P. Hermann Josef Wallraff SJ
geboren am 13. Oktober 1913 in Frauwüllesheim/Rhld.
Ordenseintritt am 22. April 1938 in Hochelten
gestorben am 27. August 1995 in Münster

"Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.
Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit ..."
(2 Tim. 4,7f)

P. Wallraff war ein echter Sohn der Eifel mit einer rauhen Schale, aber einem empfindsamen, ja verletzlichen Kern. Geboren wurde er am 13. Oktober 1913 in Frauwüllesheim (heute Nörvenich). Nach Abschluß der Volksschule erlernte er ab 1928 in der väterlichen Werkstatt das Schneiderhandwerk. Die Berufsschule besuchte er in Düren. Im Jahr 1931 legte er die Gesellenprüfung ab. Die nächsten vier Jahre arbeitete er bei seinem Vater als Schneidergeselle.

In dieser Zeit spürte er, daß er zu etwas anderem berufen war. Er absolvierte von 1935 bis 1937 ein Fernstudium und erlernte die lateinische und griechische Sprache. So gerüstet, meldete er sich zur Aufnahmeprüfung für das "Stiftische Gymnasium" in Düren; er bestand sie mit Bravour und wurde sogleich in die Prima eingegliedert. Am 5. März 1938 bestand der begabte Schüler die Reifeprüfung "mit Auszeichnung'. Zunächst trug er sich mit dem Gedanken, Chemie zu studieren. Doch dann trat der inzwischen knapp 25jährige Hermann Josef am 22. April 1938 ins Noviziat der Gesellschaft Jesu in Hochelten ein. Nach etwa einem Jahr wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Bei einem Stoßtruppunternehmen hinter die französischen Linien wurde er am Ostersonntag 1940 verwundet. Ein Knochenstück von etwa 8 cm Länge wurde aus dem rechten Oberschenkel herausgeschossen. Die Knochenenden wuchsen zwar während einer gut einjährigen Behandlung im Brüderkrankenhaus in Trier zusammen, aber das rechte Bein blieb verkürzt. Die Parallele zum Ordensgründer Ignatius von Loyola drängt sich auf. In dieser Zeit legte er die Ersten Gelübde ab.

Nach Auflösung des Brüderkrankenhauses wurde Frater Wallraff nach München ins Nymphenburger Krankenhaus verlegt. In dieser Zeit begann er die philosophischen Studien an der Universität München. Nach Entlassung aus dem Krankenhaus siedelte er im September 1941 nach Pullach um. Hier legte er im Juli 1943 die Schlußprüfung in Philosophie ab.

Zum Wintersemester 1943/44 war er in St. Georgen als Student der Theologie eingeschrieben. .Von Anfang Mai 1944 bis Kriegsende setzte er die Studien in Trier fort, um sie dann 1947 in Büren zu vollenden. In die Trierer Zeit fällt seine Priesterweihe am 27. August 1944 durch Weihbischof Heinrich Metzroth.

Danach begann P. Wallraff ein Studium der Nationalökonomie in Köln. Am 31. Juli 1952 wurde er von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln zum "Dr. rer. pol." mit der Gesamtnote "sehr gut' promoviert. Zwischendurch legte er am 23. August 1951 die Lizentiatsprüfung in Theologie in St. Georgen ab.

Von Herbst 1952 an lebte und wirkte P. Wallraff in St. Georgen als Dozent für Gesellschafts- und Wirtschaftslehre. Am 15. August 1955 band er sich durch die Letzten Gelübde endgültig an die Gesellschaft Jesu. Seit dem 15. Februar 1964 war er "Ordentlicher Professor für Gesellschafts- und Wirtschaftslehre" als Nachfolger von P. von Nell-Breuning. Bekannt wurde er aber vor allem als vielfältiger Mitarbeiter in politischen und anderen Institutionen und Gremien.

Gesundheitliche Gründe zwangen P. Wallraff am 23. Juni 1994 ins Altenheim nach Münster zu ziehen. Hier holte ihn der Herr, dem er sein Leben lang - auch in harten Auseinandersetzungen - gedient hatte, am 27 August 1995, seinem 51. Weihetag, zu sich heim.