P. Wilhelm de Vries SJ
geboren am 26. Mai 1904 in Saarbrücken
Ordenseintritt am 25. April 1922 in 's-Heerenberg
gestorben am 25. Juni 1997 in Münster

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes hat uns besucht
das aufstrahlende Licht aus der Höhe.
(Communio v. hl. Johannes d.T.)

Am Hochfest des hl. Johannes konnte P. de Vries noch einmal, zum letzten Mal, konzelebrieren. Am Tag darauf traf ihn eine Gehirnblutung. Das Licht aus der Höhe strahlt ihm nun auf.

Die tägliche Feier des hl. Opfers war für ihn Höhepunkt und Erfüllung seiner priesterlichen und beruflichen Existenz. Er versicherte gern, niemals nach seiner Weihe freiwillig darauf verzichtet zu haben.

Sein Vater Wilhelm und seine Mutter Maria Magdalena Schlunken waren zu verschiedenen Wohnortwechseln gezwungen, da Vater als Redakteur an einigen Zeitungen und Zeitschriften tätig war. So kam es auch, daß der ältere Bruder Josef SJ in Ochtrup seinen Geburtsort hatte. Seine Schulzeit erlebte Wilhelm hauptsächlich in Essen, das Abitur machte er in Recklinghausen 1922 und trat am 25. April des gleichen Jahres in die Gesellschaft Jesu ein. Als besondere Wegbegleiter im Bund Neudeutschland nennt er die Jesuitenpatres Esch und Kipp.

Im Anschluß an sein Philosophiestudium kam er für zwei Jahre nach 's-Heerenberg, um Novizen und Junioren Griechischunterricht zu geben und die jungen litauischen Mitbrüder in die tieferen Geheimnisse der Mathematik einzuführen. So kam es zu den ersten Erfahrungen mit seiner didaktischen Begabung, und es wundert nicht, daß er nach dem Terziat in St. Andrä / Österreich zur Vorbereitung einer Professur an das Orientale in Rom und nach Beirut geschickt wurde. Das war der Anfang von mehr als 50 Jahren Forschung, Studium und Lehre am Orientalischen Institut in Rom und Vortragstätigkeit in vielen Teilen der Welt.

Sein Spezialgebiet war die Geschichte der Patriarchate des Ostens und ihre Ortsbestimmung gegenüber Rom. Daraus ergab sich für ihn u. a. die Erkenntnis, daß auch der Römische Primat eine geschichtliche Entwicklung gehabt hat, wodurch manches relativ ist. Als wichtigste Veröffentlichung seines Lebens nennt er daher das Buch "Rom und die Patriarchate des Ostens". 1989 siedelte er aus gesundheitlichen Gründen nach Münster über und hier ging er ein ins ewige Licht Gottes.