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Matthias Kalkuhl, Johannes Wallacher, Mattias Kiefer {2}, Frank Kürschner-Pelkmann, Markus Demele, Markus Vogt

Klimawandel - Buchbesprechungen

 

Zugang zum deutschen Text: Stimmen der Zeit, 2/2010, S. 131-141

 

    SINN, Hans-Werner: Das grüne Paradoxon. Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik. Berlin: Econ 2008. 477 S. Gb. 24,90.

„Ich denke und fühle ... grün", schreibt Hans-Werner Sinn im Nachwort seines Buchs, das sich wie eine Fundamentalkritik an der bestehenden deutschen Klimapolitik liest. Er macht deutlich, daß der Klimawandel die Menschheit vor eine gewaltige Herausforderung stellt, die man nicht einfach durch Anpassung an steigende Temperaturen lösen könne. Doch staatlicher Aktionismus, nationale Alleingänge und Steuer- und Subventionswirrwarr würden den Bürgern hohe Kosten auferlegen, ohne dabei einen meßbaren Einfluß auf die globalen Emissionen zu haben. Zuspitzung erfährt diese Kritik im „Grünen Paradoxon" — einem Phänomen, welches die Reaktion der „Ölscheichs" auf zunehmend ambitionierte Klimapolitik beschreibt. Müssen diese doch um ihre zukünftigen Renditen fürchten — etwa durch steigende Emissionssteuern und Energiesparmaßnahmen —, würden sie den Klimaschützern mit dem schnellen Ausverkauf ihrer Reserven zuvorkommen. Die Atmosphäre heizt sich dadurch noch schneller auf. Auch würden nationale Energiesparmaßnahmen wenig bewirken, weil die dadurch ausgelöste Nachfragesenkung zu geringeren Rohstoffpreisen führt und durch eine erhöhte Nachfrage aus Schwellenländern kompensiert würde.

Da globale Emissionssteuern wegen des grünen Paradoxons zu versagen drohen, müsse ein globales Emissionshandelssystem geschaffen werden, das alle wichtigen Verbraucherländer einbinde. Obwohl dessen Realisierung schwierig sei und es eine „zentralplanerische" Regulierung der Gesamtemissionen bedeute, sei es das einzige effektive Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Solange es noch kein bindendes globales Abkommen gibt, könne eine Harmonisierung der Kapitaleinkommenssteuern durch ein Quellensteuerabkommen in begrenztem Umfang die Förderung fossiler Ressourcen verlangsamen. Auch könnten durch Wiederaufforstung Emissionen gebunden und zudem ökologisch wertvolle Lebensräume geschaffen werden.

Folgt man der Argumentation von Sinn, so macht das grüne Paradoxon jede Emissionssteuer kontraproduktiv. Wie stark das grüne Paradoxon aber in Wirklichkeit ist, kann er auch nicht belegen. Selbst innerhalb seines einfachen neoklassischen Modells müßte die Steuer mit einer Rate oberhalb eines kritischen Wertes wachsen, um einen Vorzieheffekt zu bewirken. Wächst sie dagegen moderat, bewirkt sie durchaus eine Verlangsamung und Reduzierung der Rohstofförderung. Ein globaler Emissionshandel, wie ihn Sinn fordert, kann aber tatsächlich das Risiko des Grünen Paradoxons wirksam ausschließen.

Im Verlauf seines Buchs verliert sich Sinn stellenweise in der Kritik an kleinen regulatorischen Details der deutschen Klimapolitik wie dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, der ökologisch-sozialen Steuerreform und anderen staatlichen Umweltmaßnahmen. Hier hätte er vielmehr die zahlreichen weiteren Marktversagen analysieren können, die zu einer schleppenden technologischen Entwicklung führen könnten, selbst wenn der Emissionspreis hoch wäre. So ist der Zeitho-

 


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rizont von Aktiengesellschaften meist zu kurz, um langfristige Entwicklungen im Emissionspreis adäquat zu berücksichtigen. Im Straßen- und Schienenverkehr sowie im Ausbau des Stromnetzes bestehen Lock-in-Effekte, innerhalb derer Märkte wegen der Trägheit von Investitionen nicht plötzlich von einer fossilen zu einer kohlenstoffreien Wirtschaftsweise „umschalten" können. Daher kann es durchaus sinnvoll sein, den Emissionshandel um weitere Instrumente zu erweitern, die ein kostengünstigeres Erreichen der Klimaschutzziele ermöglichen.

Das Potential der erneuerbaren Energien sieht Sinn begrenzt, weil die Kosten teilweise sehr hoch sind (z. B. für Solarstrom) und eine ständige Verfügbarkeit durch die Fluktuationen bei Wind und Sonne nicht sichergestellt ist. Doch sind die technischen Möglichkeiten der Energieerzeugung und -speicherung bei weitem noch nicht ausgereizt. Auch mag Sinns pragmatische Haltung zu Atomenergie verwundern, deren Nachhaltigkeit wohl von vielen Umweltökonomen kritischer bewertet wird.

Bei aller Kritik (und manchmal auch Polemik) gegen die „grüne" Politik: Das „Grüne Paradoxon" ist ein Plädoyer für die Schaffung globaler Rahmenbedingungen für globale Märkte. Diese wohl wichtigste Essenz seines Buchs hat Hans-Werner Sinn für zahlreiche andere Marktversagen ebenfalls in seinen Arbeiten beleuchtet. Eine globalisierte Welt braucht auch einen globalen Ordnungsrahmen. Er schreibt ein altes Motto der Umweltbewegung um — der neue Grundsatz für eine erfolgreiche Klimapolitik lautet: „Global denken, global handeln".

Matthias Kalkuhl

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    LIENKAMP, Andreas: Klimawandel und Gerechtigkeit. Eine Ethik der Nachhaltigkeit in christlicher Perspektive. Paderborn: Schöningh 2009. 534 S. Br. 58,—.

Spätestens seit der Veröffentlichung des Vierten Sachstandsberichts des Weltklimarats (IPCC) von 2007 ist wissenschaftlich nicht mehr ernsthaft zu bestreiten, daß der Klimawandel primär vom Menschen verursacht ist. Falls es in den nächsten Jahren nicht gelingt, die Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren und damit den Anstieg der globalen Mitteltemperatur zu begrenzen, riskiert die Menschheit einen gefährlichen Klimawandel mit unübersehbaren Konsequenzen für zukünftige Generationen und die Natur.

Selbst bei ehrgeizigsten Klimaschutzzielen werden jedoch aufgrund früherer Emissionen und der Trägheit des Klimasystems negative Klimafolgen auftreten, die als Trend bereits jetzt beobachtbar sind und besonders die Armen treffen. Viele von ihnen leben in geographisch sensiblen Gebieten, die von Wetterextremereignissen, dem Anstieg der Temperatur und des Meeresspiegels besonders bedroht sind. Sie sind auch deshalb verwundbar, weil sie kaum Mittel und Möglichkeiten haben, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Klimaschutz und Anpassung würden daher besonders den armen, stark betroffenen Ländern zugute kommen. Umgekehrt sind jedoch gerade die Länder des Südens auf wirtschaftliche Entwicklung angewiesen, um die Armut wirksam bekämpfen zu können. Denn der Klimawandel wirft eine Reihe von Problemen globaler, generationenübergreifender und ökologischer Gerechtigkeit auf, die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Im Sinn des Leitbilds der Nachhaltigkeit gilt es vielmehr, eine Integration dieser Fragen anzustreben, was auch Maßstäbe für die Abwägung im Konfliktfall notwendig macht.

Dieses Ziel verfolgt Andreas Lienkamp mit seinem Buch, das aus seiner gleichnamigen Habilitationsschrift hervorgegangen ist, die an der Universität Bamberg einge-

 


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reicht wurde. Nach einer Einführung, in der der Autor Zielsetzung und Methode erläutert, folgt er in den drei Hauptteilen dem klassischen Dreischritt der katholischen Soziallehre „Sehen — Urteilen — Handeln". Im Hinblick auf die komplexe und umfassende Problemstellung verlangt dies eine intensive Beschäftigung mit anderen Disziplinen, allen voran den Naturwissenschaften.

Grundlage des Buchs bildet eine differenzierte und fundierte Zusammenfassung der Symptome, Ursachen und Folgen des anthropogenen Klimawandels im zweiten Kapitel. Im Anschluß daran entfaltet Lienkamp im dritten Kapitel einen ausführlichen biblisch-schöpfungstheologischen Ansatz, von dem er seine Konzeption von Gerechtigkeit und sein Verständnis von Nachhaltigkeit ableitet. Im abschließenden vierten Kapitel werden die Handlungsfelder der Klimapolitik beschrieben, sowohl hinsichtlich der notwendigen Reduzierung von Treibhausgasemissionen (mitigation) als auch der Anpassung an den schon nicht mehr vermeidbaren Klimawandel (adaptation). Dabei wird jeweils ein weites Spektrum entsprechender technischer und politischer Instrumente, aber auch der Handlungsebenen (von der Politik über unternehmerische Pflichten bis hin zur Frage von Lebensstiländerungen) erörtert.

Insgesamt glückt es Lienkamp mit dieser integrierten Betrachtung auf sehr verständliche Weise, nicht nur die Komplexität der Thematik und den drängenden Handlungsbedarf aufzuzeigen, sondern auch eine umfassende primär theologisch orientierte Reflexion zu erarbeiten und auf dieser Basis begründete Handlungsoptionen vorzustellen. Damit stellt das Buch einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der christlichen Sozialethik dar.

Allerdings gelingt es ihm kaum, die Anschlußfähigkeit dieser Perspektive an die aktuellen philosophisch-ethischen Debatten um die Gerechtigkeitsproblematik des Klimawandels aufzuzeigen oder diese aufzunehmen. Beispielhaft seien hier der methodologische Streit um die normativen Prämissen der verschiedenen Konzepte von Verwundbarkeit, die Debatte um das komplexe Verhältnis von globaler und intergenerationeller Gerechtigkeit, etwa hinsichtlich der Frage historischer Verantwortung, oder der Streit um den systematischen Beitrag der Klimaökonomie für Gerechtigkeitsüberlegungen in diesem Kontext („Diskontierungsproblematik", „versteckte normative Prämissen in ökonomischen Klimamodellen") genannt, zu denen nicht systematisch Stellung bezogen wird.

Johannes Wallacher

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    Vogt, Markus: Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive. München: oekom 2009. 555 S. (Hochschulschriften zur Nachhaltigkeit. 39.) Br. 34,90.

Das vorliegende Werk des Münchener Sozialethikers Markus Vogt setzt einen Meilenstein: im theologisch-ethischen Nachdenken über Nachhaltigkeit als Verschränkung zwischen Schöpfungstheologie, Fundamentalethik und Bereichsethiken, im Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft und im Herausarbeiten ethisch begründeter, konkreter Handlungsstrategien für einige der drängendsten politischen Herausforderungen unserer Zeit.

Im ersten Abschnitt leitet Vogt ausführlich in Fragestellung und Methode seiner Untersuchung ein; bereits hier fallen zentrale Stichworte: Das erste Unterkapitel beschreibt die Notwendigkeit, Nachhaltigkeit als neues Sozialprinzip zu etablieren. Die beiden daran anschließenden Unterkapitel „,Zeichen der Zeit' als theologisch-ethische Herausforderung" und die Auseinanderset-

 


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zung mit der Frage nach den Entfaltungsmöglichkeiten der ethischen Kompetenz von Kirche inmitten einer pluralen Gesellschaft gehören mit zum Besten, was hierzu seit langem veröffentlicht wurde. Geprägt von Vogts Jahrzehnte währenden Erfahrungen in unterschiedlichen kirchenpolitisch bedeutsamen Beratungsgremien, sind sie jedem als Pflichtlektüre zu empfehlen, der sich beruflich oder ehrenamtlich an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Politik und Kirche bewegt.

Der zweite Abschnitt zeichnet zum einen detailliert die Begriffsgeschichte des Leitbilds der Nachhaltigkeit nach und beleuchtet zum anderen das anfängliche Einsickern in und dann die zunehmende Prägekraft dieses Leitbilds auf die kirchlichen Umwelt- und Entwicklungsdiskurse. Eingerahmt von diesen historischen Vergewisserungen arbeitet Vogt sieben sogenannte „ethische Strategiekerne" von Nachhaltigkeit heraus, darunter den Naturkapitalansatz mit seiner Auseinandersetzung zwischen starker und schwacher Nachhaltigkeit, die Implikationen „sozialer Nachhaltigkeit", sowie einen aus der Ablehnung des traditionellen Drei-Säulen-Konzepts herrührenden Versuch der Definition von Nachhaltigkeit als „Querschnittsaufgabe".

Damit ist das Feld bereitet für die beiden folgenden zentralen Abschnitte über die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit — geführt als Auseinandersetzung zwischen Schöpfungstheologie und Naturwissenschaften (Abschnitt 3) — und ihrer sozial-ökonomischen Dimension mit der Leitfrage nach der Etablierung intergenerationeller und globaler Gerechtigkeit (Abschnitt 4). Ersterer referiert unter anderem die mannigfaltigen in der Diskussion etwa der vergangenen vier Jahrzehnte vertretenen Naturauffassungen, geht auf unterschiedliche Verständnisse von Ökologie ein, oszillierend zwischen Wissenschaft und Heilslehre, beleuchtet das Verhältnis zwischen Evolution und Schöpfung und wertet die Umbrüche im Naturverständnis mancher empirischer Naturwissenschaft (u. a. Quantenphysik und Chaostheorie) für den Nachhaltigkeitsdiskurs aus. Der vierte Abschnitt konzentriert sich auf Dilemmata und Kriterien intergenerationeller und globaler Gerechtigkeit und bildet so eine fundierte Zusammenfassung wie ethische Bewertung aktueller umwelt- und entwicklungspolitischer Diskurse, wobei zentrale Gedanken — kürzer und einfacher formuliert — sich nicht zufällig im Positionspapier der Deutschen Bischofskonferenz zum Klimawandel (2006) wiederfinden.

Sein Fazit im fünften Abschnitt schlägt schließlich den Bogen zurück zum Anfang und begründet die nach Vogt aufzustellende Forderung nach der Etablierung von Nachhaltigkeit als — neben Personalität, Solidarität und Subsidiarität — viertes Sozialprinzip in Sozialethik wie kirchlicher Soziallehre.

Es ist dies ein in jedem Sinn gewichtiges Buch. Die einzelnen Abschnitte der Untersuchung bauen aufeinander auf, können aber auch ohne Verlust separat gelesen werden. Vogt schreibt als Theologe, Philosoph, politisch denkender Intellektueller und versierter Praktiker gleichermaßen in seine Kirche hinein wie in die säkulare Wissenschaft, Gesellschaft und Politik hinaus — für all diese unterschiedlichen Zielgruppen ist das Buch ob der Dichte der Argumentation und der sprachlichen Herausforderung keine einfache, aber stets lohnende Lektüre.

Mattias Kiefer

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    WELZER, Harald: Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird. 4. Aufl. Frankfurt: Fischer 2009. 335 S. Gb. 19,90.

So bedrohlich die Klimavorhersagen für unsere Erde auch sind — es wird dennoch keine Klimakriege geben. Was zu befürchten ist, sind Kriege, zu deren wesentlichen Ursachen die globalen Klimaveränderungen gehören. Das ist mehr als ein semantischer Unterschied. Denn wenn diese These stimmt, muß in einem Buch über „Klimakriege" fundiert und akribisch versucht werden, die Interaktion von Klimawandel und anderen Kriegsursachen anhand aktueller und potentieller Konflikte zu analysieren. So lassen sich Konzepte entwickeln und darstellen, wie die konfliktverschärfende Rolle des Klimawandels zumindest teilweise eingeschränkt werden kann.

Das leistet das Buch von Harald Welzer nicht. Zurecht schreibt er: „Natürlich gibt es neben dem ökologischen Desaster eine Fülle weiterer Konfliktursachen, sogar so viele, daß einen die Versuche, historische Übersichten vorzulegen, heillos verwirrt zurücklassen" (25). Aber das kann kein Grund sein, Analysen dieser Zusammenhänge zu unterlassen, wie der Autor dies zum Beispiel bei der Darstellung von Systemtransformationen in verschiedenen Teilen der Welt nach 1989 tut (72 ff.). Das Wort „Klima" kommt dabei kein einziges Mal vor. Im Abschnitt über die Osterinsel (79ff.) geht es vor allem um die Abholzung von Bäumen und die Erosion des Bodens — aber auch hier wird der lokale Klimawandel, der vermutlich durch diesen Prozeß ausgelöst wurde, nicht einmal erwähnt.

In dem Absatz über den Völkermord in Ruanda (87ff.) kommt das Wort „Klima" nicht vor, obwohl inzwischen hinlänglich bekannt ist, daß das Land in gravierender Weise vom globalen Klimawandel betroffen ist und daß sich dies konfliktverschärfend auswirkt. An der einzigen Stelle, wo Welzer auf ökologische Fragen eingeht, behandelt er knapp die Überbevölkerung und deren Folgen als „demographisch-ökologische Problemlagen", aber er schweigt zum Klimawandel. Einzig im Zusammenhang mit dem Darfur-Konflikt im Sudan (94ff.) geht der Autor halbwegs ausführlich auf Klimafragen ein — er bezeichnet diesen Konflikt als „ersten Klimakrieg". Das ist zu hinterfragen: Die zum Teil deutlich älteren durch Klimaveränderungen verschärften Konflikte in Kenia, Uganda, Äthiopien und Somalia untersucht Welzer nicht. Bei der Lektüre des Darfur-Kapitels wird überdeutlich, daß dieser Konflikt verschiedene, miteinander verwobene Ursachen hat, darunter auch Klimaveränderungen.

Daß „die sozialen Folgen ökologischer Probleme bis heute kaum diskutiert werden" (110), ist eine durchaus bestreitbare These des Autors, hätte aber Anlaß sein können, große Teile seines Buches für eine fundierte Analyse dieser Zusammenhänge zu verwenden, denn es ist richtig, daß „der Klimawandel ... bestehende Ungleichheiten" verschärft (105). Dazu gibt es diverse

 


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fundierte Studien und Berichte, die es ermöglichen, den Zusammenhang von Klimawandel, Verarmung und sich verschärfenden Konflikten besser zu verstehen. Das findet im Buch nur rudimentär seinen Niederschlag. Dabei ist es irritierend, daß der Autor auch ökologische Probleme in seine Argumentation einbezieht, die nicht oder nur zum geringen Teil durch den Klimawandel ausgelöst worden sind.

Ein Beispiel: Eindrucksvoll beschreibt Welzer das Schrumpfen des Aralsees und spricht von den „sozialen Folgen des Klimawandels" (115). Er erwähnt aber nicht, daß die Austrocknung des Sees nicht durch den Klimawandel verursacht worden ist, sondern durch die Übernutzung des Wassers seiner Zuflüsse für den sowjetischen Baumwollanbau. Die zunehmende Verlandung des Sees hatte und hat gravierende Auswirkungen auf das regionale Klima. Es gäbe Stoff genug, die dadurch entstandenen Konflikte zwischen den fünf zentralasiatischen Staaten, die an den See und seine Zuflüsse angrenzen, zu thematisieren. In Welzers Buch wird dies nicht aufgegriffen.

Stattdessen liest man eine ganze Menge über sozialpsychologische Zusammenhänge von Gewalt, wo einem der Bezug zum Klimawandel als mitverursachendem Konfliktpotential — vorsichtig formuliert — eher indirekt erscheint, zum Beispiel über den Holocaust. Diese Abschnitte unterstützen den Autor zwar in seiner Argumentation, aber die Gewichtung bleibt mit Blick auf den Titel des Buchs problematisch.

Die Defizite des Buchs haben zur Konsequenz, daß die beschriebenen Handlungsmöglichkeiten nicht auf fundierten Analysen der Rolle von Klimaveränderungen in verschiedenen aktuellen Konflikten aufbauen können. Stattdessen startet Welzer eher holzschnittartig Angriffe auf Konzepte individueller Verhaltensänderungen, auf nationale Klimaschutzkonzepte und internationale Verhandlungsergebnisse und setzt statt dessen auf eine „Öffnung neuer mentaler Räume" (261).

Frank Kürschner-Pelkmann

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    FRIEDMAN, Thomas L.: Was zu tun ist. Eine Agenda für das 21. Jahrhundert. Frankfurt: Suhrkamp 2009. 542 S. Gb. 24,80.

Spätestens seit seinem Bestseller „Die Welt ist flach" (2006) ist der mehrfache Pulitzer-Preisträger Thomas L. Friedman auch in Deutschland ein anerkannter Diagnostiker der Globalisierung. „Flach" meinte damals vor allem „kleiner": Nicht mehr nur Unternehmen und Staaten sind Akteure der Globalisierung, sondern fast allen Menschen stehen die neuen Kommunikations- und Handlungsnetze offen. In seinem neuesten Buch, dessen englischer Titel „Hot, flat and crowded" die inhaltliche Marschrichtung besser angibt als der deutsche, beschreibt Friedman die Zukunft der Welt nicht mehr nur als flach, sondern auch als heiß und überbevölkert. Die beiden neuen Attribute sind Wegmarken eines neues Zeitalters: der Energie und des Klimas.

Kurz vor der Wahl Barack Obamas in den USA erschienen, richtet sich dieses leidenschaftliche Manifest in erster Linie an Friedmans Mitbürger. Mit teils naivem Optimismus will er ihnen klar machen, daß der Klimawandel eine Realität ist, die noch viel existenzbedrohender sei als Kriege und Terrorismus. Mit US-amerikanischem Pathos wird beschworen, daß allein die USA in der Lage seien, als globaler Vorreiter die Welt vor den Folgen des Klimawandels zu retten. Nur ein „Code Green", ein radikaler Umschwung der Energiepolitik, gar als Zusatz zur Unabhängigkeitserklärung, sei in der Lage, den wirtschaftlichen und moralischen Führungsanspruch der USA weltweit zu erhalten. „Grün ist das neue Rot, Weiß, Blau",

 


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glaubt Friedman und versucht damit sowohl bekennende Liberale, als auch konservative Republikaner für sein Großprojekt der energiepolitischen Wende zu begeistern.

Friedman präsentiert zwar viele, aber wenig wirklich neue Fakten. Diese werden mit Enthusiasmus und Überzeugungskraft ausgebreitet. Die guten Argumente drohen aber in der Sammlung von Anekdoten und Analogien, Interviews und Zeitungsartikeln, aus denen das Buch zu drei Vierteln besteht, unterzugehen. Die Analyse des gegenwärtigen Zustands der Erde wird mit dem Medienunternehmer Ted Turner auf den Punkt gebracht: „Zu viele Menschen verbrauchen zu viel Zeug." Wollten die Menschen in den aufstrebenden Industrie- und Dienstleistungsnationen den gleichen Ressourcenverbrauch betreiben wie die Länder des Westens, werden Klimawandel und Umweltzerstörung irreversibel sein. Vor allem am Beispiel des Ölverbrauchs der USA verdeutlicht Friedman, wie die bisherige Politik nicht nur Petrodiktaturen gefördert, sondern auch Innovationen im Bereich nichtfossiler Energiegewinnung verhindert hat.

Als Verfechter einer liberalen Ökonomie ist Friedman überzeugt, daß Innovationen für ein intelligentes Energiesystem (Energie-Internet) und Entwicklungen zur Erhöhung der Energieeffizienz nur über Preissignale am Markt durchzusetzen sind. Da er die ökologischen Grenzen des wirtschaftsliberalen Wachstumsdogmas erkennt, kommt er zu dem Schluß, daß nur erhebliche staatliche Interventionen in der Lage seien, die Trendwende einzuleiten. Steueranreize für Investitionen im Bereich grüner Energien und die Regulierung des CO2-Ausstoßes der Industrie gehören da noch zu den harmloseren Forderungen. Sogar einen Mindestpreis für Rohöl empfiehlt der Autor den Regierungen und erteilt freiwilligen Selbstverpflichtungen der Unternehmen eine klare Absage: „Wir können uns hier nicht auf Freiwilligkeit verlassen."

Der Nachdruck, mit dem Friedman den Bewußtseinswandel seiner Mitbürger beschleunigen will, wirkt sympathisch. Doch werden zwei Unzulänglichkeiten seiner Argumentation deutlich: Die geforderte „ökologische Ethik" bleibt in ihrer Formulierung diffus. Friedman argumentiert zumeist aus einer anthropozentrischen Perspektive, die eher einer Ressourcen- und bisweilen Naturschutzethik entspricht. Die Gegenüberstellung von Mensch und Natur wird leider nur selten in einer ökozentrischen Umweltethik verbunden. Eine solche erkennt in einer holistischen Wahrnehmung, daß für das Überleben der Menschheit die Rettung der übrigen Biosphäre und ihrer Bewohner notwendig ist. Der normative Anspruch einer ökologischen Ethik kann sich eben nicht nur daraus ableiten, daß die Natur uns „Schönheit, Staunen und die Freude des Zaubers schenkt".

Einen tragischen blinden Fleck hat dieses Buch bei der Wahrnehmung internationaler Ungleichheiten. Nur einmal wird benannt, daß die Leidtragenden des Klimawandels die Menschen in den Ländern sind, die am wenigsten zu dessen Ursachen beigetragen haben. Dieses Defizit liegt vor allem daran, daß Armut hier primär als Energiearmut wahrgenommen wird. Daß in Nigeria nur 19 von 79 Kraftwerken in Betrieb sind und 550 Millionen Menschen in Afrika keinen Zugang zum Stromnetz haben, wird facettenreich als Entwicklungshemmnis erklärt. Vage bleibt aber ein Ausblick auf die Konsequenzen dieser ungerechten Lastenverteilung der Folgen des Klimawandels für die internationale Gemeinschaft. Die Vereinten Nationen rechnen bis 2010 mit bis zu 50 Millionen Klimaflüchtlingen. Ein Buch, das sich mit einer „heißen, flachen und überbevölkerten" Welt beschäftigt, darf nicht nur auf das aufstrebende China

 


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schauen, sondern muß primär die ersten Opfer des Wandels in den Blick nehmen, vor dem es warnen will. Zurecht forderte die Afrikanische Union 76 Milliarden Dollar pro Jahr von den Industrieländern, um wenigstens minimale Maßnahmen gegen die Folgen von Dürre und Hitze ergreifen zu können.

Friedman entwickelt in seinem Buch eindrucksvolle Visionen, wie eine Energiewende gelingen könnte. Sicher wird er damit Menschen begeistern und, wenn auch nicht politische, so doch individuelle Verhaltensänderungen beflügeln.

Markus Demele

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    Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt. Ein Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte. Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Hg. V. BUND FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ DEUTSCHLAND U. BROT FÜR DIE WELT, Evangelischer Entwicklungsdienst. Frankfurt: Fischer 2008. 655 S. Br. 14,95.

Klimawandel, Ressourcenverknappung, Naturzerstörung und eine immer weiter wachsende globale Asymmetrie zwischen den reichen Industrieländern des Nordens und den ärmsten bis armen Ländern des Südens: Sie bilden — zusammen mit dem immer kleiner werdenden Zeitfenster für Korrekturen — den Hintergrund der vorliegenden Studie. Nach der Vorgängerstudie „Zukunftsfähiges Deutschland — Ein Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung" (1996), damals herausgegeben vom BUND und von Misereor, geht es Herausgebern wie Autoren um den „Anstoß für eine breite gesellschaftliche Diskussion, die der historischen Dimension der Herausforderung ... gerecht wird", und so um den als dringend notwendig erachteten Kurswechsel.

Die Studie gliedert sich in sechs Teile mit insgesamt 21 Kapiteln, ergänzt um sogenannte „Zeitfenster 2022", die in fiktiven Miniaturszenarien aus dem Jahr 2022 Erfolgsgeschichten eines radikalen Kurswechsels in Richtung Nachhaltigkeit — definiert als „Wirtschaften innerhalb ökologischer und menschenrechtlicher Leitplanken" — erzählen.

Kapitel 1-4 beschreiben die „Ausgangslagen", charakterisiert im Wesentlichen durch obige Stichworte. Kapitel 5 und 6 ziehen „Bilanzen", überprüfen also die Umsetzung der Ziele der Vorgängerstudie, mit dem Ergebnis, daß es zwar punktuelle Verbesserungen gab, die eigentlich geforderte Radikalität und Geschwindigkeit des Umsteuerns aber nach wie vor fehlen. Die Kapitel 7-10 entwerfen in vier „Leitbildern" die zentralen Wegmarken einer zukunftsfähigen Welt: Notwendige Ziele dabei sind einerseits die tatsächliche Geltung der Menschenrechte sowie gerechte soziale Partizipationsmöglichkeiten für alle Bürger dieser Welt, sowie andererseits das Erreichen „ökologischen Wohlstands" mittels Dematerialisierung (Effizienz), Naturverträglichkeit (Konsistenz) und Selbstbegrenzung (Suffizienz) inklusive eines ganzheitlichen Blicks auf Wirtschaftsprozesse.

Die Kapitel 11-15 verschreiben sich dem „Kurswechsel in Deutschland und Europa" — bestimmt unter anderem vom Übergang des „fossil-zentralen" zum „solar-vernetzten" Zeitalter, gesteigerter Ressourceneffizienz, dem Primat der Politik, sowie dem Übergang von der Arbeits- zur Tätigkeitsgesellschaft. Der fünfte Teil, „Übereinkünfte global", thematisiert in den Kapiteln 16-18 die weltweite Dimension der zu lösenden Umwelt- und Gerechtigkeitsprobleme. Im abschließenden sechsten Teil steht in den Kapiteln 19 und 20 das „Engagement vor Ort" im Fokus mit den beiden Blickrichtungen: Einflußmöglichkeiten der Zivilgesellschaft auf der kommunalen Ebene sowie Po-

 


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tentiale privat-individueller Lebensstiländerungen. Das Schlußkapitel faßt in einem „Ausblick" nochmals die wesentlichen Voraussetzungen von Zukunftsfähigkeit zusammen: Avisiert wird ein neuer Gesellschaftsvertrag, „der nicht mehr nur das Verhältnis zwischen den Bürgern, sondern das Verhältnis zwischen Menschheit und Natur — und dies in globaler Perspektive" — befriedet.

Die Studie versammelt in allgemein verständlicher Sprache viele der Themen, die in der aktuellen umwelt-, sozial-, wirtschafts- und entwicklungspolitischen Diskussion verhandelt werden. Sie bietet damit, gerade auch infolge des Zusammenführens unterschiedlichster Diskussionsstränge, eine ungeheure Fülle an Denkanstößen und konkreten Handlungsmöglichkeiten — dies ist Stärke wie Schwäche zugleich: Mit ca. 600 Seiten Text ist die Studie für den „Normalleser" zu lang, der Komplexität der Themen und ihrer engen Verwobenheit untereinander korreliert zudem mancherorts die Struktur der Darstellung. Hinzu kommt: Im Vergleich zu den Abschnitten über die ökosozialen Umbaustrategien in den Industrieländern bleiben die entwicklungspolitischen Kapitel blaß; sie sind überdies geprägt von einem durchgängig eurozentrischen Blick (nur ein Beispiel: die Behandlung des Themas Landwirtschaft). Darüber hinaus hätte man sich bisweilen eine präzisere Benennung der Adressaten so mancher Forderung wie auch der jeweiligen Akteure des geforderten Kurswechsels gewünscht.

Die Vorgängerstudie „Zukunftsfähiges Deutschland I" konnte aufgrund ihrer methodischen Innovationen (z.B. der Einführung des sogenannten Umweltraums als quantitativ erfaßbarer Maßeinheit für Umweltverbräuche) sowie ihrer sprachmächtigen Leitbilder (u. a. „gut leben statt viel haben") die deutsche Nachhaltigkeitsdiskussion auf Jahre entscheidend prägen. Zwölf Jahre später liegt die Herausforderung darin, endlich vom Wissen zum Tun zu gelangen. „Zukunftsfähiges Deutschland II" leistet die hierfür notwendige systematische Zusammenführung vorhandener Vorbilder, Modelle und Lösungsvorschläge.

Mattias Kiefer

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    PHILIPP, Thorsten: Grünzonen einer Lerngemeinschaft. Umweltschutz als Handlungs-, Wirkungs- und Erfahrungsort der Kirche. München: oekom 2009. 233 S. (Hochschulschriften zur Nachhaltigkeit. 48.) Br. 39,90.

Der Titel der politikwissenschaftlichen und theologischen Analyse zur Annäherung der katholischen Kirche an ökologische Themen ist vielschichtig: „Grünzonen" läßt sich sowohl als Kürzel für ökologische Inhalte als auch für eine positive Bilanz der spannungsreichen Lernprozesse deuten. Angesichts des dreifachen Anspruchs von „Umweltschutz als Handlungs-, Wirkungs- und Erfahrungsort der Kirche" werden jedoch auch deutliche Defizite benannt.

Die 2008 an der Ludwig-Maximilians-Universität München als Dissertation angenommene Arbeit ist in fünf Kapitel gegliedert. Nach einer Einführung in Fragestellung und Vorgehensweise widmet sich das erste Kapitel der „Katholischen Sozialethik im polyzentralen Politikprozeß", wodurch eine theologische und politikwissenschaftliche „Ortsbestimmung der Kirche" geleistet wird. Es folgt eine Thematisierung der „ökologischen Krise als Signum der Gegenwart: Globale Komponenten der Umweltzerstörung". Unter dem Titel „Anthropologische Dimensionen der ökologischen Frage" werden ihre Wahrnehmung als Krise, Gerechtigkeitskonflikte sowie damit verbundene theologische Erfahrungen analysiert.

 


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Im Kapitel „Die katholische Sozialverkündigung: Ansätze einer ökologischen Erweiterung" wird eine umfassende, repräsentative und weltweit ausgerichtete Darstellung der lehramtlichen Stellungnahmen zu Umweltfragen geboten, was in dieser Weise bislang noch nicht vorlag. Sie beginnt mit der Ebene des päpstlichen Lehramts, fährt fort mit Verlautbarungen der Deutschen Bischofskonferenz sowie ökumenischen Texten des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und bringt abschließend ausgewählte Verlautbarungen auf weltkirchlicher Ebene zur Sprache. Das Schlußkapitel zieht Bilanz zu den Lernprozessen ökologischer Sozialethik anhand der christlichen Sozialprinzipien Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit.

Die Studie bearbeitet ein breites Spektrum an Themen und aktueller Literatur, wobei der Text nur selten ausufert. Der Argumentationsaufbau ist stimmig und verständlich. Die Gedankenführung wird durch eine stringente methodische Reflexion im ersten Kapitel sowie durch aussagekräftige Kapitelüberschriften verdeutlicht. Besonders hervorzuheben ist das Quellenstudium sowohl hinsichtlich der Auswahl als auch hinsichtlich der prägnanten Interpretation umweltethischer Aussagen in lehramtlichen Stellungnahmen.

Die Studie geht auch theologisch in die Tiefe — zum Beispiel beim Kirchenbegriff. Sie wendet sozialwissenschaftliche Analysen innovativ auf ethische Themen und kirchliche Strukturen an. Die nach keiner Seite hin aufgelöste und gut durchgehaltene Spannung zwischen Innen- und Außenperspektive, zwischen den hohen Ansprüchen und Erwartungen an die Kirche, die sich aus ihrem Selbstverständnis ergeben, und einer nüchternen Analyse ihrer Kompetenzen und der Wirkung ihrer Stellungnahmen verleiht dem Buch ein besonderes Profil.

Indem der Zugang katholischer Soziallehre zu ökologischen Fragen im Eigentumsbegriff und dem Theorem seiner Sozialpflichtigkeit sowie in den Analysen zur Ambivalenz des Fortschritts und dem Theorem der ganzheitlich-integralen Entwicklung verortet wird, gewinnt der Autor einen im Zentrum der Soziallehre fundierten Blickwinkel. Gerade wegen seines Quellenstudiums ist das Buch von Philipp eine Fundgrube für weitere Auseinandersetzungen mit dem vielschichtigen Verhältnis zwischen Kirche und Umwelt.

Markus Vogt

 

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