P. Ludwig Fatzaun SJ
* 16. Juli 1891
4. November 1963

P. Fatzaun stammte aus einer treu-katholischen Familie, die in Kettenis bei Eupen ansässig war. Dort wurde er auch geboren. Seine Jugend verbrachte er in Aachen. Am 22. April 1914 trat er in s'Heerenberg in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Der erste Weltkrieg unterbrach schon bald seinen dortigen Aufenthalt. Er kam zunächst als Sanitäter ins Kriegslazarett 51, dann an die Front und geriet Juni 1917 zusammen mit seinem Mitnovizen Ferdinand Kasper in französische Kriegsgefangenschaft.

Nach 5-jähriger Unterbrechung konnte er sein Noviziat 1920 fortsetzen. Die philosophischen und theologischen Studien machte er in Valkenburg. Dort wurde er auch am 27. August 1925 zum Priester geweiht. Von 1926 an verbrachte er sein weiteres Ordensleben in Köln. Im Krieg hatte er sich eine starke Schwerhörigkeit zugezogen. So konnte er zu seinem groben Leidwesen nie zu Exerzitien und Beichthören herangezogen werden. Um so mehr wirkte er in seiner guten Zeit durch Predigten und Seelsorge von Mensch zu Mensch.

In Köln übernahm P. Fatzaun sogleich die Schriftleitung der Jugendzeitschrift "Die Burg". Als "Onkel Ludwig" hat er sie bis zur Unterdrückung durch die Nazis geleitet und sie zu einer der beliebtesten Zeitschriften für junge Gymnasiasten gemacht. Durch sie kam er auch in enge Berührung mit dem Bund "Neudeutschland". Viele Jungen schlossen damals mit ihm eine Freundschaft für das ganze Leben. Je länger er in Köln ansässig war, um so größer wurde sein Freundes- und Bekanntenkreis. Sein gütiges, hilfsbereites und immer frohes Wesen gewann ihm die Zuneigung der Menschen.

Schwer traf ihn 1941 die Aufhebung unseres Hauses durch die Gestapo. Er fand bald eine Unterkunft im Karl-Josef-Haus. Dessen Zerstörung durch die Bomben erlebte er und nach dem Krieg siedelte er auch in das neuerstellte Haus über. In diesen schweren Zeiten betreute er auch seine Mitbrüder, die in der Umgebung von Köln wohnten. Nach dem Zusammenbruch wurde er Vize-Superior des teilweise zerstörten Ignatiushauses, für dessen Aufbau er seine Kraft und seine Beziehungen einsetzte.

Seine Gesundheit war durch die Kriegserlebnisse gebrochen. Besonders machte ihm das Herz zu schaffen. Als ihn dann in kurzer Zeit zwei Schlaganfälle trafen, war er auf ständige Pflege angewiesen. So kam er am 19. April 1963 nach Münster. Der Abschied von Köln, in dem er über 35 Jahre in guten und schweren Zeiten gearbeitet hatte, wurde ihm sehr schwer.

Am 9. September traf ihn ein neuer Schlaganfall. Seine Kräfte verfielen zusehends. Er, der so aufgeschlossen war für menschliche Not und so vielen geholfen hatte, mußte das menschliche Elend in reichem Maße an sich erfahren. Am 4. November 1963 erlöste der Herrgott ihn von seinen Leiden und holte einen gütigen Menschen und frommen Priester heim in sein ewiges Reich.

R. i. p.