Zum frommen Gedenken
an den hochwürdigen

P. Otto Pies SJ

"Vivas in Deo"

P. Otto Pies, geboren am 26. April 1901 in Arenberg/Koblenz, trat 1920 in s'Heerenberg ins Noviziat ein. 1930 zum Priester geweiht übertrugen ihm die Obern schon im Jahre 1933 das Amt des Novizenmeisters der ostdeutschen Provinz zu Mittelsteine. 1941 wurde er verhaftet und verbrachte vier schwere Jahre im KZ Dachau. Im März 1945 aus dem KZ entlassen trat er noch im gleichen Jahr sein Amt als Novizenmeister wieder an zunächst auf der Rottmannshöhe, dann in Tisis und Pullach. 1948 mußte er wegen offener Tbc ein halbes Jahr in ein Sanatorium. Das Jahr 1951 brachte ihm den schwersten Schlag seines Lebens. Am 16. 9. machte er mit den drittjährigen Philosophen jene Wallfahrt zum Heiligtum der hl. Hedwig in Andechs, bei der 16 Fratres tödlich verunglückten, er selber einen Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung erlitt. Trotzdem bemühte er sich aufopfernd um die Verunglückten. Der Anblick der verstümmelten und sterbenden Mitbrüder - bis auf einen waren alle seine ehemaligen Novizen - war mir schwerer als 4 Jahre Dachau, sagte er gelegentlich.

1951 wurde das Noviziat vorübergehend nach Bad Homburg und dann auf den Jakobsberg in Ockenheim bei Bingen verlegt. 1954 wurde P. Pies Instruktor des Tertiats und auch Rektor von Haus Sentmaring in Münster. 1958 zeigten sich die ersten Symptome einer schleichenden Krankheit. Das rechte Auge mußte entfernt werden. 1960 trat die Krankheit ins kritische Stadium. Eine Operation in einem Mainzer Krankenhaus konnte keine Rettung bringen. Ganz ergeben in Gottes hl. Willen gab er seine Seele in die Hand seines Schöpfers zurück am Feste des kostbaren Blutes, einem Herz-Jesu-Freitag. Er wurde auf dem Friedhof von Haus Sentmaring am 5. Juli beigesetzt.

Der Heimgegangene war ein unermüdlicher Arbeiter, der für sich keine Schonung kannte. Davon zeugen auch manche Bücher, zumal das Gebetbuch "Im Herrn", das oft aufgelegt wurde. Neben seiner 'Haupttätigkeit als Novizen- und Tertiariermeister gab er viele Exerzitienkurse. Mittelsteine machte er zum Zentrum der Jugendarbeit für ganz Schlesien. In Dachau war er im Geheimen seelsorglich tätig, wo immer sich eine Gelegenheit bot, obwohl dies unter Todesstrafe verboten war. Auf seine Anregung erhielt dort der Diakon Karl Leisner die Priesterweihe. Nach seiner Entlassung aus dem KZ befreite er viele Priesterhäftlinge auf ihrem Todesmarsch aus Dachau zum Süden.

Ein eifriger Beter, hat er viele in das innerliche Gebet eingeführt Unter harter Hülle verbarg sich ein tiefes Gemüt. Daß er es nicht so nach außen zeigen konnte, wie er wollte, darunter litt er schwer. So ging er einsam durchs Leben, hartgeprüft, aber innerlich verbunden mit Gott.

R. i. p.