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Jürgen Springer

"Wir beten alle immer für den Papst"

Weitere Verständigungssignale zwischen Peking und Rom

 

Aus: Christ in der Gegenwart, 31/2007, S. 252

 

Nachdem Papst Benedikt XVI. seinen Brief an die chinesischen Katholiken (vgl. CiG Nr. 28, S. 230) veröffentlicht hatte, kam es zu etlichen weiteren Signalen, die als Zeichen der Verständigung zwischen Rom und Peking gedeutet wurden. Interessant ist, daß der Vizepräsident der regierungsgelenkten "Patriotischen Vereinigung" der Katholiken, Anthony Liu Bainian, ein Laie, den Brief als "großen Schritt nach vorn" bezeichnet hat. Für die sogenannte offizielle Kirche, die eine Oberaufsicht durch den Papst ablehnt, sprach Liu sogar von der Hoffnung, daß es bald zu einem Besuch von Benedikt XVI. in Peking kommen könnte: "Wir beten immer für ihn. Ich hoffe mit all meinen Kräften, den Papst eines Tages hier in Peking zu sehen. Ich hoffe, daß er für uns Chinesen die Messe feiert."

Solche Äußerungen lassen auch deshalb aufhorchen, weil Liu in der Vergangenheit eher durch harschere Worte aufgefallen war. Der Funktionär lobte die neue Haltung des Vatikans gegenüber China: Der Papst verzichte in seinem Brief auf Angriffe gegen den Sozialismus und beschuldige die "Patriotische Vereinigung" auch nicht der Kirchenspaltung. "Es ist das erste Mal, daß die Chinesen seitens des Papstes fühlen, daß es möglich ist, katholisch zu sein und das eigene Land zu lieben." Im Grunde genommen folgten viele Katholiken dem Papst auch jetzt unbeirrt. Nur in politischen und wirtschaftlichen Fragen bestehe man auf Unabhängigkeit.

Hier werden Grenzen deutlich, die Anthony Liu Bainian ebenfalls benennt. Peking werde nicht dulden, "daß sich wiederholt, was die Kirche in Polen gemacht hat". Papst Johannes Paul II. gilt der chinesischen Führung als Symbol für den Kampf gegen den Kommunismus und für dessen Zusammenbruch. Deshalb war ein Besuch des polnischen Papstes in China undenkbar. Bei Benedikt XVI., der stets betont verlangt, daß sich die Kirche aus der Politik heraushalten soll und der auch jede Art politischer Theologie ablehnt, sehen die Dinge aus Sicht der KP Chinas wohl eher günstiger aus.

Neben der regimenahen und staatlich zugelassenen Kirche gibt es Katholiken der verkürzt meist als "Untergrundkirche" bezeichneten Gemeinschaft, die besonders starken Repressionen ausgesetzt war und ist. Das hat auch innerkirchlich zu manchen Zerwürfnissen geführt. Papst Benedikt XVI. hatte in seinem Brief deshalb beide Gruppen - die offizielle und die nicht-offizielle katholische Kirche in China - zu einer Reinigung des Gewissens aufgerufen, damit Versöhnung wachsen könne.

Aus den Kreisen der nicht-offiziellen Kirche war nach dem Schreiben neben Zustimmung auch manche Enttäuschung zu vernehmen. Der Papst habe es leider aus diplomatischen Gründen versäumt, die inhaftierten Bischöfe, Priester und Laien zu erwähnen. Chinas Führung hatte den Brief aus Rom bis Redaktionsschluss dieser CiG-Ausgabe noch nicht beantwortet und die Verbreitung des Textes im Internet unterbinden lassen. Die China-Korrespondentin Petra Kolonko sieht (in den "Stimmen der Zeit") gewissen Anzeichen dafür, daß die chinesische Gesellschaft in den letzten zehn Jahren pluralistischer und weltoffener geworden sei. Auch habe sich die Kommunistische Partei aus der direkten Kontrolle in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zurückgezogen. "Doch alle Freiheit endet am Vorherrschaftsanspruch der Partei."

Mit positiven Signalen reagierte der Vatikan auf die Wahl von Joseph Li Shan zum Bischof von Peking, was zugleich mit dem Vorsitz der "Patriotischen Vereinigung" verbunden ist. Von den 93 stimmberechtigten Klerikern, Ordensleuten und Laien votierten 74 für den Diözesanpriester. Von den 51 Klerikern des Bistums gaben 48 Li ihre Stimme; drei Priester nahmen an der Abstimmung nicht teil - zwei studieren im Ausland, der dritte war aus Alters- und Gesundheitsgründen verhindert. Wie es heißt, war bei der Nominierung kein Regierungsvertreter zugegen. Gut informierte Kreise wissen jedoch von einem intensiven "Einsatz" der Behörden für den Geistlichen. Es handelt sich um die erste und bisher noch nicht vom Vatikan genehmigte "autonome" Bestimmung eines Priesters zum Bischofskandidaten seit dem China-Brief, was dem Wunsch des Papstes, man möge ohne seine Zustimmung keine Bischöfe ernennen, zuwiderläuft. Aber es könnte sein, daß für Li die nachträgliche Zustimmung des Vatikans zur Bischofsweihe noch eingeholt wird. Anthony Liu Bainian sagte: Bis zur eventuellen Amtseinsetzung Lis könnten aufgrund der anstehenden Überprüfung durch die zuständigen Bischofe und Gremien bis zu drei Monate vergehen. Und dann liege die Entscheidung, ob um die Zustimmung des Papstes gebeten werden soll, beim Bistum Peking. Damit möchte man wohl Zeit gewinnen und einen Affront erst einmal vermeiden. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone sprach wohlwollend von einer "guten Wahl".

Der 43jährige Joseph Li Shan gilt als moderat und ist ein beliebter Seelsorger. Ihm wird zugetraut, eine Vermittlerrolle einzunehmen. Unterdessen hat Kardinal Joseph Zen Ze-kiun von Hongkong die Hoffnung geäußert, daß der Vatikan die Namen der chinesischen Bischöfe veröffentlicht, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen. Dies könne innerkirchlich zu Versöhnung und Entspannung beitragen. In den letzten Jahren hatte sich bei Bischofswahlen in der Volksrepublik offenbar ein stilles Einvernehmen eingespielt, daß der Vatikan Weihen in Reihen der offiziellen Kirche unausgesprochen anerkennt. Zudem gab es etliche Bischöfe darunter, die sich später mit dem Papst ausgesöhnt hatten.

 

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