Hilfreiche Texte

Link zum Mandala von Bruder Klaus
Theo Paul {*}

"Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt"(Ps 41,2)

Reflexionen über Armut in unserer Gesellschaft

 

Aus: Geist und Leben, 6/2008, S. 455-467

 

Allen Hoffnungen und sozialstaatlichen Anstrengungen zum Trotz nimmt Armut in unserer Gesellschaft zu. Um den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ebenso wie unserem christlichen Menschenbild gerecht zu werden, müssen neue Gesichter und Ursachen von Armut in den Blick genommen werden. Neben ökonomischen Faktoren sind auch soziale und kulturelle Faktoren zu berücksichtigen. Grundsätzlich müssen wir unsere Wahrnehmung weiten auf alle, die am Rand stehen und von aktiver Teilhabe ausgeschlossen sind. An der Aktualität der Option für die Armen hat sich nichts geändert. Gerechtigkeit, Solidarität und Subsidiarität bleiben Leitlinien unseres Handelns. Wir sind herausgefordert, uns immer wieder neu in einen Umgang mit Macht, Besitz und Beziehungen einzuüben, der vom Evangelium geprägt ist und uns dadurch ermöglicht, Ausgrenzung zu überwinden.

 

1. Notwendigkeit einer Neudefinition von Armut

Alle Hoffnungen, mit wachsendem Wohlstand und durch zusätzliche Sozialleistungen würde Armut in unserer insgesamt sehr reichen Gesellschaft überwunden oder zumindest deutlich gemildert, haben sich zerschlagen. Aktuelle Berichte und Studien belegen, dass Armut auch in Deutschland fortbesteht, sich verfestigt und sogar in erschreckendem Maße zunimmt {1}. Der Trend zur Angleichung der Lebensverhältnisse hat sich längst umgekehrt, die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Mit dem Reichtum ist die Armut gewachsen. Diese Nachricht schreckt uns auf, nicht zuletzt aufgrund der hohen Abgaben und der vielfältigen Bemühungen im sozialen Bereich. Wie kann es sein, dass sich die Realität trotz erheblicher Anstrengungen so darstellt? Gleichzeitig ist es immer schwieriger geworden zu definieren, wer konkret mit »den Armen« gemeint ist, worauf die Definition beruht, und daher auch, mit welchen Mitteln Abhilfe geschaffen werden kann, welche Maßnahmen mit welchen Zielen eingesetzt werden sollen. Die öffentlichen Debatten und auch viele Studien fokussieren sich weitgehend auf Menschen mit einem weit unterdurchschnittlichen Einkommen, d.h. geringen materiellen Ressourcen. Basierend auf dem Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit, wird dabei auch schnell der Ruf nach zusätzlichen staatlichen Transferleistungen laut, die

 


456

das Problem lösen sollen. Eine solche Reduktion wird der Situation jedoch nicht gerecht, da das Gesicht von Armut vielfältig, die Realität komplex und vielschichtig ist: geringes Einkommen, ungesicherte und schlechte Wohnverhältnisse, hohe Verschuldung, chronische Erkrankungen, psychische Probleme, lang andauernde Arbeitslosigkeit, soziale Ausgrenzung, unzureichende Hilfen etc. {2} Materielle Armut existiert weiterhin; es gibt viel zu viele Menschen in unserem Land, die kaum das Nötigste zum Leben haben. Dies darf nicht schön geredet oder nivelliert werden. Vielmehr muss der Blick geweitet werden auf unterschiedliche Facetten sowie Ursachen und Wechselwirkungen. Eine existenzielle Grundsicherung, wie sie in unserem Sozialstaat weitgehend gewährleistet ist, reicht offensichtlich nicht aus.

 

Neue Gesichter von Armut

Neben der alten Aufteilung in Arm und Reich, unterschiedliche Klassen bzw. Schichten erleben wir heute neue Spaltungen: missglückte Integration und kulturelle Abschottung von Migranten, Zerfall von alten Solidaritätsformen, erhebliche Belastungen von Familien, Generationenkonflikte ganz neuer Art, Fragen nach Geschlechtergerechtigkeit, kulturelle Abgrenzungen in den Massenmedien etc. Auch die Rechte bzw. Belastungen künftiger Generationen geraten stärker in den Blick. Die Spannungslinien und Verwerfungen sind vielfältig und können mit eindimensionalen Kategorien nicht gefasst werden. Zudem beobachten wir eine zunehmende Individualisierung von gesellschaftlichen Konflikten, die eine politische Bearbeitung erschweren {3}.

Darüber hinaus sind immer mehr Menschen in unserer Leistungsgesellschaft einem enormen Druck an ihrem Arbeitsplatz bzw. im Kampf um einen Arbeitsplatz ausgesetzt. Immer neue Leistungsansprüche, Zeitdruck, Effizienzsteigerungen, der Druck der Globalisierung etc. beeinträchtigen die Lebensqualität vieler Menschen, erst recht derjenigen, die mit der schnelllebigen Gesellschaft nicht mithalten können. Längst hat die Angst vor Arbeitslosigkeit und damit vor einem gesellschaftlichen Abstieg weite Teile der Bevölkerung erfasst. Für viele junge Menschen erscheint der Start in das Berufsleben schier unmöglich; verbunden damit ist das Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Auch im Privatleben sind die Erwartungen wie die Anforderungen und Herausforderungen gestiegen. Die Zunahme psychischer Erkrankungen ist nur eine Folge dieser Belastungen. Insgesamt ist das Bewusstsein für die Fragilität unser aller Lebensbedingungen deutlich gestiegen.

Vor diesem Hintergrund tauchen immer neue Begriffe auf in dem Versuch, Armut, dieses alte-neue Phänomen, zu beschreiben und zu fassen: Unterschicht, Pre-

 


457

kariat, sozial benachteiligte Milieus, Deklassierte, Neue Arme usw. {4} Zuweilen erschöpft sich die Debatte auch in der Diskussion über die richtigen Worte, statt die dahinter stehenden gesellschaftlichen Probleme offensiv anzugehen.

 

2. Theologische Grundlegungen

Orientierung und Maßstab für unsere Reflexion über Armut muss stets das christliche Menschenbild sein. Schließlich geht es bei allen unseren karitativen Bemühungen um die Menschen, besonders die Ausgeschlossenen. Jeder Mensch besitzt als Geschöpf Gottes — geschaffen als Abbild Gottes — eine einmalige, unveräußerliche Würde. Diese kann ihm nicht genommen werden, nicht durch Erwerbslosigkeit oder Krankheit, nicht durch ein Leben außerhalb der gesellschaftlichen Norm oder auf der Straße, nicht durch Sucht oder Einsamkeit. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, die Würde aller Menschen zu achten und vor Verletzungen zu schützen. Oder wie es der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, formuliert: "Uns leitet dabei der Anspruch, dass jeder Mensch, gleich welche Unterstützung er braucht, selbstbestimmt und in Würde am Leben in der Gesellschaft teilhaben kann." {5}

Allerdings ist die ursprüngliche Schöpfungsordnung gebrochen, so dass wir in einem beständigen Spannungsfeld leben — zwischen unserer uneingeschränkten Würde und der eigenen Begrenztheit, zwischen unseren Schwächen und unseren Begabungen, zwischen unseren Sünden und der Liebe Gottes zu uns, zwischen Leid und Erlösung {6}. Jeder Mensch, ja wir alle sind arm, abhängig von anderen, (der Liebe) bedürftig; gleichzeitig sind wir alle reich, beschenkt und begabt. Mit Nachdruck unterstreicht Bernhard von Clairvaux diese grundlegende Armseligkeit, die wesentlich zum Menschsein gehört, in einem Schreiben an Papst Eugen III. Zugleich fordert er ihn auf, sich seine Natur und deren Urheber, d.h. die Größe seiner Bestimmung, vor Augen zu führen {7}. Wir alle sind begrenzt, beschränkt, versehrt, verletzlich; gleichzeitig sind wir alle trotz unserer Beschränktheit angenommen, bedingungslos geliebt, erlöst. In Tod und Auferstehung Christi ist unsere Beschränktheit erhöht. Papst Benedikt XVI. weist in seiner Enzyklika "Deus caritas est" mit aller Deutlichkeit darauf hin, dass die Liebe, die Caritas, immer, auch in

 


458

der gerechtesten Gesellschaft, nötig sein wird, dass jeder Mensch liebevolle persönliche Zuwendung braucht {8}. Es ist heilsam, uns stets unserer eigenen Bedürftigkeit bewusst zu sein, wenn wir uns dem anderen, dem Schwachen, dem Armen, zuwenden. Wenn wir unsere Freiheit nicht auf Kosten, sondern zugunsten der anderen — vor allem der Armen — einsetzen, dann werden nicht nur die anderen, dann werden auch wir selbst frei und heil, gerade weil wir uns nicht vor unseren eigenen Wunden verschließen {9}.

 

Quellen der Caritas: Gottes Liebe und Erlösung

Da wir von Gott geliebt sind, können wir unsere eigene Begrenztheit und Endlichkeit annehmen und dadurch frei werden vom Streben nach immer mehr Macht und Besitz, vom unstillbaren Durst nach Mehr {10}. Das öffnet den Blick auf den anderen und fordert uns heraus, Verantwortung für uns und andere zu übernehmen. Als Antwort auf die Liebe Gottes zu uns wächst in uns die Liebe zu Gott und zum Nächsten: "Caritas im umfassenden Sinne meint die Liebe Gottes zu den Menschen und ihre Antwort, nämlich die Liebe zu Gott und zugleich die Liebe zum anderen Menschen, zum Nächsten." {11} Jesu besondere Nähe und Zuwendung zu den Armen — zu ihnen fühlte Er sich, mehr als zu allen anderen, gesandt — verpflichtet uns hierzu in besonderer Weise. Letztlich verschmelzen sogar Gottes- und Nächstenliebe: "Im Geringsten begegnen wir Jesus selbst, und in Jesus begegnen wir Gott." {12} Diese Einheit von Gottes- und Nächstenliebe beruht nicht zuletzt darauf, dass Jesus sich selbst mit den Armen gleichgesetzt hat {13}.

Die Erlösung durch den Kreuzestod Christi schenkt uns die Fähigkeit, trotz unserer eigenen Gebrochenheit an einer verantwortlichen Gestaltung der Welt mitzuwirken. Aus ihr erwächst auch der Auftrag einer Mitsorge für unsere Mitmenschen und alle Geschöpfe {14}. Das Wissen um die göttliche Verheißung ist nicht nur Grundlage unserer Hoffnung und ermöglicht dadurch unser Engagement für andere. Vielmehr ist die menschliche Person ebenso wie die Gesellschaft als Ganzes nur dann ganz frei, wenn sie zu sich selbst gekommen ist und in der Fülle ihrer Rechte und Pflichten lebt. Das Üben von Solidarität und Dienst am Nächsten sind somit unverzichtbar für die eigene Entwicklung und Befreiung {15}. In einem umfassenden

 


459

Sinn ist die christliche Botschaft, das Evangelium, die Verkündigung vom Reich Gottes, stets eine Botschaft der Befreiung. Alles soll überwunden werden, was Menschen dazu verurteilt, am Rande des Lebens zu bleiben: Hunger, chronische Krankheiten, Analphabetismus, Armut, Ungerechtigkeiten usw. {16} Beide Formen des Zeugnisses gehören bei der Evangelisierung untrennbar zusammen: das Tatzeugnis der Nächstenliebe und das deutende Zeugnis der Verkündigung des Evangeliums {17}.

 

3. Verschiedene Facetten von Armut

Um uns ein Bild von der Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit von Armut in unserer Gesellschaft zu machen, müssen wir deren verschiedene Aspekte sowie Ursachen und Auswirkungen in den Blick nehmen. Dabei überlappen sich in der aktuellen Situation häufig verschiedene Phänomene und bedingen sich gegenseitig, z.B. Arbeitslosigkeit und kulturelle Vernachlässigung, Sozialhilfebedürftigkeit und Familienzerfall, Einwanderungsrealität und erschwerter sozialer Aufstieg {18}.

 

Ökonomische Faktoren

Ökonomische Faktoren stehen weiterhin an oberster Stelle, da der Mangel an materiellen Ressourcen die Hauptursache für die Verhinderung einer gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist. Bei der Analyse der Ursachen wiederum muss zuerst die Arbeitslosigkeit genannt werden. Der Ausschluss vom Erwerbsleben führt zum Verlust von Identität und Selbstachtung und erschwert die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Massenarbeitslosigkeit wirkt milieukonstituierend und schottet ab gegen Aufstiegschancen und -willen {19}, insofern verfestigt sie Armut und Marginalisierung in Deutschland. Die strukturelle Arbeitsmarktkrise ist sogar der Hauptfaktor für die Verursachung und Verfestigung von Armut {20}. Ein geringfügiger Rückgang der Arbeitslosenzahlen darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die strukturellen Probleme unseres Arbeitsmarktes fortbestehen. Zum einen gibt es nicht genügend Arbeitsplätze in unserem Land, zum anderen haben viele Menschen de facto keine Chance auf eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt, da sie dort nicht mithalten können. Diese Situation trug maß-

 


460

geblich bei zum Strukturwandel von einer mehrheitlich erwerbstätigen, für andere Menschen mitsorgenden Bevölkerung zu einer Bevölkerung, die zu einem erheblichen Teil auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist {21}.

In diesem Zusammenhang spielt auch die Ausbildung als Grundvoraussetzung eine zentrale Rolle. Gering qualifizierte Personen haben die größten Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden oder zu behalten. Mit Blick auf den Übergang zur Dienstleistungs- und Wissensökonomie ist die Unfähigkeit, gering qualifizierten und zugewanderten Menschen Einstiegschancen in den Arbeitsmarkt zu bieten, umso problematischer {22}. Darüber hinaus führen der Druck durch die weltweite Konkurrenz der Arbeitsmärkte und die gestiegenen Anforderungen im Erwerbsleben, die zunehmende Aufteilung in Gewinner (diejenigen, die gebraucht werden) und Verlierer (diejenigen, die nicht mithalten können) zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität, nicht nur bei den schwächeren Mitgliedern unserer Gesellschaft. Wenn sich der Wert eines Menschen in erster Linie über seine Leistung definiert, wenn die Angst, nicht mehr mithalten zu können, um sich greift, macht dies Menschen sowohl körperlich als auch psychisch krank.

Krankheit zählt ebenfalls zu den wesentlichen Armutsfaktoren. Alle Studien belegen: Armut macht krank. Ob es nun an fehlenden materiellen Rücklagen, schlechten Wohnverhältnissen, mangelhaftem Wissen oder fehlender Kompetenz im gesundheitlichen Bereich, Vernachlässigung oder psychischen Belastungen liegt: Im Ergebnis führen alle diese Aspekte zu einem schlechteren Gesundheitszustand. Die Umkehrung gilt jedoch auch: Krankheit macht arm. Insbesondere chronische und psychische Erkrankungen erfordern nicht nur finanzielle Ressourcen, sondern erschweren in erheblichem Maße die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Armut spiegelt sich darüber hinaus auch in ungesicherten, beengten und schlechten Wohnverhältnissen wider. Die verschiedenen Gesichter von Armut ballen sich zunehmend in Problemvierteln und sozialen Brennpunkten, was wiederum die Ausgrenzung verstärkt und die Überwindung der Armut für den Einzelnen noch schwieriger macht. Schließlich haben diverse Herausforderungen wie die wirtschaftliche Situation, strukturelle Massenarbeitslosigkeit und die demografische Entwicklung den Sozialstaat an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. In der Folge wurden und werden Reformen erforderlich, was in der Regel Einschnitte bei den staatlichen Leistungen bedeutet.

 

Soziale Faktoren

Bei den sozialen Faktoren sind zunächst die hohen Anforderungen an und die Benachteiligung von Familien zu nennen. Den Familien steht eine immer größere Gruppe von Paaren und Singles gegenüber, die dauerhaft keine Kinder haben. Die Ursachen für die Kinderlosigkeit sind vielfältig. Klar ist jedoch, dass die bewusste

 


461

Entscheidung gegen Kinder längst gesellschaftsfähig geworden ist. Durch die Kinderlosigkeit vieler gibt es eine massive Schieflage bei der Kostenverteilung für die Kindererziehung. Zur finanziellen Belastung kommen Unterschiede im Lebensstil und im kulturellen Bereich hinzu {23}. Gleichzeitig haben wir weiterhin ein solidarisches Rentensystem, das auf den Leistungen der nachwachsenden Generation beruht. Folglich sind auch die Lasten für die Zukunftssicherung ungleich verteilt. Der Mangel an Familienfreundlichkeit ist längst als problematisch erkannt, an der übermäßigen Belastung der Familien hat sich hingegen wenig geändert. Der Trend zur Auflösung von traditionellen Familienstrukturen und in der Konsequenz die Zunahme von Alleinerziehenden verschärfen die Ungleichheiten und Probleme zusätzlich. Dass Kinder zu einem Armutsrisiko geworden sind, zeigt, wie arm unsere gesamte Gesellschaft geworden ist {24}.

In sozial schwachen Milieus findet zudem oftmals eine Verfestigung der von Armut und sozialer Ausgrenzung geprägten Familiensituation auf die nächste Generation statt {25}. Die Vernachlässigung von Kindern, wie sie in letzter Zeit für öffentlichkeitswirksame Schlagzeilen gesorgt hat, ist hier lediglich die Zuspitzung des grundlegenden Problems. Viel unscheinbarer, aber nicht weniger gravierend ist die weit verbreitete mangelhafte Erziehung und Förderung der Kinder, die unzureichende Unterstützung im Bereich der Bildung, aber auch »weiche« Faktoren wie Medienkonsum, kulturelle Aspekte und Vorbildfunktion bleiben unterentwickelt, von mangelnder Motivation angesichts grassierender Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit nicht zu sprechen. Durch die zunehmende Zerstückelung von Familien und die Auflösung traditioneller sozialer Bindungen geht auch die Möglichkeit verloren, temporäre Belastungen oder Notsituationen durch persönliche Netzwerke aufzufangen. Die Fähigkeit, im Bedarfsfall Unterstützung im persönlichen Umfeld zu aktivieren, variiert heute stark je nach gesellschaftlicher Position. Grundsätzlich sind viele Individuen aus primären, subsidiären Verflechtungen, aus horizontalen Beziehungen in der Gesellschaft herausgenommen und folglich in erster Linie vertikal dem Staat als Leistungsgewährer zugeordnet {26}. Dies verstärkt die starke Abhängigkeit der so genannten Fürsorgeklientel. Durch langfristige Sozialhilfebedürftigkeit und Ausgrenzung sind viele Menschen nicht mehr in der Lage, selbst für sich zu sorgen und Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen — und dadurch extrem abhängig von staatlichen Transferleistungen und anderweitiger Unterstützung.

Die gesellschaftliche Situation führt zudem auch zu neuen Generationenkonflikten. Während ältere Menschen, die traditionell von Armut bedroht sind, in Deutschland durch unser Sozialversicherungssystem zumeist relativ gut abgesichert sind, haben es heute junge Menschen zunehmend schwer, finanziell unabhängig zu werden und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Diese neue Form von Verteilungskonflikten wurde bislang jedoch kaum auf politischer Ebene aus-

 


462

getragen. Vielmehr findet häufig eine Umverteilung im privaten Bereich statt {27}. Gleichzeitig fühlen sich viele ältere Menschen von den rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen abgehängt. Oft macht sich das Gefühl breit, nicht mehr gebraucht zu werden und in der Gesellschaft keinen Platz mehr zu haben. Vereinsamung bis hin zu Gefühlen von Sinnlosigkeit und Verbitterung sind die Folge.

 

Kulturelle Faktoren

Auch kulturelle Faktoren müssen bei einer Neubestimmung von Armut in den Blick genommen werden. Trotz der enormen Bedeutung von Bildung in unserer Gesellschaft ist unser Bildungssystem nach wie vor weit von einer echten Chancengerechtigkeit entfernt. In erschreckendem Maße führen uns aktuelle Studien vor Augen, dass unser Bildungssystem die Milieus eher verfestigt als soziale Durchlässigkeit gewährleistet. Bildung entscheidet jedoch über die Anschlussfähigkeit an gesellschaftliche Entwicklungen. Nicht zuletzt wird durch Bildung auch die Fähigkeit von Menschen gefördert, ihr Leben selber zu bestimmen. "Bildung ist vielmehr das Medium, durch dessen Aneignung und Gebrauch die Chance, in vollem Sinne Bürger zu sein, erheblich erweitert, oft überhaupt erst wieder hergestellt wird." {28} Deshalb muss Bildung zukünftig als zentraler Ort der sozialen Investitionen gelten.

Darüber hinaus stellt uns im kulturellen Bereich insbesondere die Migration bzw. gescheiterte Integration vor enorme Herausforderungen. Wir beobachten eine Verfestigung der kulturellen Segmentierung bis hin zur Abschottung. Die Akkulturation muss mehrheitlich als gescheitert gelten. Das beruht nicht zuletzt darauf, dass auch in der zweiten und dritten Generation den gesellschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten, der ökonomischen und kulturellen Integration in die Mehrheitsgesellschaft enge Grenzen gesetzt sind. Die Partizipation an bzw. der Ausschluss von Bildung spielt hierbei eine zentrale Rolle {29}. Folglich spitzen sich die verschiedenen anderen Faktoren — u.a. Arbeitslosigkeit, Krankheit, beengte Wohnverhältnisse, schwierige Familiensituationen — nochmals zu. Perspektivlosigkeit ist die Folge, die wiederum die kulturelle Abschottung verstärkt und sich zum Teil auch in Gewalt entlädt.

Schließlich soll noch die Rolle der Massenmedien angesprochen werden. Durch die Vielfalt der Angebote tragen die Massenmedien heute nicht mehr zur Schaffung einer gemeinsamen kulturellen Identität bei. Gerade das Fernsehen wurde zunehmend ein Zielgruppenmedium, es hat auch weitgehend seinen Bildungscharakter verloren. In der Konsequenz trägt die gegenwärtige Massenkultur eher zur Ausdifferenzierung verschiedener Schichten mit unterschiedlichen Konsum- und Kulturstilen bei {30}. Der übermäßige Medienkonsum ist zudem nicht nur Charakteristi-

 


463

kum bestimmter gesellschaftlicher Gruppen, sondern bringt diese Schichten auch hervor, indem er Passivität, Abkapselung und Vernachlässigung fördert.

 

Armut als Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe

Allen Facetten von Armut ist gemein, dass sie Menschen an den Rand drängen, vom gesellschaftlichen Leben ausschließen und von Entwicklungen abkoppeln. Neue gesellschaftliche Trennlinien bauen sich auf oder gewinnen an Bedeutung und können vom Einzelnen kaum überwunden werden. Viele Menschen haben keine Zukunftsperspektiven, keine Hoffnung auf Wiedereinstieg oder sozialen Aufstieg mehr. Sie haben resigniert und sich selbst aufgegeben. Folglich sollte sich eine Definition von Armut an den Chancen auf gesellschaftliche Teilnahme und Teilhabe bzw. einem Ausschluss von gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen orientieren. Es kommt darauf an, Betroffene nicht nur finanziell abzusichern, sondern ihnen eine Lebensperspektive zu geben, sie in der Wiederherstellung ihrer eigenen Fähigkeiten zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben zu leisten, der ihnen auch soziale Anerkennung bringt. "Jedem Menschen ist eine freie Entfaltung und die Teilhabe an den öffentlichen Gütern zu ermöglichen." {31} Dies erfordert auch eine Sensibilität für die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen einerseits und seine Bedürftigkeit andererseits. Kriterium aller Maßnahmen könnte sein, ob es dabei um die soziale Sicherheit der Insider oder um die Integration von Outsidern geht {32}. Sozialpolitik darf zukünftig nicht mehr auf Verteilungspolitik reduziert werden, sondern muss u.a. auch Familien- und (Berufs-)Bildungspolitik umfassen {33}.

 

4. Ausblick: Skizzen einer Antwort im Licht des Evangeliums

Die vorrangige Option für die Armen, Schwachen, Benachteiligten, die Sorge um die von aktiver Teilnahme ausgeschlossenen und an den Rand gedrängten Menschen in unserer Gesellschaft ist verpflichtendes Kriterium unseres Handelns. Es hat nichts an Aktualität und Brisanz verloren {34}. Die Option für die Armen gilt weiterhin für die Kirche und auch für jeden einzelnen Christen. Dabei handelt es sich nicht um ein theoretisches Bekenntnis, vielmehr müssen unser tägliches Leben, unsere konkreten Entscheidungen davon geprägt sein {35}. Die besondere Aufmerksam-

 


464

keit für die Schwächsten gilt spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil als wesentliches Merkmal unserer Sendung als Kirche und als Ausdruck unserer Sakramentalität. Dass diese besondere Aufmerksamkeit das unterscheidende Kennzeichen katholischer Schulen ist, ist nur eine der vielfältigen Konkretisierungen dieses Merkmals {36}. Der Umgang mit den Schwächsten macht uns glaubwürdig oder unglaubwürdig. Jedoch ist die konkrete Ausgestaltung der Option für die Armen so wenig statisch, wie unsere Gesellschaft und unsere Welt statisch sind. Vielmehr muss sie vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen in unserer Gesellschaft kontinuierlich überprüft und immer wieder neu buchstabiert werden. Dazu müssen wir die unterschiedlichen Gesichter von Armut, ihre Ursachen und Auswirkungen aufmerksam wahrnehmen und analysieren.

 

Gerechtigkeit, Solidarität und Subsidiarität als Leitlinien

Gerechtigkeit ist wieder zu einem Leitbegriff in der Erörterung gesellschaftlicher Konflikte und in der politischen Auseinandersetzung geworden. Dabei sind jedoch eine Vielfalt von Definitionen zu unterscheiden: u.a. Bedarfs-, Bestands-, Leistungs-, Einkommens-, Chancen- und Teilhabegerechtigkeit. Ein Gerechtigkeitsverständnis, das sich vor allem an der Leistung des Einzelnen orientiert oder auf die (Um-)Verteilung der Güter zielt, reicht in der aktuellen Situation bei weitem nicht aus. Die klassischen Strategien der Gerechtigkeitspolitik verlieren — auch angesichts neuartiger gesellschaftlicher Probleme — insgesamt an Überzeugungs- und politischer Durchschlagskraft. Vielmehr zwingt die Krise des expansiven Wohlfahrtsstaates zu einer genaueren Bestimmung der politischen und moralischen Maßstäbe, die dem Ideal der Gerechtigkeit zugrunde liegen {37}. Eine Fokussierung auf die materielle Umverteilung greift in vielen Fällen zu kurz — das zeigt ein Blick auf Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit oder Krankheit betroffen sind, wie der auf vielschichtige, komplexe Konfliktlinien (z.B. Ausschluss der zugewanderten Bevölkerung oder Benachteiligung von Familien). Vielmehr muss zukünftig der Aspekt der Teilhabegerechtigkeit noch stärker als bisher in den Vordergrund rücken. Hierunter wird die Fähigkeit bzw. Befähigung verstanden, an den allgemeinen und grundlegenden Chancen der Gesellschaft, am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben, insbesondere in den Bereichen Bildung, Erwerbsarbeit und Gesundheit, verantwortlich teilhaben zu können. Dies schließt auch die Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen und Fortschritten ein. Folglich steht hierbei die Stärkung von Ressourcen zur selbstständigen Lebensführung, d.h. insbesondere von kulturellen Kompetenzen, im Vordergrund {38}. "Es kommt darauf an,

 


465

allen — je nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten — Chancen auf Teilhabe und Lebensperspektive zu geben, statt sich damit zu begnügen, Menschen ohne echte Teilhabe lediglich finanziell abzusichern." {39}

Wir alle sind gefordert, Solidarität zu üben, Unterstützung und Hilfe insbesondere denjenigen zukommen zu lassen, die am Rande stehen und gesellschaftlich ins Abseits abgeschoben sind. Jeder Mensch hat die Pflicht, gemäß seinen eigenen Fähigkeiten und den Bedürfnissen der Mitmenschen zum Gemeinwohl beizutragen {40}. Solidarität hilft uns, den anderen nicht als irgendein Mittel zu sehen, sondern als ein gleiches Wesen, ja den Herrn in ihm zu sehen. Solidarität im Innern einer jeden Gesellschaft kann nur gelingen, wenn sich ihre Mitglieder gegenseitig als Personen anerkennen, die jeweils auf ihre Weise und in ihrer Dimension einen Beitrag leisten können. Die 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hält hierzu fest: "Jede und jeder ist wichtig, alle verfügen unabhängig vom materiellen Vermögen über Gaben, die für die Gemeinschaft wertvoll sind." {41} Das Verantwortungsgefühl für die anderen beruht auf dem Bewusstsein der Abhängigkeit zwischen den Menschen sowie den Nationen als positivem, moralischem Wert {42}. Als Folge aus dem Prinzips der Teilhabegerechtigkeit muss Solidarität auf die Wiederherstellung der eigenen Fähigkeiten, auf die Stärkung der Eigenverantwortung gerichtet sein {43}. Folglich steht auch in unserer Gesellschaft die Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund.

Schließlich muss in Zukunft das Grundprinzip der Subsidiarität wieder mehr Beachtung finden. Die Krise des Wohlfahrtsstaates liegt auch darin begründet, dass wir zunehmend alles dem Staat überlassen haben. Subsidiäre soziale Netze hingegen haben an Bedeutung verloren. Die Transfermentalität, die Erwartung immer neuer staatlicher Segnungen und Zuwendungen anstelle der eigenen Verantwortung, hat sich nicht nur in sozial schwachen Milieus verankert, sondern reicht weit in bessere Kreise hinein {44}. Bis heute gehört für die Mehrheit der Bevölkerung eine Absicherung der grundlegenden Lebensrisiken zu den zentralen Aufgaben des Staates {45}. Die Eigenverantwortung, die persönliche Übernahme von sozialer und politischer Verantwortung, das Engagement jedes Einzelnen und kleinerer Gruppen muss ermutigt und gestärkt werden. Gleichzeitig bleiben öffentliche Institutionen, letztlich der Staat dort in der Pflicht, wo kleinere Einheiten mit bestimmten

 


466

Aufgaben überfordert sind; er muss weiterhin dort unterstützend und ergänzend eingreifen, wo dies erforderlich ist.

 

Umgang mit Macht, Besitz und Beziehungen

Auch in Zukunft müssen wir uns daran messen lassen, ob sich unser Umgang mit Macht, Besitz und Beziehungen am Evangelium orientiert und von dieser Guten Botschaft geprägt ist. Diese Orientierung an den drei wesentlichen Lebensvollzügen entspricht den Evangelischen Räten. Der Versuch, dies zeichenhaft zu leben, ist insbesondere die Berufung der Ordensleute. Wichtig ist hierbei zu betonen, dass die Armut, die wir produzieren, nicht nur mit unserem Umgang mit Besitz zu tun hat, sondern ebenfalls auf einem fehlerhaften Umgang mit Macht und Beziehungen beruht. Dies gilt umso mehr, wenn wir unter »den Armen« nicht ausschließlich Menschen mit geringen materiellen Ressourcen verstehen, sondern insbesondere Menschen, die von aktiver Teilnahme ausgeschlossenen und an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt sind. Papst Johannes Paul II. spricht von einer doppelt sündhaften Haltung: der Gier nach Profit und dem Verlangen nach Macht, die beide unsere Umkehr erfordern {46}. Bei der Überprüfung unseres Umgangs mit Macht, Besitz und Beziehungen können uns folgende Fragen leiten:

  • Nutzen wir unsere Macht, um zu beherrschen oder zu dienen, um andere Menschen zu gebrauchen, uns ihrer zu bedienen oder um sie bei ihrer Lebensgestaltung zu unterstützen? Treibt uns das Machstreben, uns auf Kosten anderer zu profilieren, diese gegebenenfalls auch bewusst an den Rand zu drängen, oder verstehen wir Macht als Mittel, das wir für den Aufbau des Reiches Gottes einsetzen?
  • Setzen wir unseren Besitz für Benachteiligte ein oder grenzen wir uns damit gegen sie ab? Welche Opfer nehmen wir bei unserem Streben nach mehr Besitz in Kauf? Inwieweit haben wir trotz diesem Verlangen das Wohl der anderen im Blick?
  • Reduzieren wir unseren Nächsten auf den Nutzen, den wir uns von ihm erhoffen, oder sehen wir ihn als eigenständiges Subjekt an, bringen wir ihm Wertschätzung und Anerkennung entgegen? Sehen wir den anderen mit Seinen Augen, können wir den Herrn im anderen erkennen und lieben?

Eine solche Grundhaltung, die sich am Beispiel Jesu orientiert und dies in allen Lebensvollzügen glaubwürdig lebt, bedarf eines vertieften Gebetslebens. Unser Umgang mit Macht, Besitz und Beziehungen wird sich nur dann wandeln, wenn wir uns immer wieder und immer tiefer in die Sicht des Evangeliums einüben. Hierbei kommt der Kontemplation, d.h. der Wahrnehmung der von Gott bereits geschenkten Wirklichkeit, eine zentrale Bedeutung zu. In der Betrachtung werden wir daran erinnert, dass nicht wir Gott zuerst geliebt haben, sondern Er uns; wir werden ermutigt, jenes Geschenk wahrzunehmen und daraus den Alltag zu gestalten, das uns

 


467

in der Schrift zugesagt ist: "Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat." {47} Aufgrund dieser Liebe können wir auch unsere eigene Begrenztheit und Bedürftigkeit, unser Verwiesensein auf andere annehmen. Nur wenn wir uns im Gebet immer wieder der bedingungslosen Liebe Gottes zu uns öffnen, können wir frei werden von der Angst, zu kurz zu kommen; dies lässt in uns die innere Freiheit wachsen, die uns ausbrechen lässt aus unserem Kreisen um uns selbst und uns zum Loslassen befähigt. Die Betrachtung der Wirklichkeit im Licht der Frohen Botschaft ermöglicht es uns, den Anbruch des Reiches Gottes in unserem Leben zeichenhaft darzustellen. Nicht zuletzt schult uns die Kontemplation auch, mit dem Defizit zu rechnen und zu leben, im Fragmentarischen das Ganze zu sehen, im Versagen das Göttliche.

Wenn wir ernst machen mit diesem Anspruch, wenn wir in unserem tagtäglichen Handeln am Evangelium Maß nehmen, legen wir nicht nur glaubhaft Zeugnis ab, sondern können wir auch wirksam alten und neuen Formen von Armut begegnen. Dann sind wir auch zu einer präventiv wirkenden und befähigenden Sozialpolitik fähig, deren zentrale Anliegen der Deutsche Caritasverband so formuliert hat: "Selbstbestimmte Teilhabe ermöglichen, Befähigung fördern und Ausgrenzung verhindern." {48}

 

Anmerkungen

{1} Dieser Artikel ist auf die Situation in Deutschland bezogen, ohne dabei unsere Mit-Verantwortung für weltweite Armut aus dem Blick zu verlieren.

{2} Vgl. Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland, n. 68. Hrsg. vom Kirchenamt der Evang. Kirche in Deutschland. Bonn 1997 (Gemeinsame Texte; 9), 30f.

{3} Vgl. H. Theisen, Von der Spaßgesellschaft zu einem Gleichgewicht von Rechten und Pflichten, in: P. Boskamp / H. Theisen (Hrsg.), Krisen und Chancen unserer Gesellschaft. Ein interdisziplinärer Überblick. Berlin 2002, 91-106; bes. 98.

{4} Auslöser diverser Debatten im Herbst 2006 war die Veröffentlichung der Ergebnisse der Erhebung "Gesellschaft im Reformprozess" der TNS Infratest Sozialforschung Berlin im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, die vom "abgehängten Prekariat" spricht, das von "sozialem Ausschluss und Abstiegserfahrungen" geprägt ist (vgl. die Einleitung zur Analyse unter www.fes.de/inhalt/Dokumente/061017_Gesellschaft_im_Reformprozess_komplett.pdf; Stand 25.08.2008).

{5} P. Neher, Statement bei der Pressekonferenz am 19.10.2006 zum Abschluss der 3. Delegiertenversammlung des Deutschen Caritasverbandes. Berlin 2006, 1.

{6} Vgl. Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute "Gaudium et Spes" (7.12.1965), art. 10, in: 2LThK, Erg.-Bd. 3. Freiburg 1968, 308-312.

{7} Vgl. B. von Clairvaux, Komme zu dir selbst, in: Bernhard von Clairvaux. Hrsg., eingel. u. übers. von B. Schellenberg, Olten 1982, 78f.

{8} Vgl. Papst Benedikt XVI., Enzyklika "Deus caritas est" (25.12.2005), n. 28b. Hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn (VAS; 171), 39f.

{9} Vgl. F. Kamphaus, Gottes Ja — unsere Freiheit. Hirtenwort und Anregungen zu Verkündigung und Glaubensgespräch. Limburg 1987, 74.

{10} Vgl. aa0., 30.

{11} Caritas als Lebensvollzug der Kirche und als verbandliches Engagement in Kirche und Gemeinschaft (23.9.1999). Hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn (Die deutschen Bischöfe; 64), 12.

{12} Papst Benedikt XVI., 'Deus caritas est', n. 15 (Anm. 8), 23.

{13} Vgl. Mt 25,31-46.

{14} Vgl. Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit, n. 93-95 (Anm. 2), 39f.

{15} Vgl. Papst Johannes Paul II., Enzyklika "Sollicitudo rei socialis" (30.12.1987), n. 46. Hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn (VAS; 82), 57.

{16} Vgl. Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben "Evangelii nuntiandi" über die Evangelisierung in der Welt von heute (8.12.1975), n. 30. Hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn (VAS; 2), 23.

{17} Vgl. Caritas als Lebensvollzug (Anm. 11), 15.

{18} Vgl. P. Nolte, Riskante Moderne. Die Deutschen und der neue Kapitalismus. München 2006, 133.

{19} Vgl. aa0., 98.

{20} Vgl. U. Becker, Armut und Reichtum — ein diakonischer Zwischenruf. Kurzreferat zur EKD-Synode, Würzburg 5.-9.11.2006 (Text unter: http://www.ekd.de/synode2006/kurzreferat_becker.html; Stand: 25.08.2008).

{21} Vgl. P. Nolte, Riskante Moderne (Anm. 18), 19.

{22} Vgl. aaO., 97.

{23} Vgl. aa0., 106.

{24} Vgl. Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit, n. 70-71 (Anm. 2), 32.

{25} Vgl. U. Becker, Armut und Reichtum (Anm. 20).

{26} Vgl. P. Nolte, Riskante Moderne (Anm. 18), 20.

{27} Vgl. aa0., 105.

{28} Aa0., 303.

{29} Vgl. aa0., 98.

{30} Vgl. aa0., 100.

{31} Das Soziale neu denken. Für eine langfristig angelegte Reformpolitik (12.12.2003). Hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz Bonn (Die deutschen Bischöfe — Kommission für gesellschaftliche u. soziale Fragen; 28), 18.

{32} Vgl. H. Theisen, Spaßgesellschaft (Anm. 3), 99.

{33} Vgl. K. Lehmann, Eigenverantwortung stärken. Dokumentation des Eröffnungsreferates bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda, in: KNA-Dokumente 11.11.2006, Bonn, 13-26.

{34} Vgl. Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit, n. 105 (Anm. 2), 44.

{35} Vgl. Papst Johannes Paul II., "Sollicitudo rei socialis", n. 42 (Anm. 15), 52f.

{36} Vgl. Die Katholische Schule an der Schwelle zum dritten Jahrtausend (28.12.1997), n. 15. Hrsg. von der Kongregation für das katholische Bildungswesen. Rom (Text unter: www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccatheduc/ documents/rc_con_ccatheduc_doc_27041998_school2000_ge.html; Stand: 25.08.2008).

{37} Vgl. P. Nolte, Riskante Moderne (Anm. 18), 116f.

{38} Vgl. aa0., 117.

{39} Mehr Beteiligungsgerechtigkeit. Beschäftigung erweitern, Arbeitslose integrieren, Zukunft sichern: Neun Gebote für die Wirtschafts- und Sozialpolitik (29.10.1998). Hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn (Die deutschen Bischöfe — Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen; 20), 5.

{40} Vgl. "Gaudium et Spes" , art. 30 (Anm. 6), 370f.

{41} Gerechtigkeit erhöht ein Volk. Armut muss bekämpft werden — Reichtum verpflichtet. Kundgebung zur EKD-Synode, Würzburg 5.-9.11.2006 (Text unter: http://www.ekd.de/aktue11/51176.html; Stand: 25.08.2008).

{42} Vgl. Papst Johannes Paul II., "Sollicitudo rei socialis", n. 38f. (Anm. 15), 45-49.

{43} Vgl. K. Lehmann, Eigenverantwortung (Anm. 33).

{44} Vgl. P. Nolte, Riskante Moderne (Anm. 18), 136.

{45} Vgl. H. Faßbender / J. Kluge, Perspektive Deutschland. Was die Deutschen wirklich wollen. Berlin 2006, 19f.

{46} Vgl. Papst Johannes Paul II., "Sollicitudo rei socialis", n. 37 (Anm. 15), 45.

{47} 1 Joh 4,19.

{48} P. Neher, Statement (Anm. 5), 3.

 

 

Link to 'Public Con-Spiration for-with-of the Poor'