Br. Eduard Decher SJ
geboren am 7. Dezember 1902 in Alten-Mittlau (Freigericht)
Ordenseintritt am 8. April 1923 in 's-Heerenberg
gestorben am 5. Dezember 1998 in Münster

Unsere Berufung ist es, unterwegs zu sein und da in der Welt zu leben,
wo der größere Dienst vor Gott und am Heil der Seelen zu erhoffen ist.
(Summarium 3)

Das Unterwegssein, "Varia loca peragrare", hat Br. Decher als Überschrift über seine genau dreißig Daten von Ortswechseln gesetzt. Das war sein Ordensschicksal, aber auch sein Stolz. In Rom wie vor allem in Jerusalem weitete sich sein Blick, und er lernte Menschen verschiedener Mentalität kennen und ihre Sprache verstehen. In seiner Akte lesen wir. "Französisch und Italienisch spricht und schreibt er gut, in Englisch und Arabisch kann er sich verständigen." Sein letztes Schuljahr war das in der Obersekunda. Er brauchte Erholung und erhielt einen Urlaub in Valkenburg bei seinem Onkel Constantin Kempf, der damals Rektor des Ignatiuskollegs war. Hier entdeckte er seine Berufung zum Jesuiten. Entgegen der Meinung seiner Angehörigen wählte er den Beruf des Bruders, genauer, er wollte gern Koch werden. So schlug er auch die angebotene Ausbildung in Stenographie und an der Schreibmaschine aus und wurde Kochgehilfe in 's-Heerenberg, Bendorf am Rhein (Peter-Faber-Haus), Valkenburg und Exaten bei Roermond.

1933 überraschte ihn seine Berufung nach Jerusalem. Aber zu Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde er für sechseinhalb Jahre interniert. Mit der Gründung des neuen Staates Israel begannen neue Schwierigkeiten für ihn. Während des Krieges von 1948 mußte er in den Libanon als Koch des Noviziats. Als er 1949 über Damaskus und Amman zurück nach Jerusalem wollte, ließen ihn die Israelis nicht durch. Erst im Dezember gelang ihm die Heimkehr nach dort mit einem Vatikan-Paß.

Im Dezember 1972 gingen seine glücklichen Jerusalem-Jahre zu Ende mit der Berufung nach Rom und anschließend Frankfurt als Sekretär und Verwaltungsmitarbeiter - ein Amt, in dem sich der Koch Decher glänzend bewährt hat. Zu seinem 95. Geburtstag kam er nach Münster, um sich auf die letzte, entscheidende Reise vorzubereiten.