Bruder Jozsef Ernö Gara SJ
geboren am 3. Juni 1907 in Budapest
Ordenseintritt am 30. Juli 1930 in Budapest
gestorben am 1. Mai 1995 in Münster

"Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen...
Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten."
(Jo. 14,2)

Am 3. Juni 1907 wurde Jozsef Ernö als das vorletzte von zehn Kindern der Familie Menyhért und Amalie Gara in Budapest geboren. Nach vier Jahren Grundschule und weiteren vier Jahren Mittelschule beschloß er nach drei Jahren mit der Gesellenprüfung erfolgreich eine Schreinerlehre. In dieser Zeit lernte er als Mitglied der blühenden Marianischen Kongregation den Jesuitenorden kennen. Mit 23 Jahren trat er am 30. Juli 1930 ins Noviziat des Ordens ein, nachdem seit dem 4. November 1929 das Postulat vorausgegangen war. Am 31. Juli 1932, dem Fest des hl. Ignatius, legte er in Budapest die ersten Gelübde ab. Von da an blieb er sein ganzes Leben hindurch dem Schreinerhandwerk treu. Im Jesuitenkolleg zu Széged stand ihm eine modern eingerichtete Werkstatt zur Verfügung, die er selbständig leitete. Mit Hingabe, Fleiß und großer Fachkenntnis arbeitete er für die Jesuitenkirche und das Kolleg. Ein kunstvoll ausgeführter Paramentenschrank in der Sakristei der Kollegskirche wurde beispielsweise noch nach fünfzig Jahren in den offiziellen Reiseführern der Stadt als besondere Sehenswürdigkeit dargestellt. In Széged band sich Br. Gara am 15. August 1940 durch die letzten Gelübde endgültig an die Gesellschaft Jesu.

Als aber, bedingt durch die politischen Verhältnisse nach dem 2. Weltkrieg, die Jesuitenprovinz in Ungarn unterdrückt wurde, floh Br. Gara am 27. April 1949, dem Fest des hl. Petrus Canisius, nach Österreich. Von dort gelangte er über Italien und Belgien im Jahr 1954 nach St. Georgen, unserer Hochschule für Theologie in Frankfurt/Main. Hier konnte er noch einmal im Team mit Br. Meier und Br. Syben gut dreißig Jahre lang Werte erhalten und Neues schaffen. Präzisionsarbeit war für das Schreinertrio eine Selbstverständlichkeit. Die Treue zum Ordensberuf und zu seinem Handwerk prägten ihn auf seinem wechselvollen Lebensweg. Das Weilen in der Fremde fiel ihm freilich schon der Sprache wegen nicht leicht. So konnte man den Eindruck gewinnen, einen schweigsamen Menschen vor sich zu haben. Doch wenn sich Gelegenheit bot, in der Muttersprache zu sprechen, erzählte Br. Gara gern und wußte viele interessante Einzelheiten über Häuser und Personen der inzwischen über die ganze Welt verstreuten ungarischen Jesuitenprovinz zu berichten. Seine zunehmende Gebrechlichkeit bewog die Obern, ihn am. 11. Februar 1993 zusammen mit seinem Freund, Br. Syben, nach Münster ins Altenheim zu versetzen. Nach längerer Krankheit gab er am 1. Mai 1995, dem Gedenktag des hl. Josef, des Arbeiters, sein Leben in die Hände des Schöpfers zurück. Wir dürfen mit ihm hoffen, daß er jetzt seine endgültige Heimat bei seinem Gott gefunden hat, wie es unser Herr ihm und uns allen verheißen hat.