Zum Gedenken an
P. Wilhelm Wesseling SJ

P. Wilhelm Heinrich Wesseling stammte aus Westfalen und hat zeitlebens seine westfälische Art auch nie verleugnen können. Am 18. Dezember 1896 wurde er als Sohn des Lehrers Wilhelm Wesseling und seiner Frau Anna, geb. Gerling in Darfeld Kr. Coesfeld geboren. Er wuchs mit drei Brüdern und einer Schwester auf. Im Juni 1915 legte er am Gymnasium Paulinum zu Münster die Notreifeprüfung ab und trat am 1. Juli des gleichen Jahres als Kriegsfreiwilliger in die Armee ein. Er kämpfte zunächst an der Ost- und dann an der Westfront, wo er am 29. September 1918 - als Leutnant - in englische Kriegsgefangenschaft geriet. Nach der Heimkehr am 31. Dezember 1919 erkrankte er im Apri11920 an einer schweren Rippenfellentzündung, deren Folgen er zeitlebens verspürte. In 's-Heerenberg begann er am 14. September 1920 das Noviziat der Gesellschaft Jesu. In dem von ihm selbst verfaßten tabellarischen Lebenslauf fügt er an dieser Stelle die Bemerkung an: "Ordensberuf schon von Kinderjahren an".

Nach der Priesterweihe am 27. August 1928 und dem Terziat in Münster 1929/30 begann P. Wesseling eine vielseitige und segensreiche apostolische Wirksamkeit vor allem für Priester, Schwestern und Lehrer. Außerdem gab er viele Exerzitien. Sein Hauptwirkungsfeld dürfte wohl die ganz persönliche Seelsorge im Beichtstuhl und in der Seelenführung gewesen sein; eine zwar eher verborgene, aber überaus fruchtbare Wirksamkeit. Wie groß das Vertrauen seiner Obern in ihn war, zeigt die Tatsache, daß sie ihn zum Oberen der Häuser in Dortmund, Eringerfeld, Münster, Büren und Saarlouis ernannten. Seit 1965 lebte und wirkte P. Wesseling als Spiritual im Hause Sentmaring in Münster.

In einem Gebetbuch, das P. Wesseling oft benutzt zu haben scheint, fand sich ein Zettel mit einem Zitat aus dem Brief an die Römer des Märtyrerbischofs lgnatius von Antiochien: "Es ist schön für mich, hineinzusterben in Jesus Christus!" Besser als viele Worte zeigt dieser Satz, worum es P. Wesseling ging und woraus er lebte und Wirkte. Sein Denken, Reden und Tun wurden durch und durch geprägt von einer tiefen und verborgenen, aber ganz lebendigen persönlichen Beziehung zu seinem Schöpfer und Herrn Jesus Christus. Wie tief und umfassend diese Prägung war, zeigte sein fast 19 Monate währendes Krankenlager. Mit einer staunenswerten und selbstverständlichen Geduld und Gelassenheit, ja mit einem Schuß Humor, ertrug er das langsame und stetige Abnehmen seiner Kräfte und erbaute im guten Sinne des Wortes alle, die mit ihm in Berührung kamen. Still und verborgen, wie er gelebt, ging in der Mittagsstunde des 14. Juni 1984 hinüber in die Herrlichkeit seines Herrn und Meisters.

Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof von Haus Sentmaring, den er seinerzeit als Rektor dieses Hauses angelegt hatte.

R. i. p.