Hilfreiche Texte

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Friedrich Weber {*}

Heilen der Erinnerung

 

Aus der Wochenzeitschrift
CHRIST IN DER GEGENWART, 3/2013 S. 33 f.
Freiburg i. Br., www.christ-in-der-gegenwart.de

 

    Anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen dokumentieren wir einen Vortrag des Bischofs der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig.

 

Papst Benedikt XVI. hatte während seines Besuches in Deutschland 2011 von der Entweltlichung der Kirche gesprochen, die in einem Gegenüber zur Verweltlichung stehe. Ich denke, dass die Kirche insofern entweltlicht sein muss, als sie ganz auf Jesus Christus hinweist. Zugleich muss sie sich aber verweltlichen, um diese Christusnachfolge in die Welt hineinzutragen und sie dort ganz praktisch werden zu lassen. Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit, das ist die Anstrengung, die derzeit von allen Kirchen zu gestalten und auszuhalten ist. Einerseits die weitere Förderung des bisher bewährten, traditionellen Bildes von Kirche und Gemeinde und andererseits die Entwicklung neuer Initiativen und deren Unterstützung, die auf die Säkularisierung und deren Folgen mit ganz neuen Modellen kirchlichen Lebens reagieren.

Man kann die ökumenische Situation zwischen evangelischer und katholischer Kirche so beschreiben wie das berühmte Glas, das entweder halb voll oder halb leer ist. Die Urteile sind unterschiedlich: Je nachdem, welchen Standpunkt man einnimmt, je nachdem, wie intensiv man an ökumenischen Prozessen beteiligt ist, je nachdem, ob man in einer konfessionsverschiedenen Ehe lebt und seit Jahrzehnten darauf wartet, dass man endlich gemeinsam zur eucharistischen Feier eingeladen wird ...

Während die einen im Hinblick auf die Ökumene von Eiszeit reden, meinen andere - und ich zähle zu diesen -, dass es jetzt Zeit ist, das Erreichte zu bewähren und geduldig alles das zu tun, was jetzt schon möglich ist. Dies setzt natürlich auch ökumenewillige Pfarrer und Gremien voraus, die genau dies fördern. Eine Gleichgültigkeit in diesem Kontext darf es nicht mehr geben. Das gemeinsame Zeugnis wird von den Christen erwartet.

 

Ist Luther gescheitert?

Es geht immer auch um Sprache, ob wir uns verstehen oder missverstehen. Dies wird auch spürbar, wenn über die Bedeutung der Reformation und des Reformationsjubiläums im Jahre 2017 nachgedacht und diskutiert wird.

Einige sprechen davon, dass der Leib Christi aus vielen Wunden blutet, und damit ist die Spaltung, die ja in der Tat ein Skandal ist, gemeint. Und weil eine vollkommene, sichtbare Einheit, um die wir uns bemühen, noch nicht in Sicht ist, wird argumentiert, dass man das Auseinanderbrechen der Kirchen nicht feiern könne.

Auch hier geht es aber um Sprache, es geht um Bilder, die wir gebrauchen. Ist die Reformation wirklich gescheitert, wie der Präsident des Einheitsrates der römisch- katholischen Weltkirche, Kardinal Kurt Koch, im Augenblick nicht müde wird zu betonen, indem er sich auf den evangelischen Theologieprofessor Wolfhart Pannenberg bezieht? Wörtlich sagte Koch im November 2012: "Martin Luther hat sehr viel Positives gebracht. Er war ein leidenschaftlicher Gottsucher und ganz von Christus angetan. Aber Martin Luther wollte keine Spaltung. Er wollte die Erneuerung der ganzen Kirche. Und dann müssen wir einfach sagen, das ist ihm nicht gelungen. In dem Sinne sagt ja auch der evangelische und ökumenische Theologe Pannenberg, dass die Reformation gescheitert ist. Das Ergebnis dieses Scheiterns ist, dass es im 16. und 17. Jahrhundert blutige Konfessionskriege gab. Nun, dieses positive Anliegen Luthers und diese schrecklichen Konsequenzen unter den einen Hut des Feierns zu bringen, das ist einfach zu schwierig."

 

Reformation 2017

Dann aber nimmt Koch ein Stichwort auf, das auch in der evangelischen Diskussion zur ökumenischen Gestaltung des Reformationsjubiläums eine Rolle spielt, nämlich das des "Heilens der Erinnerungen". Er meint, es könnte doch gut sein, dass man die Wunden heilen solle, und er erläutert dann, wie das konkret aussehen könnte: "Das könnte - so sind jedenfalls die Überlegungen des Rates (Vollversammlung des Einheitsrates) - in einem gemeinsamen Bußgottesdienst geschehen. Gemeinsam können wir dort unsere Schuld bekennen. Denn, dass es nicht zur Erneuerung kam, wie es die Reformation wollte, ist eine Schuld von beiden Seiten. Dafür gibt es theologische sowie politische Gründe. Das zu benennen und einander um Vergebung zu bitten, das würde ich für eine ganz gute Geste halten."

Wie kann das für unsere evangelische Kirche wichtige Reformationsjubiläum so gestaltet werden, dass es weder zur triumphalistischen Geste noch zu einer miesepetrigen Veranstaltung im Winkel wird, die nur von dem Gedanken der Buße überschattet sein sollte, und wie kann es ökumenisch bedeutsam werden? Wir Evangelischen sind durchaus der Meinung, dass wir dank des Wirkens Martin Luthers einen großen Anlass zum Feiern haben, wobei dieses Feiern allerdings nicht museal und historisierend sein soll. Der Anlass zum Feiern ist, dass sich aus der Reformation ein Modell von Kirchen entwickelt hat, in dem die Bedeutung des Einzelnen, der Freiheitsgedanke, in dem auch die Relativität kirchlicher Institutionen zum Ausdruck kommt und damit eine neuzeitlich gestaltbare und lebbare Form gefunden ist. Das wird auch im Jahre 2017 Anlass und Grund zur fröhlichen Feier sein.

Ungeachtet der katholischerseits geäußerten Vorbehalte gibt es ein Signal aus Magdeburg. Bischof Gerhard Feige hatte zum Reformationsfest 2012 formuliert: "Es geht uns um die Christusgemäßheit unseres Zeugnisses." Also nicht darum, dass wir in irgendeiner Weise die Welt erklären und deuten und zu allem, was so geschieht, noch unseren religiösen, mitunter abgestandenen Senf dazugeben, sondern es geht darum, dass sich evangelische und katholische Christen gemeinsam darauf besinnen, dass in Christus der Grund der Kirche und die Heilsbotschaft für Menschen in dieser Zeit und in dieser Welt gegeben sind. Und deswegen, sagt der Ökumene-Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz, ist es nötig, dass sich beide Kirchen in einem Erneuerungsprozess dieser Christusbotschaft ganz intensiv wieder zuwenden. Feige führt aus, wenn es um diesen Aspekt geht, der ja auch für Martin Luther der entscheidende gewesen ist, die Rückkehr zum Zeugnis von Jesus Christus, dann könne er sich gut vorstellen, dass man zur gemeinsamen Feier kommt.

Auch Papst Benedikt hat festgestellt, dass zum Anlass des Jahres 2017 Lutheraner und Katholiken sicher die Möglichkeit haben werden, ein gemeinsames ökumenisches Gedenken zu begehen und auch weltweit um die Grundfragen zu ringen, nicht in Form einer triumphalistischen Feier, sondern "im gemeinsamen Bekenntnis zum dreifaltigen Gott, im gemeinsamen Gehorsam gegen unseren Herrn und sein Wort. Dabei müssen das gemeinsame Gebet und das innige Bitten an unseren Herrn Jesus Christus um Vergebung für das einander angetane Unrecht und für die Schuld an den Spaltungen einen wichtigen Platz einnehmen. Zu dieser Reinigung des Gewissens gehört auch der gegenseitige Austausch darüber, wie wir die 1500 Jahre bewerten, die der Reformation vorausgegangen und deshalb uns gemeinsam sind."

 

Die 1500 Jahre vor 1517

Die Frage, ob sich die Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, in einer bleibenden Kontinuität mit den vorangehenden 1500 Jahren sehen, ist leicht zu beantworten, nämlich mit: Ja! Kardinal Koch meint, dass von der Klärung dieser Frage "die weitere Zukunft des ökumenischen Dialogs" abhänge. Die 1500 Jahre, die vor dem Jahre 1517 liegen, sind natürlich auch Geschichte und Vorgeschichte der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen. Manche sagen sogar, die evangelische Kirche sei die aus der Reformation hervorgegangene gereinigte und geläuterte katholische Kirche. Deutlich ist geworden, dass das Reformationsjubiläum 2017 anders gefeiert werden muss, als die Feierlichkeiten es zeigen, die bisher im Jahrhundert-Rhythmus stattgefunden haben. Denn zu einer Heroisierung taugt Luther heute nicht mehr und hat er nie getaugt. Das heißt, es werden dunkle Seiten Luthers aufgeworfen werden, dazu gehört zum Beispiel sein Verhältnis zu den Juden.

Interessant fände ich es, wenn es zu einer Art "Rehabilitation" Luthers seitens der katholischen Kirche im Kontext der Reformationsdekade kommen würde. Es wäre dazu nötig, dass eine Zusammenstellung dessen formuliert würde, was die römisch- katholische Kirche beispielsweise direkt oder indirekt an Reformimpulsen Martin Luther und der Reformation verdankt. Das heißt, es müsste eine Neubewertung des Konzils von Trient vorgenommen und untersucht werden. Auch wäre es hochinteressant zu klären, ob das Zweite Vatikanum Einsichten und Erkenntnisse formuliert hat, die es ohne die Existenz und den Dialog mit den Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, nicht gegeben hätte. Evangelischerseits wäre es nötig, in einem solchen Prozess das zu bedenken, was während und infolge der Reformation an wichtigen theologischen, spirituellen und kulturellen Aspekten verloren ging, die in der katholischen Tradition bewahrt geblieben sind. Ich könnte mir vorstellen, dass in Fragen der Bewertung Marias, der Heiligen, aber auch bestimmter spiritueller Praxis und meditativer Wege ein wichtiger Lernprozess in Gang gesetzt werden könnte.

Das Reformationsjubiläum wird zur Identitätsbildung und zu einer deutlichen Rückbesinnung auf das, was evangelischer Glaube war und was er für unsere heutige Zeit bedeutet, beitragen. Es geht um Selbstvergewisserung in unserer Zeit. "Ein Reformationsjubiläum ohne evangelische Einkehr bliebe ein bitterkaltes Ereignis, für das es keiner besonderen Hinführung bedarf. Die eigentliche Botschaft dieser Lutherdekade wäre es aber, daran zu erinnern, aus welchem Glauben und aus welchem Gottesverständnis heraus vor 500 Jahren der Prozess der Selbstaufklärung Europas begann. Es geht um die Präsenz dieser Reformation und nicht um ihre bloße Geschichte", erklärte etwa der Hörfunkdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks, Johann Michael Müller.

 

Leuenberg

Im Kontext dieser Überlegungen taucht immer wieder die Frage auf, ob denn der Papst der Sprecher der Christenheit sein könne. Das heißt, es geht um ein Verständnis des Petrusdienstes des römischen Bischofs, das es den nichtrömischen Kirchen vorstellbar sein lassen könnte, mit der Kirche Roms Kirchengemeinschaft in Wort und Sakrament zu schließen. Der katholische Theologe Otto Hermann Pesch hat hierzu bereits vor Jahren ausgeführt, dass die Forderung nach einer Abschaffung des Papstamtes seitens der nichtreformatorischen Kirchen, welches als das wesentliche Hindernis für eine Kircheneinheit gesehen werde, schlichtweg unrealistisch sei. Das wäre, so Pesch, Anschlussökumene statt Rückkehrökumene.

Pesch meint dagegen, dass der Papst verbindlich erklären müsse, für den Fall einer neuen Kirchengemeinschaft in keiner Weise eine Jurisdiktion über die sich zusammenschließenden Kirchen zu beanspruchen. Er könnte eher so etwas wie einen Ehrenprimat ausüben.

Nun ist es faktisch sicher so, dass der Papst immer wieder einmal, ohne dass er hierzu das Mandat hätte, zum Sprecher der Christenheit wird. Wir haben dies in besonders eindrucksvoller Weise zu Beginn des Irakkrieges erlebt, dass seine Stimme gehört und er in Person identifiziert und den christlichen Kirchen zugeordnet wird. Aber dies ist kein Mandat, das ihm von den christlichen Kirchen zugeeignet wird, sondern eine mediale Wirklichkeit.

Kardinal Koch hat zu Recht während der stark ökumenisch ausgerichteten Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier im Frühjahr 2012 gesagt: "Während von nicht wenigen aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften die ökumenische Einheit bereits in der gegenseitigen Anerkennung der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften gesehen wird, hält demgegenüber die katholische Kirche zusammen mit den orthodoxen Kirchen an der ursprünglichen ökumenischen Zielvorstellung einer sichtbaren Einheit im gemeinsamen Glauben, in den Sakramenten und in den kirchlichen Ämtern fest."

Ist diese Anfrage begründet, und wie lässt sich aus evangelischer Sicht reagieren? Eine entscheidende Reaktion auf die römisch-katholische Anfrage ist das protestantische Ökumenemodell der Leuenberger Kirchengemeinschaft, die heute unter dem Titel Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa wirkt und arbeitet. Nach der Einschätzung der Protestanten überwindet dieses Modell Gegensätze, die die evangelische Christenheit und ihre Kirchen viele Jahre lang bestimmt haben ...

In der Präambel der Leuenberger Kirchengemeinschaft wird festgehalten: "Nach reformatorischer Einsicht ist ... zur wahren Einheit der Kirche die Übereinstimmung in der rechten Lehre des Evangeliums und in der rechten Verwaltung der Sakramente notwendig und ausreichend." Die Gemeinschaft hat das Modell der Einheit in versöhnter Verschiedenheit entwickelt. Die Versöhnung der Verschiedenheiten zwischen den reformatorischen Kirchen geschah in theologischen Lehrgesprächen, die sich in Konsenstexten niederschlugen. Es gilt der Grundsatz, die je gemeinte Einheit bedeutet Einigkeit im Bekenntnis des Glaubens, Gemeinsamkeit in der Eucharistie, Anerkennung des kirchlichen Amtes, Gemeinschaft im Gottesdienst, gemeinsames Zeugnis und gemeinsamer Dienst an allen Menschen, auch die Fähigkeit, gemeinsam zu sprechen und zu handeln, wo das gefordert ist.

Das sind die bestimmenden Merkmale sichtbarer Einheit der Kirche, auch einer Einheit in versöhnter Verschiedenheit. Eine Kirche kann und darf der anderen Kirche das Kirchesein nicht absprechen, ohne dass hierüber allergrößter Schaden, Misstrauen und Respektlosigkeit im Umgang miteinander entstehen.

Für das Jahr 2015 gibt es die Idee eines ökumenischen Bibelkongresses. Die Bibel soll hier ins Gespräch mit der Gegenwart gebracht werden, und auch sollen Künstler in besonderer Weise angesprochen werden.

Des Weiteren ist zu würdigen, dass es zu einer Einladung der katholischen Ortsbischöfe aus Anlass des fünfzigsten Jahrestages der Verabschiedung des Konzils-Ökumenismusdekrets "Unitatis redintegratio" an die jeweils entsprechenden Leitenden Geistlichen der evangelischen Kirche und an die evangelischen Gläubigen insgesamt zu einem ökumenischen Gottesdienst in der jeweiligen Kathedralkirche kommen soll.

Noch immer sind wir bei der Eucharistie getrennt, obwohl wir uns im theologischen Verständnis des Abendmahls ganz nahe sind. So wird im Augenblick intensiv über eine gemeinsame Erklärung zum Abendmahl nachgedacht. Katholischerseits ist eine Einladung zur Eucharistie an Nichtkatholiken nur denkbar, wenn diese aus vollem Herzen dem, was sich ekklesiologisch im Abendmahl darstellt, mit ihrem Ja zustimmen. Aber wäre es theologisch nicht auch vorstellbar, das Abendmahl stärker im Sinne Jesu als Zeichen der Aufnahme des Sünders in die Gemeinschaft mit Gott zu verstehen, ohne dabei auszuschließen, dass die Kirchengemeinschaft noch nicht voll erreicht ist.

Der Theologe Peter Neuner hat auf dem Ökumenischen Kirchentag in München 2010 ausgeführt, dass die bleibende Konfessionsverschiedenheit von der Sakramentalität der Ehe zwischen Getauften, die Hauskirche lebten, umfangen ist. "Diese Hauskirche verlangt nach der Sichtbarmachung auch im Zeichen des Herrenmahls, denn ohne Eucharistie kann Kirche nicht sein." Dieses würde bedeuten, dass durch eine christlich gelebte konfessionsverbindende Ehe die Eheleute jeweils in eine geistliche Gemeinschaft in der Kirche ihres Partners kämen, die den Ausschluss vom Herrenmahl als nicht mehr berechtigt erscheinen ließe.

 

Magdeburg

2007 wurde die Magdeburger Erklärung zur Taufe von der katholischen und evangelischen Kirche unterzeichnet. Sie erkennen die in den anderen Kirchen mit Wasser im Namen des dreieinigen Gottes vollzogenen Taufen als gültig an. Diese Erklärung zur Anerkennung der Taufe macht deutlich, dass die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen im Heilshandeln Gottes in Jesus Christus gründet.

Der entscheidende Hinweis findet sich im ersten Absatz der Erklärung: "Wer dieses Sakrament empfängt und im Glauben Gottes Liebe bejaht, wird mit Christus und zugleich mit seinem Volk aller Zeiten und Orte vereint." Die Taufe ist also nicht nur ein ganz persönliches Geschehen, sondern sie gliedert den Getauften ein in eine umfassende Gemeinschaft, die nicht durch Raum und Zeit begrenzt ist. Die Einheit dieser Gemeinschaft hängt also nicht vom Willen der Glieder oder von der Qualität ihrer Beziehung ab. Sie gründet im Handeln Gottes, im Kreuz und in der Auferstehung Jesu Christi. Der eine Leib Christi wird zum Ursprung des einen Leibs der Kirche. Daher kann man die Taufe als das "grundlegende Band der Einheit" bezeichnen.

Auch in Zeiten konfessioneller Identitätsbildungen muss man dem schon Erreichten neue Aufmerksamkeit schenken und grundsätzlich davon ausgehen, dass keine Kirche ohne die andere Kirche wirklich Kirche Jesu Christi sein kann. Die schon jetzt wichtige geistliche Ökumene muss fortgeführt werden in gemeinsamen Gottesdiensten, in Wortgottesdiensten, zu denen auch katholische Christen von den evangelischen Gemeinden gern eingeladen werden, umgekehrt nehmen wir diese Einladung auch gern an.

Das Glas ist halb voll, ja mehr als das: Lassen wir nicht nach im eigenen ökumenischen Engagement. Und vergessen wir nicht: Das gemeinsame Handeln ist normal. Das konfessionelle Eigenleben muss begründet werden.

Die Charta Oecumenica als Selbstverpflichtung der reformierten, lutherischen, freikirchlichen, katholischen und orthodoxen Kirchen und Gemeinden merkt hierzu an: "Wir verpflichten uns, auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens oder größere Zweckmäßigkeit dem entgegenstehen."

 

    {*} Friedrich Weber, Dr. theol., Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig.

 

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