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Georg Evers {*}

Ruhe nach dem Sturm?

Das Regime und die Religionsgemeinschaften in Birma

 

Aus: Herder Korrespondenz, 12/2007 S. 615-619

 

    Nach den Protesten gegen das Militärregime im Herbst und ihrer gewaltsamen Niederschlagung ist Birma wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. In dem überwiegend buddhistischen Land sind die Christen eine kleine Minderheit, die sich vor allem aus der Stammesbevölkerung rekrutiert. Die katholische Kirche Birmas ist in der Weltkirche weitgehend isoliert.

 

Birma - oder Myanmar, wie es nach dem Willen der das Land beherrschenden Militärregierung offiziell genannt werden soll - steht selten im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit und der internationalen Medien. Deutsche Touristikunternehmen werben mit dem Bild vom "Land der Tempel und Pagoden" für ihre Pauschalreisen, und die Deutschen stellen auch die größte Gruppe ausländischer Touristen, deren Gesamtzahl allerdings sehr bescheiden ist und nach den Ereignissen der letzten Wochen wohl kaum steigen wird. Das Land am Irawadi gehört zwar seit 1997 zur "Vereinigung Südostasiatischer Staaten" (ASEAN), ist aber international eher isoliert.

Die Bilder der großen Protestwelle, die im August in Birma ausbrach, als zunächst Mönche und dann große Teile der Bevölkerung auf die Straße gingen, kamen sehr überraschend und beherrschten für ein paar Tage die Medien weltweit. Auslöser für die Protestbewegung war die Entscheidung der Militärregierung, die am 15. August 2007 bekannt gemacht wurde, die Subvention für Treibstoffe einzustellen. Schon vier Tage später kam es in der ehemaligen Hauptstadt Rangun zu Straßenprotesten, die zunächst von Angehörigen der Oppositionsbewegung "Studenten der 88er Generation" organisiert und durchgeführt wurden.

 

Die Mönche gingen auf die Straße

Das Militär reagierte mit Verhaftungen der Führer der Protestgruppen. Es schien zunächst, als ob damit die Ruhe innerhalb der aufgebrachten Bevölkerung wieder hergestellt sei. Dass daraufhin buddhistische Mönche auf die Straße gingen, kam für die Militärjunta wohl überraschend. Das Ausmaß der Protestmärsche und die starke Unterstützung, die den Mönchen seitens der Bevölkerung entgegengebracht wurde, waren nicht vorherzusehen und verunsicherten die Machthaber, die nicht sofort wussten, wie sie darauf reagieren sollten.

Die Demonstrationen der Mönche begannen am 5. September in Pakokku in der Mitte des Landes, als gut 600 Mönche, begleitet von etwa 1000 Zivilisten auf die Straße gingen, um gegen die schlechten Lebensbedingungen zu protestieren. Eine große Demonstration fand danach am 22. September in Rangun statt, als Mönche zum Haus der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi zogen, wo sie die seit Jahren in Hausarrest gehaltene Politikerin für einen kurzen Moment treffen konnten. Die Demonstrationen nahmen überall im Lande zu und am 24. September erreichten sie landesweit ihren Höhepunkt. In Rangun gingen weit über 100.000 Menschen auf die Straße, nachdem die Mönche, die zunächst allein demonstriert hatten, die Bevölkerung aufgefordert hatten, sich an den Protesten zu beteiligen.

Das Militär und die staatlich angeheuerten Schlägertrupps zeigten verstärkte Präsenz, hielten sich aber mit Aktionen gegen die Demonstranten zunächst noch zurück. Als die von der

 


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Junta verhängten Versammlungs- und Ausgangsverbote ungehört verhallten, begannen die Militärs am 25. September mit Gewalt gegen die Demonstrationen vorzugehen. Sicherheitskräfte prügelten auf die Demonstrierenden ein, setzten Wasserwerfer mit Tränengas ein, gaben zunächst Warnschüsse in die Luft ab und schossen wohl auch direkt auf Demonstrierende. Dabei sollen allein am 25. September 2007 mindestens vier Menschen, darunter auch zwei oder drei Mönche, getötet worden sein.

Zwischen dem 25. und 27. September wurden überall im Land Klöster gestürmt und verwüstet, die Mönche geschlagen und eine unbestimmte Zahl von ihnen brutal ermordet sowie bis zu 5000 Mönche in Internierungslager gebracht. Es wurden Bilder gezeigt, auf denen man die zerstörte Inneneinrichtung von Klöstern erkennen konnte. Auch sah man Blutspuren, die von körperlicher Gewalt gegen die Mönche zeugten. Die zentrale Shwedagon-Pagode in Rangun, von der die Demonstrationen ausgegangen waren, wurde von den Militärs abgeriegelt.

Der UN-Sicherheitsrat, der am 25. September zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentrat, konnte sich - nach Einsprüchen seitens der Volksrepublik China - nur auf einen schwachen Appell einigen, in dem die Militärs aufgefordert wurden, nicht mit Gewalt gegen die Demonstrationen vorzugehen. "China hielt seine Hand über die Generäle", so lauteten die Schlagzeilen der Medien, um zu beschreiben, dass China das für ihn so wichtige Land vor weiteren Maßnahmen wie Ausweitung der Handelssanktionen seitens der internationalen Staatengemeinschaft bewahren wollte.

 

Die Generäle beherrschen das Land

Um die Demonstrationen und Unruhen in Birma während der letzten Monate zu verstehen, ist es unumgänglich, sich die Geschichte der letzten Jahrzehnte vor Augen zu halten. Seit dem vor 45 Jahren erfolgten Putsch von General Ne Win steht das Land unter einer Militärdiktatur, die als politisches Programm die Herbeiführung eines "Birmanischen Wegs zum Sozialismus" verkündete. In der Folge war von Sozialismus wenig zu spüren. Wohl wurden Industriebetriebe und Handelsunternehmen verstaatlicht, eine Maßnahme, die aber letztlich nur Korruption und Schwarzmarkt zur Folge hatte. Birma, das bis dahin das wichtigste Reisexportland der Welt war, verlor diese Position und die damit verbundenen Deviseneinnahmen. In den folgenden Jahrzehnten wurde selbst die Versorgung der Bevölkerung mit dem Hauptnahrungsmittel Reis zum Problem.

Das ehemals reiche Land wurde 1987 in die Liste der "am wenigsten entwickelten Staaten der Welt" (LLDC) aufgenommen. Gewachsen sind dagegen die Ausgaben für das Militär, die über 50 Prozent der Staatsausgaben ausmachen. Lag die Zahl der Soldaten 1988 noch bei 180.000, so ist sie bis heute auf 265.000 angewachsen. Auch die Verlegung der Hauptstadt, richtiger wohl: des Hauptquartiers des Militärs, von Rangun nach Nyapyidaw hat riesige Geldmengen verschlungen. Bis heute wirkt die gewaltsame Niederschlagung der Protestbewegung aus dem Jahr 1988 nach, bei denen es zu großen Demonstrationen von Studenten gegen die Militärherrschaft gekommen war. Von 1988 bis 1991 wurden die Universitäten geschlossen und alle studentischen Organisationen zerschlagen.

 

Die Arbeit an einer neuen Verfassung hat bis heute kein vorzeigbares Ergebnis

Die Generäle reagierten auf die Proteste mit der Einrichtung eines "Staatsrats für die Wiederherstellung von Recht und Ordnung" (SLORC). Dieses Gremium hat sich 1997 umbenannt und firmiert jetzt als "Staatlicher Rat für Frieden und Entwicklung" (SPDC), ohne dass diese Namensänderung einen Wandel in der repressiven Politik des Regimes mit sich gebracht hätte. Die bescheidenen Versuche des Militärs, sich eine demokratische Legitimierung zu geben, führten zu nationalen Wahlen im Jahre 1990. Als jedoch die "Nationale Liga für Demokratie" (NLD) unter Aung San Suu Kyi, trotz des über sie verhängten Hausarrests, eine große Mehrheit von 80 Prozent der Stimmen erhielt, wurde dieses Ergebnis von den Militärs nicht anerkannt. Aung San Suu Kyi, die 1991 den Friedensnobelpreis erhielt, wird seitdem - mit kurzen Unterbrechungen - in einem jetzt schon 18 Jahre andauernden Hausarrest in ihrem Haus in der University Avenue 54 festgehalten.

Die 2003 unter dem vielversprechenden Label: "Wegkarte zur Demokratie" begonnenen Arbeiten an einer neuen Verfassung des Landes haben bis heute kein vorzeigbares Ergebnis gebracht. Eigentlich sollte längst ein Entwurf vorliegen, der in einem Referendum entschieden werden sollte, worauf dann freie Parlamentswahlen hätten stattfinden sollen. Neben den wirtschaftlichen Schwierigkeiten spielte auch die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den ausbleibenden Schritten zu einer Demokratisierung eine große Rolle bei den Demonstrationen der letzten Monate.

In den vergangenen Jahren verhängten sowohl die USA als auch die Europäische Union eine Reihe von Sanktionen gegen das Militärregime, die aber nur wenig Wirkung in Hinblick auf Respektierung der Menschenrechte und das Einstellen von Gewalt durch die politisch Verantwortlichen zeigten. Dafür trafen sie die Zivilbevölkerung, da der Textilsektor, der für viele Birmanen die Haupteinnahmequelle darstellt, vollkommen zusammenbrach. Die Sanktionen zeigten auch deswegen kaum Wirkung, weil Birma mit der Volksrepublik China einen Wirtschaftpartner hat, für den Verstöße gegen die Menschenrechte kein Hindernis darstellen, wenn es darum geht, die eigenen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen wahr-

 


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zunehmen. Für China ist Birma ein wichtiger Partner, weil das Land voller Bodenschätze ist, die für die rasant wachsende chinesische Wirtschaft von großer Bedeutung sind.

Birma ist seit 1997 Mitglied in der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN), deren Mitglieder sich bisher sehr zurückhaltend verhielten, wenn es um Kritik an Menschenrechtsverletzungen seitens der birmanischen Militärjunta ging. Grundsätzlich gilt in dieser Staatengemeinschaft das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen Mitgliedsländer. Bei gemeinsamen Treffen der ASEAN-Staaten mit Vertretern der Europäischen Gemeinschaft stellte die Teilnahme Birmas zwar immer ein Problem dar. Letztlich konnten die Vertreter der EU aber nicht mehr erreichen, als dass Than Shwe, der Chef der Militärjunta, an gemeinsamen Konferenzen persönlich nicht teilnehmen durfte, durch ein anderes Mitglied der Junta aber sehr wohl vertreten war.

Auch Indien unterhält enge wirtschaftliche Beziehungen mit Birma und könnte deswegen durchaus politischen Druck auf das Militärregime ausüben, wenn dazu der politische Wille vorhanden wäre. Das ist aber wohl kaum der Fall. Im Gegenteil, im Zusammenhang mit Fragen eventueller Sanktionen gegen Birma wurde im November 2007 bekannt, dass Indien das schon seit 1996 bestehende Waffenembargo gebrochen und in Indien mit europäischen Lizenzen produzierte Hubschrauber vom Typ Dhruv an Birma verkauft habe.

Als direkter Nachbar ist auch Thailand in besonderer Weise an Birma interessiert. Auf der einen Seite leben Tausende Flüchtlinge aus dem Nachbarland in Thailand, was eine große finanzielle Belastung darstellt. Andererseits hat die thailändische Regierung unter dem jetzt abgesetzten Ministerpräsident Thaksin Shinawatra keine moralischen Bedenken gehabt, intensive Handelsbeziehungen mit Birma zu unterhalten. Thailand befürchtet, dass eine Destabilisierung des bestehenden Regimes die Flüchtlingsströme aus Birma nach Thailand gefährlich anschwellen lassen würden.

 

Katholiken unter staatlichem Druck

Die katholische Kirche in Birma ist mit 650.000 Gläubigen eine kleine Minderheit in der Bevölkerung von 50 Millionen. Die meisten Katholiken gehören den ethnischen Gruppen der Karen, Kachin, Chin, Shan und Kayah an. Gegenwärtig gibt es drei Erzdiözesen (Rangun, Taunggyi und Mandalay) und zehn Diözesen. Die protestantischen Christen sind mit 1,6 Millionen wesentlich stärker. Die Baptisten stellen mit 900.000 Gläubigen die stärkste protestantische Gruppierung. Insgesamt beträgt der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung etwa fünf Prozent, die damit nach den Buddhisten die größte Religionsgemeinschaft darstellen, gefolgt von den Muslimen, deren Anteil bei vier Prozent der Bevölkerung liegt.

Für die Mehrheitsbevölkerung der Birmanen gilt dagegen: Birmane sein, heißt Buddhist sein. Damit wird ausgedrückt, dass der Buddhismus, dem 85 Prozent der Bevölkerung angehören, die nationale Religion darstellt. Zugleich erklärt es auch, dass die christliche Mission unter den Buddhisten nur wenig Erfolg gehabt hat. Die Militärregierung diskriminiert die Christen auf vielfältige Weise. Auch Muslime erleben eine ähnliche Behandlung. Genehmigungen für den Bau von Kirchen werden nicht oder nur mit Auflagen gegeben. Auch werden religiöse Publikationen zensiert und die Einfuhr ausländischer religiöser Bücher wird oft behindert. Bei Übersetzungen der Bibel und anderer religiöser Literatur erheben die staatlichen Zensoren Einspruch gegen den Gebrauch bestimmter Worte und Begriffe, die aus der buddhistischen Tradition stammen.

Im Jahr 1965 waren alle kirchlichen Schulen verstaatlicht oder geschlossen worden. Auch mussten im Jahr darauf alle ausländischen Missionskräfte das Land verlassen. Da es zu diesem Zeitpunkt nur 77 birmanische Priester gab, bedeutete dies den Verlust fast des gesamten pastoralen Personals. In der Folgezeit erwies sich dieser staatliche Eingriff als ein Segen, weil die Zahl der einheimischen Priester stark anstieg und zugleich auch die Zahl der Katholiken sich innerhalb eines Vierteljahrhunderts verdreifachte.

 

Gute ökumenische Beziehungen

In den Gebieten der ethnischen Minderheiten unterhalten die christlichen Kirchen über 1500 Vorschulen, die von der Militärjunta geduldet werden, da sie selber nicht in der Lage ist, vergleichbare Einrichtungen zu unterhalten. Auch gibt es in Rangun und anderswo eine Reihe von Ausbildungseinrichtungen für den kirchlichen Nachwuchs wie Priester- und Predigerseminare, die akademische Grade in Philosophie und Theologie bis zum Bachelor verleihen können. Das protestantische "Myanmar Institute of Theology" (MIT) in Rangun ist eine christliche Universität, an der neben Theologie auch Kurse in Wirtschaft und Kunst angeboten werden. Die Abschlüsse an diesen vom Staat nicht anerkannten, aber geduldeten Einrichtungen werden allerdings nur in kirchlichen Kreisen uneingeschränkt anerkannt.

Seit 2001 wurde mit der Gründung eines nationalen Büros der Caritas, die in Birma den Namen "Karuna" trägt, was in der buddhistischen Terminologie soviel wie "Barmherzigkeit" heißt, die verschiedenen Aktivitäten christlicher Sozialarbeit neu strukturiert und verstärkt. In den wenigen Jahren ihres Bestehens hat Karuna durch Schulungen von Mitarbeitern und Planung der sozialen Dienste auf nationaler Ebene die Präsenz der Kirche auf dem Gebiet der Sozialarbeit wesentlich neue Impulse gegeben.

Wenn von Verfolgung der Christen in Birma die Rede ist, gilt es zu beachten, dass die militärischen Operationen der Regierung sich in erster Linie gegen separatistische Bewegungen innerhalb der ethnischen Minderheiten richten, aus denen

 


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sich mehrheitlich die Christen in Birma rekrutieren. Die Zerstörung von Dörfern und die Umsiedlungsmaßnahmen der Regierung sind daher in erster Linie politisch motiviert und stellten weniger eine direkte Verfolgung der Christen dar. Tatsache ist aber auch, dass die katholische Kirche in Birma seit Jahren auch innerhalb der Vereinigung Asiatischer Bischofskonferenzen (FABC) isoliert ist und auch sonst viele Entwicklungen in der Weltkirche nicht oder nur sehr eingeschränkt hat mitvollziehen können.

Die Bemühungen des Vatikans, diplomatische Beziehungen mit der Regierung herzustellen, sind bisher gescheitert. Allerdings gibt es kaum Schwierigkeiten bei Bischofsernennungen des Papstes auf Seiten des Staates. Auch können die Bischöfe meist ohne Probleme zu den traditionellen Ad-Limina-Besuchen nach Rom reisen. Die langjährige Isolierung der katholischen Kirche und die Repressalien seitens der Regierung haben bewirkt, dass die katholische Kirche Birmas eher konservativ ausgerichtet ist und die Bischöfe mit dem Klerus weitgehend das Leben in der Kirche bestimmen.

Die Ausbildung der Laien hat aber in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Vor allem bei der Evangelisierung ist die Beteiligung der Laien und hier vor allem der Jugendlichen gewachsen. Es gibt eine Vielzahl von Initiativen auf den Gebieten der Ausbildung von Katechisten, der Jugendpastoral und vor allem des Aufbaus von Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Auch auf dem Gebiet des Bibelapostolats hat es große Fortschritte gegeben. Bemerkenswert ist, dass es hier zu einer ökumenischen Zusammenarbeit mit den protestantischen Christen gekommen ist. Seit 2001 gibt es in der "Bibelgesellschaft von Myanmar" einen katholischen Vertreter im Verwaltungsrat.

Die ökumenischen Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen sind von einigen Ausnahmen in bestimmten Gegenden auf der nationalen Ebene gut. Seit einigen Jahren schon werden vom 28. September bis zum 4. Oktober gemeinsame ökumenische Gebetszeiten abgehalten, bei denen für Frieden, Verständigung und Entwicklung in Birma gebetet wird. In diesem Jahr wurde wegen der Repressalien der Regierung auf gemeinsame Gebetsgottesdienste verzichtet und die Gläubigen aufgefordert, privat zu beten. Für den 14. Oktober hatten dann die katholische Bischofskonferenz Birmas und der protestantische nationale Kirchenrat in einem gemeinsamen Brief die Gläubigen aufgefordert, für Frieden in Birma zu beten und zu fasten, ein Aufruf, dem landesweit in den meisten Kirchen während der Sonntagsgottesdienste entsprochen wurde.

Die katholische Bischofskonferenz Birmas hat am 26. September 2007 eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Gläubigen in der gegenwärtigen schwierigen Situation auffordert, verstärkt für das Land zu beten. Die Bischöfe weisen darauf hin, dass die katholische Kirche und die Hierarchie sich nicht direkt in die politischen Geschehnisse einmischen wollten. Den Katholiken als Bürgern des Landes stehe es jedoch frei, sich ihrem Gewissen nach zu entscheiden. Seitens des Klerus würden sie dabei beraten.

Am 28. September richteten Erzbischof Charles Bo als Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz und Erzbischof Samuel Mahn San Si Htaj in seiner Eigenschaft als Präsident des Birmanischen Kirchenrats einen Appell an General Than Shwe. Mit Verweis auf die gemeinsamen Gebete, die katholische und protestantische Christen für das Wohl des Vaterlandes gehalten haben, bitten die Bischöfe, in der gegenwärtigen angespannten Situation - im englischen Text heißt es: "commotion" - den Präsidenten darum, "väterliche Liebe" zu zeigen, um eine friedliche Lösung der Probleme herbeizuführen, damit Stabilität, Friede und Gewaltlosigkeit wieder hergestellt werden können.

 

Einseitige Bevorzugung des Buddhismus

Die Beziehungen zwischen der Mehrheitsreligion der Buddhisten und den anderen Religionen sind schwierig. Die Gründe dafür liegen in erster Linie nicht in den Unterschieden in der Lehre und Praxis, sondern mehr darin, dass die jeweilige Zugehörigkeit zu einer Religion oft mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe zusammenhängt. Die meisten Christen in Birma kommen aus den ethnischen Minderheiten, unter denen die christliche Mission die meisten Bekehrungen verzeichnen konnte. Aber auch die Buddhisten haben in Reaktion auf die christliche Mission unter diesen Gruppen ihrerseits angefangen, Angehörige der traditionellen Religionen zum Buddhismus zu bekehren. Dabei fanden sie die Unterstützung der Militärjunta, die diese Missionsbemühungen des öfteren mit Druck und Gewalt unterstützte.

Die einseitige Bevorzugung des Buddhismus durch die Militärs zeigt sich auch darin, dass des öfteren Druck auf Angehörige der anderen Religionen ausgeübt wurde, den Bau von Pagoden finanziell und durch oft nicht ganz freiwilligen Arbeitseinsatz zu unterstützen. Von daher ist verständlich, dass die interreligiösen Beziehungen in Birma oftmals nicht problemfrei sind. Bei den letzten Demonstrationen wurde aber auch deutlich, dass im Kampf gegen das Unrechtsregime im Lande die buddhistischen Mönche die Unterstützung aller Religionsgemeinschaften erfahren konnten.

Das Militärregime hat sicher viel unternommen, durch Begünstigungen und Privilegien den buddhistischen Sangha auf seine Seite zu bringen. Doch ist dies angesichts der eklatanten moralischen Schwächen und der Gewalt der Militärs nicht gelungen. Die buddhistischen Mönche haben sich in ihrer Gesamtheit nicht korrumpieren lassen, und die Kontrollmaßnahmen des von der Regierung eingesetzten "Staatlichen Koordinierungsrats für Mönche" vermochten es nicht, die kritischen Stimmen unter den Mönchen zum Schweigen zu bringen.

Die internationalen Proteste, die weltweit am ersten Wochenende im Oktober in vielen Städten der Welt in eindrucksvoller Weise die Betroffenheit über Gewalttaten der Regierung in

 


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Birma zum Ausdruck brachten, scheinen auf die Machthaber allerdings so gut wie keine Wirkung zu zeigen. Offensichtlich gingen die Verhaftungen von politischen Gegnern, auch immer mehr von Mönchen, weiter. In Indien versuchte die katholische Bischofskonferenz Druck auf die eigene Regierung zu machen, sich auf der internationalen Bühne gegen die Verletzung der Menschenrechte zu engagieren. In Hong Kong und in Sri Lanka protestierten buddhistische Gruppen gegen die Gewalt in Birma. Aus Rom verurteilte Benedikt XVI. das gewaltsame Vorgehen der Machthaber in Birma.

 

Der Widerstand ist ungebrochen

Auch die FABC gab am 28. September eine Erklärung ab, in der sie für Frieden und Verständigung in Birma appelliert. In Indonesien wurde am 2. Oktober bei einer interreligiösen Konferenz von Religionsführern verschiedener Religionen ein Appell an die Militärjunta in Birma veröffentlicht, in den die religiösen Führer ihre Bestürzung über die Gewalt und Todesopfer in Birma ausdrücken und um Aktionen der internationalen Gemeinschaft bitten, in diesem Konflikt mäßigend zu vermitteln.

Es fällt schwer, den Beteuerungen der Militärjunta Glauben zu schenken, dass die mehr oder weniger symbolischen Gesten - Gespräche mit der Opposition, Besuche von offiziellen Vertretern der Vereinten Nationen und Ankündigungen, sich für eine nationale Versöhnung einzusetzen - tatsächlich einen Neuanfang in Richtung einer Demokratisierung bedeuten. Schließlich hat es in der Vergangenheit schon ähnliche Szenarien gegeben, die am Ende sich aber nur als gezielte Manipulation seitens der herrschenden Militärjunta erwiesen, auf ausländischen Druck zwar zu reagieren, aber nur Maßnahmen vorzutäuschen, die sich letztlich als leere Gesten erwiesen.

Dies war der Fall, als Aung San Suu Kyi im Juli 1995 nach sechs Jahren Hausarrest auf freien Fuß gesetzt wurde, ohne dass sie in der knapp ein Jahr währenden Zeit in Freiheit politisch hat agieren können und ihre Versuche, sich aktiv in die Politik wieder einzubringen, mit einer erneuten Verhängung des Hausarrests endeten. Sobald nach der Aufhebung von Sanktionen die internationalen Hilfsgelder wieder flossen, kehrten die Militärs zur alten Unterdrückungspolitik zurück.

Daher wird man auch heute auf die von der Militärregierung ausgesendeten Signale nur mit äußerster Vorsicht und dem gebotenen Misstrauen reagieren können. Die Demonstrationen haben dem Regime wieder einmal gezeigt, dass sie das Land nicht haben befriedigen können und dass der Widerstand innerhalb der Bevölkerung und vor allem der buddhistischen Mönche ungebrochen ist. Noch besitzen die Machthaber die militärischen Mittel, ihre Positionen verteidigen zu können. Es wird abzuwarten sein, ob der gewachsene internationale Druck die Militärs zu einem Einlenken und zu ernsthaften Schritten einer Demokratisierung bewegen kann. Nüchtern betrachtet sind die Anzeichen dafür eher gering.

 

    {*} Georg Evers (geb. 1936) promovierte bei Karl Rahner über Theologie der Religionen. Von 1979-2001 war er Asienreferent im Missionswissenschaftlichen Institut Missio (Aachen). In dieser Eigenschaft unternahm er zahlreiche Reisen in asiatische Länder und wirkte bei wichtigen theologischen Konferenzen im Rahmen der Vereinigung Asiatischer Bischofskonferenzen (FABC) mit. Zahlreiche Veröffentlichungen zum interreligiösen Dialog und zur Theologie der Mission.

 

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