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Klaus Müller {*}

Ein-Gott-Glaube in der Kritik

 

Aus: Christ in der Gegenwart, 7/2010 S. 77 f.

 

    Wer ist Gott? Was ist Gott? In der Spannung zwischen personalen und nichtpersonalen Gottesbildern sind viele Menschen heute ratlos. Aus philosophischer Sicht setzt sich der Münsteraner Professor Klaus Müller damit auseinander und begründet, warum die traditionelle Sicht des Ein-Gott-Glaubens einer Erweiterung bedarf, die das Verhältnis von Gott und Welt neu bestimmt. Seine Beiträge veröffentlichen wir in lockerer Folge.

 

In einem seiner "Sudelbücher" hat der Physiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg zwischen Anfang 1784 und Ende 1788 notiert: "Wenn die Welt noch eine unzählbare Zahl von Jahren steht, so wird die Universalreligion geläuterter Spinozismus sein. Sich selbst überlassene Vernunft führt auf nichts andres hinaus, und es ist unmöglich, dass sie auf etwas andres hinausführe." Mit "Spinozismus" ist ein religionsphilosophisches Denken über Gott gemeint, das auf den niederländischen Gelehrten Baruch Spinoza (1632-1677) zurückgeht. Der absolute Gott ist demnach jene Substanz, der allein Sein zukommt und ohne die nichts wahrhaft begriffen werden kann, so dass alles, was es gibt, notwendig in sie eingeschlossen sein muss.

Heute, zweieinviertel Jahrhunderte später, haben wir großflächige Verschiebungen im christlichen Bewusstsein festzustellen, die tief ins spirituell-großkirchliche Milieu hineinreichen und genau der Prophezeiung Lichtenbergs Recht geben. Treffliche Belege bietet etwa die Debatte über »Zen, Christentum und Gottesbilder", die durch Willigis Jäger angestoßen wurde und auf der Homepage des CIG dokumentiert ist (www.christ-in-der-gegenwart.de/archiv/archiv_html, dort Seite 2). Bemerkenswert ist ebenfalls, dass dort ein international bekannter Autor, David Steindl-Rast, Angehöriger der US-amerikanischen Benediktinerabtei Mount Saviour im Bundesstaat New York, den offenkundig werdenden Zusammenbruch des Theismus, also des Glaubens an einen personalen Gott, als einen durch nichts aufzuhaltenden Prozess geradezu begrüßt und christlich-theologisch untermauert.

 

Erfüllte Prophezeiung

Steindl-Rast wurde zu einer Artikelserie mit Antworten verschiedener Personen des öffentlichen Lebens vom CIG gefragt, was er am Christentum schätze. Er erklärte daraufhin, es sei die größte Leistung Jesu gewesen - ähnlich wie auf andere Weise Buddha vor ihm -, aus dem Bannkreis des Theismus ausgebrochen zu sein, weil er sich ausweislich seiner Art des Gebrauchs der Gottesanrede "Vater" als "mit Gottes eigenem Leben lebendig" erfahren habe (vgl. CIG Nr. 39/2003, S. 325f). Der Versuch, diese Teilhabe Jesu an Gottes Leben begrifflich wieder einzuholen oder (wie Steindl-Rast es formuliert) Jesu geistigen Durchbruch wie das Leck in einem Boot wieder zu stopfen - in Gestalt der frühkirchlichen Dogmenbildung -, habe trotz aller Anstrengung zu keinem überzeugenden Ergebnis geführt. Vielmehr stimmten die "Mystiker aller Zeiten und Traditionen ... darin überein, dass Gottheit im theistischen Sinn - der Gott oder die Göttin mit olympischem Eigendasein - reine Erfindung ist. Die theistische Gottheit steht nur eine Stufe höher als der Weihnachtsmann und ist das Produkt einer Verfangenheit in Konzepten". Komme jedoch scharfes Nachdenken über die christliche Gotteslehre mit der Glut persönlicher Gotteserfahrung zusammen, sei dem Umkippen in Gefühlsduselei gewehrt, zugleich das theistische Eis der Dogmen zum Schmelzen gebracht.

Steindl-Rast geht sogar so weit, die moralische Verantwortungslosigkeit, deren er die Gegenwart anklagt, dem Versagen des theistischen Gottesbildes als Folgelast zuzuschreiben und einen nichttheistischen Gottesgedanken im Sinn einer Gegenwart Gottes im ganzen Kosmos als Grundlage eines neuen, von Ehrfurcht und Verantwortung getragenen Ethos zu favorisieren. Allem anderen vorweg hätte ein solcher Gottesgedanke den Vorteil, von niemandem bewiesen und niemandem geglaubt werden zu müssen, weil jeder und jedem, die darauf hören, das eigene Herz von dieser Gottesgegenwart kündet.

In dem Buch "Fülle und Nichts" (Freiburg 1999) bringt Steindl-Rast dies begrifflich auf den Punkt: "Eine Transzendenz, die Gottes wert ist, muss so transzendent sein, dass sie unsere logischen Grenzen von Transzendenz transzendiert und deshalb völlig mit Gott vereinbar ist. Wäre es nicht anmaßend, dies zu verleugnen? Die Tatsache, dass ich nicht einfach Gott bin, bedarf kaum eines Beweises. Und doch, wie sagt Piet Hein (dänischer Mathematiker und Schriftsteller, 1905-1996, d. Red.): "Who am I / To deny / That, maybe, / God is me?" ("Wer bin ich schon, / (anmaßend) die Möglichkeit auszuschließen, / das (sic!) Gott vielleicht / mein Ich sein will?" [Übers. von Steindl-Rast, d. Red.]).

Dies ist alles starker theologischer Tobak für ein christliches Durchschnittsbewusstsein. Dazu passt auch, dass in einem angesehenen Theologie-Verlag die deutsche Übersetzung eines Buchs des in den Vereinigten Staaten prominenten ehemaligen anglikanischen Bischofs John S. Spong erschien, in dem dieser den flächendeckenden Zerfall des Theismus diagnostizierte und ihn für intellektuell wie theologisch am Ende und als moralisch bankrott erklärte ("Was sich im Christentum ändern muss. Ein Bischof nimmt Stellung", Düsseldorf 2004). Dies ist beileibe keine Einzelstimme, wie die Publikationen des evangelischen Theologen und Buchautors Klaus-Peter Jörns im deutschen Sprachraum belegen. Unter evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern erfreuen sich seine Bücher großer Beliebtheit, zum Beispiel "Notwendige Abschiede. Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum" (Gütersloh 2006).

Insofern kann eigentlich gar nicht mehr so wirklich überraschen, dass sich ähnliche Tendenzen auch außertheologisch in einer kulturkritischen Debatte geltend machen, die sich dann freilich - losgelöst von jeglicher theologischen Rücksicht und befeuert von Motiven aus noch anderen Quellen - bis zum wütenden antitheistischen Wortschwall steigern. So schrieb der britische Biologe und Zoologe Richard Dawkins, mittlerweile bekannt als Hassprediger eines militanten Atheismus, in der Zeitung "The Guardian" (15.9.2001): "Eine Welt mit Religion oder Religionen des abrahamitischen Typs zu füllen, ist, wie wenn man auf die Straßen geladene Waffen streute. Dann sollte man nicht überrascht sein, wenn sie auch benutzt werden." Die vier Tage zuvor von islamischen Terroristen zum Einsturz gebrachten Twin-Towers von New York boten Dawkins das ideale apokalyptische Szenario, durch das seine Polemik wie von selbst als bewahrheitet erscheinen konnte.

Der Gehalt der These, dass Monotheismen strukturell gewaltanfällig sind, ist dabei so neu wahrlich nicht. Darum lohnt es sich, zunächst etwas Rückschau zu halten, um ihre treibenden Motive in den Blick zu bekommen. Es stellt sich dann auch heraus, dass die Frage des Zusammenhangs von Gewalt und Gottesgedanke nur ein Teil eines weit größeren Problemnetzes darstellt: der Frage, ob denn in intellektueller Redlichkeit überhaupt noch von Gott zu sprechen ist, und wenn ja, in welcher Form. Erst von dieser Diagnosetiefe her kann dann auch eine angemessene Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen seriösen Monotheismuskritiken geführt werden, die etwa Jan Assmann und Peter Sloterdijk mit Rückgriff auf das Gewaltargument vortragen.

 

Leitstern Platon

Die Debatte hebt ziemlich genau datierbar an: Um die Mitte des 15. Jahrhunderts kommt es im abendländischen Denken erstmals zu so etwas wie einer ausgesprochen antitheistisch-antichristlichen Revolte. Ihr Vorreiter heißt Georgios Gemistos Plethon (1355-1451), ein byzantinischer Gelehrter, den spätere Biografen bisweilen als letzten alten Hellenen und ersten modernen Griechen bezeichnet haben. Er wurde einerseits häufig zur Teilnahme an Konzilien eingeladen und hatte unter seinen Schülern auch einen späteren Kardinal. Andererseits zog er sich in den Augen von Zeitgenossen den Ruf zu, ein antichristlicher, neuheidnischer Häretiker, also ein Ketzer, zu sein. Plethon war übrigens der philosophische Berater jenes byzantinischen Kaisers Manuel Paleologos II., den Papst Benedikt XVI. in seiner Regensburger Vorlesung 2006 zitiert hatte, die deswegen so viel Aufsehen erregt hat.

Plethons schlechter Ruf rührte daher, dass er einen Vergleich zwischen den antiken Denkern Aristoteles und Platon anstellte, der hoch umstritten war. Aristoteles brandmarkte er in Bausch und Bogen als zum Atheismus tendierenden und die Tradition verratenden Neuerer. Platon hingegen brachte er zu umso höheren Ehren. Dieser sei mit seiner ersichtlich religiös unterlegten Philosophie über die Vermittlung durch Pythagoras und der sogenann-

 


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ten Chaldäischen Orakel der heiligen Weisheit Zarathustras gefolgt, die ihrerseits nicht einfach von diesem stamme, sondern so alt wie die Welt selbst sei. Zarathustra ist ein geschichtlich nur schwer zu fassender, aber mythisch umso lebendigerer Religionsstifter aus dem ostiranischen Raum, dessen Geburt irgendwo zwischen dem 10. und 6. vorchristlichen Jahrhundert angesetzt wird. Sein Denken ist durch einen stark vom Kampf zwischen Gut und Böse geprägten Ein-Gott-Glauben gekennzeichnet.

Damit war der Anspruch der Kirchenväter zurückgewiesen, Platon sei bei Mose in die Schule gegangen. Vielmehr wird statt des biblischen Mittlers der göttlichen Gebote Zarathustra als größter und ältester Lehrer und Gesetzgeber der Menschheit gefeiert. Wenn auch Plethon offenkundig keine unmittelbare Breitenwirkung suchte, errichtete er doch so etwas wie eine intellektuell anspruchsvolle Reformreligion. Diese sah einen eigenen Kalender vor, kannte ein zoroastrisches Glaubensbekenntnis und einen besonderen Kult. Das Ganze trug polytheistische Züge, die freilich durch ein bilderreich-allegorisches Verständnis in den Horizont einer kosmischen Einheit von Menschenwelt und Götterwelt eingebettet sind.

Das Werk Plethons enthält markante Bezüge zu politischen Interessen. Er wollte die Unterschiede zwischen Christentum und Heidentum dadurch beseitigen, dass er beide auf eine uralte religiöse Weisheit vor dieser Unterscheidung zurückführte, mit dem Ziel, die konfessionelle Spaltung zwischen Ost- und Westkirche zu überwinden und zugleich die Spannungen zwischen Christentum und Islam aufzulösen. Der erfahrene Glaubwürdigkeitsverlust durch Glaubensspaltungen und Religionskonflikte ließ Plethon das existierende Christentum als eine fehlgehende - und darum aufzuhebende - Interpretation der "Theologia prisca", der unvordenklichen Theologie, auffassen. Deren Mitte bildet das Mysterium der All-Einheit, also ein das Göttliche und die Welt umgreifender Kosmotheismus - und das Christentum verriet offenkundig diese Einheit von allem.

Mit welchem Anspruch diese Kritik geschah, dokumentiert die mehrfach glaubwürdig überlieferte Überzeugung Plethons, binnen einiger Jahre werde alle Welt "mit einem Geiste und einer Predigt ein und dieselbe Religion annehmen. Auf die Frage, ob diese Religion das Christentum oder der Islam sein werde, habe Plethon geantwortet: ,Keine der beiden, sondern eine, die nicht vom Heidentum abweiche'" (zitiert nach Michael Stausberg, "Faszination Zarathustra", 2 Bde., Berlin 1998).

 

Faszination "Ägypten"

Gemäß einer legendarischen Gedächtnisspur hatte der Humanist Cosimo de' Medici (1389-1464) anlässlich des Florentiner Konzils 1439 Vorlesungen Plethons über die platonischen Mysterien gehört und daraufhin die Wiedergründung der Akademie in Florenz als neuem Athen ins Auge gefasst. Ein paar Jahrzehnte später geschah das in faktisch sehr bescheidener Form: der Übersetzung und intensiven Diskussion eines Platon-Kodex. Aber es geschah wirklich - und der führende Kopf war der Platon-Übersetzer und -Interpret Marsilio Ficino (1433-1499). Mit seinen mehr als siebzig einschlägigen Verweisen auf Zarathustra muss man ihn als Begründer der neuzeitlichen westlichen Vermittlung der Lehren Zarathustras bezeichnen.

Ficino bildet den Anfang eines religiös-philosophischen wie religionsphilosophischen Stromes neuzeitlichen Denkens, der - um einige wenige Namen hervorzuheben - über Giovanni Pico della Mirandola, Gianbattista Vico, Giordano Bruno, Pierre Bayle, Gottfried Wilhelm Leibniz, Voltaire bis zu Friedrich Nietzsches "Zarathustra" reicht und auch dort nicht endet. Immer geht es bei diesen Verweisen auf Zarathustra um die Rücknahme von Differenz und Vielheit in eine vorgängige Einheit.

Das aber ist keineswegs die einzige religionsphilosophische und theologische Wirkung, die bei Marsilio Ficino ihren Ausgang nimmt. Zwei weitere kommen hinzu, eine strukturelle und eine materiale, die aber so eng ineinander verfugt sind, dass sie sich nur gleichzeitig thematisieren lassen.

Die strukturelle Wirkung ergibt sich daraus, dass Ficinio, unbeschadet der "Theologia prisca", also der unvordenklichen Theologie, das von Plethon verstärkte Argumentationsgefälle sozusagen um 180 Grad dreht: War es dem Byzantiner um eine Wiedereingliederung der jüdisch-christlichen Tradition in eine heidnische Theologie gegangen, so versteht Ficino alles einschlägige Vor- und Außerchristliche als Vorwegnahme der christlichen Theologie, die ihm als Vollendung aller wahren Gottrede gilt. Das hatte unter anderem zur Folge, dass Ficino zeitweise in der Kirche Santa Maria degli Angeli zu Florenz Platonvorlesungen im Gewand christlicher Predigten hielt (was durchaus dem platonischen Selbstverständnis entspricht, dass Philosophie wesentlich "Epopteia" sei, Einweihung in die Schau des Mysteriums).

Damit tritt man bereits in die materiale Dimension dieser strukturellen Weichenstellung ein. Marsilio Ficino muss als der Vermittler schlechthin gelten, der Platon und das Denken der an ihm orientierten Traditionen in die Neuzeit übertrug. Im Zuge dieses Projekts übersetzte er, noch bevor er sich platonischen Texten widmete, Teile des sogenannten Corpus Hermeticum. Er brachte damit die geheimnisvolle Gestalt des Hermes Trismegistos ("dreimal größter Hermes") ins Spiel, auch dies eine eher mythische Figur und Verkörperung uralter Gottesweisheit. Dieser Hermes, den auch Nikolaus von Kues (1401-1464), Philosoph, Theologe und Kardinal an der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit, als hochkarätige Autorität anerkennt, gehörte für Ficino nicht nur auf komplexe Weise in das Fortwirken der Tradition von Zarathustra zu Platon hinein, sondern - aufregender noch: Hermes galt ihm zugleich als jüngerer Zeitgenosse des Mose beziehungsweise als mit Mose selbst identisch. An anderer Stelle schließt er sich sogar dem berühmten Wort des Platonikers Numenios von Apamea aus dem zweiten christlichen Jahrhundert an, bei Platon handle es sich um nichts anderes als einen "Moyses atticus", also einen Mose, der mit griechischer Stimme spreche.

Immer geht es darum, dass die vorchristlich-philosophische Weisheit und die biblische Tradition im Grund eins sind. Eine solche Verflüssigung personaler Identitäten ergibt sich nicht aus oberflächlicher, zufälliger gedanklicher Verknüpfung. Vielmehr bringt sich darin das Eigentliche vormoderner Psychologie zum Ausdruck. Diese begegnet auch in den Evangelien, wenn Jesus die Jünger fragt, für wen man ihn denn hielte, und darauf die Antwort bekommt: die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen der Propheten (vgl. Mt 16,13-14 und Parallelen).

Nicht individuelle Originalität ist entscheidend für die Bedeutung einer Gestalt, sondern wie sie sich mit anderen Großen in einen fortwährenden Strom der Gedanken einfügt - und dies entspricht ganz dem "Integrationsprogramm", an dem Ficino sehr gelegen ist. Immer mit dabei ist das Motiv "Mose in Ägypten", das alttestamentlich breit beschrieben ist und neutestamentlich in der Apostelgeschichte (7,22) bestätigt wird: Dieser Mose wurde " in aller Weisheit der Ägypter" unterrichtet. Das Motiv wird umspielt und fortgesponnen bis in Sigmund Freuds rätselhaftes letztes Buch "Der Mann Moses" hinein und dann wieder bei Thomas Mann in seiner grandiosen Roman-Tetralogie "Joseph und seine Brüder".

 

Ist alles eins?

Nimmt man das alles zusammen - unter Ausblendung von noch vielem mehr -, dann liegt auf der Hand: Hier ballt sich atmosphärisch der Stoff zusammen, aus dem die Frage entstehen muss und wird: Wie gehören denn jenes All-Eine der ägyptischen Mysterien hinter den Bildern und Hieroglyphen und der einzige Gott der Zehn Gebote, von dem selbst ein Mose nur den Rücken sehen darf (vgl. Ex 33,23) und der allen Bildern entzogen ist - wie gehören die zusammen? Ist das Eine vom Anderen abhängig oder umgekehrt? Oder sind sie gar eins?

Das Zeichen "Ägypten" steht für das große "Fascinosum", das Anziehende, das die Bibel sehr handfest und darum, für viele Gebildete bis heute, höchst aufklärungsbedürftig als personales Wesen umschreibt. Der religiös-metaphysische Sprengstoff, der sich da ansammelt, explodiert 1785 durch eine Bagatelle: Es geht um den sogenannten Pantheismusstreit, in dem darum gestritten wurde, ob das absolute Sein Gottes mit der Welt identisch sei. Dieser Streit war ein erster Akt einer ganzen Serie von philosophisch-theologischen Konflikten, deren seismische Wellen die Verlaufslinien religions- und kulturkritischer Debatten bis heute bestimmen. (Weitere Beiträge folgen.)

 

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