat: "Das irdische Leben des Herrn mündet in den Ostermorgen, und von dort her wir alles ins rechte Licht gesetzt." Diesen Ostermorgen, so hoffen wir, darf er nun erleben, und von dort her wird alles, besonders sein Leiden, aber auch sein unscheinbares Wirken, ins rechte Licht gesetzt.

R.i.p.

Dr. Felix Genn, Spiritual des Priesterseminars Trier

Aus der Norddeutschen Provinz, 1/1990 - Januar, S. 8f