Gebetsandenken an

P. Josef Mohr SJ
geboren am 11. Mai 1906 in Bochum-Laer
gestorben am 21. März 1993 in Münster

Der Herr salbte meine Augen;
ich ging hin, wusch mich
und wurde sehend.
(Jo 9,11)

Der Kommunionvers seines Sterbetages könnte für P. Mohr das aussagen, was sein Leben geprägt hat: Er war im tieferen biblischen Sinn ein Sehender geworden. Die einmal gläubig erfaßte Wirklichkeit Gottes hat sein Denken, Reden und Handeln vollständig beherrscht. So wirkte er als Seelsorger und Volksmissionar von 1940 bis 1954 und anschließend mehr als zwei Jahrzehnte als Krankenhausseelsorger in Dortmund-Hörde und Essen.

Auch in Haus Sentmaring war er nicht ohne Anfechtungen und Skrupel, mit einem feinfühligen Gewissen. Dem jeweils Neuesten in Kirche und Welt gegenüber ganz zurückhaltend, glich er sich nicht an. Zum Sehen brauchte er keine Fernsehbildröhre.

Es wird wohl diese Hellsichtigkeit gewesen sein, die ihm eine bemerkenswerte Anhänglichkeit der jungen Mitbrüder im Noviziat verschafft 'hat. Jede Möglichkeit, ihnen nahe zu sein, nutzte er. Seine eher konservative Einstellung war kein Hindernis, es war eben alles an ihm echt, und er konnte Augen öffnen. Der Herr wird zu ihm sagen: Geh ein in die Freude deines Herrn.