Zum Gedenken an
P. Karl Wennemer SJ
* 12. Juni 1900
25. Juni 1993

Pater Karl Wennemer war jüngstes von neun Kindern einer tiefgläubigen Lehrerfamilie in Saerbeck, in der er eine glückliche Kindheit erlebt hat, orientiert am eucharistischen Leben der Gemeinde.

Nach seinem Abitur und einem Sommersemester Theologie in Münster trat er 1919 in das Noviziat der Jesuiten in s'Heerenberg/Holland ein. Es folgten: 1922-1924 Philosophie in Valkenburg/Holland und ein dreijähriges Praktikum als Latein- und Griechischlehrer im neu gegründeten Noviziat der Ostprovinz. 1928-1931 Theologie in Valkenburg. Dort wurde er am 27. August 1930 zum Priester geweiht. An das Tertiat in Amiens schloß sich eine dreijährige Ausbildung zum Exegeten des Neuen Testamentes im Biblicum in Rom an (1933-1935) mit dem Lizenziat als Abschluß.

Zuerst lehrte er in Valkenburg bis zur Vertreibung durch die SS im Jahre 1942. Wie viele seiner Mitbrüder kam er auf "Seelsorgsposten", er wurde Kaplan in Helenabrunn bei Viersen. Ende 1945 beriefen ihn die Oberen nach Büren in Westf. Im März 1950 "schlug dann die Stunde der Übersiedlung nach Frankfurt St. Georgen", die er mit dem Fahrrad gemacht hat. Bis zu seiner Emeritierung 1971 war er zuständig für die neutestamentliche Exegese in der Fakultät des Scholastikats der Jesuiten. In seiner Ablehnung der "hyperkritischen historischen Methode" Bultmanns, den er persönlich wegen seiner tiefen Gläubigkeit und wissenschaftlichen Leistung eher verehrte, bekämpfte er eine Richtung, die die geschichtliche und theologische Bindung der Offenbarung an die Person Christi gefährdete. Das Abflauen der Bultmannwelle Anfang der 70er Jahre hat ihm recht gegeben.

Seit Anfang der 60er Jahre nahm die Mitarbeit an der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift seine ganze Kraft in Anspruch. Zum Dank erhielt er zusammen mit seinen Übersetzerkollegen von Kardinal Höffner eine Fahrt ins Heilige Land spendiert, die er mit seinen 80 Jahren gut überstand.

Seine Arbeitsweise beschrieb er selbst als "langsam und bedächtig" mit "Verantwortungsgefühl im Blick auf die wissenschaftliche und kirchliche Vertretbarkeit; einem billigen Modetrend zu folgen, lag mir absolut fern".

Nach seiner Emeritierung als Professor 1971 hatte er wieder mehr Zeit für die Seelsorge. Seine jährliche Erholung suchte er in einer Landesheilanstalt für kranke und schwachsinnige Kinder und Jugendliche. Dazu kam Vertretung in Krankenhäusern, Aushilfen in der Umgebung. 1990 siedelte er nach Haus Sentmaring in Münster über, wo er ohne jede Klage den allmählichen Verfall seiner Kräfte erlebte. Aus seiner tiefen Schwäche hat der Herr ihn am 25. Juni 1993, zwei Wochen nach Vollendung seines 93. Lebensjahres, erlöst.