Wohngemeinschaft Naunynstraße
Jesuitenkommunität Berlin-Kreuzberg

 

Aktuelles

 


Comboni-Schwestern wagen neue Schritte in Berlin!

Die Comboni-Missionsschwestern (CMS) leben und arbeiten jetzt auch in Berlin: Schwester "Mabel" (Beatrice Mariotti) und Schwester Margit Forster. Im Folgenden stellt Schwester Margit dar, was es mit dem neuen Projekt der CMS in Berlin auf sich hat:

"Wir sind über die Straßenexerzitien nach Berlin gekommen. Fast acht Monate haben wir in der Gemeinschaft der Jesuiten in Kreuzberg verbracht, welche P. Christian Herwartz seit über 25 Jahren leitet. Er inspiriert mit seiner Gastfreundschaft für alle, die an seine Tür klopfen: Obdachlose, Strafentlassene, Menschen ohne Arbeit, ohne Aufenthaltsgenehmigung oder – wie wir auch – auf der Suche nach Neu-Orientierung, nach Kontakt mit dem einfachen Leben. So haben wir durch ein Loslassen in ein einfaches Leben in der Gegenwart immer mehr ein Gespür dafür bekommen, wo Leben ist oder was uns lebendig macht und haben Schritt für Schritt eben auf diese leisen Zeichen gehört. Und deshalb haben wir uns entschieden, eine kleine Wohnung in Neukölln, einem der größten sozialen Brennpunkte Berlins, zu mieten und eine Arbeit zu suchen.

Dann sind wir Schwester Lea Ackermann begegnet. Schwester Lea ist Gründerin und Leiterin von SOLWODI ("Solidarity with women in distress" – "Solidarität mit Frauen in Not"). Die Einrichtung hat bisher insgesamt 11 Beratungsstellen (6 davon mit Schutzwohnungen) in Rheinland-Pfalz, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. SOLWODI kümmert sich hauptsächlich um Migrantinnen, die durch Menschenhandel in der Zwangsprostitution in Deutschland gelandet sind oder die durch Zwangsheirat bzw. Gewalt in engen sozialen Beziehungen in Not geraten sind und Hilfe brauchen.

Von Schwester Lea erfuhren wir von ihrem Wunsch, auch hier in Berlin eine Beratungsstelle zu eröffnen. Sie hat uns eingeladen, diese Aufgabe zu übernehmen. Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit sollen besonders hier in der Bundeshauptstadt eine große Rolle spielen. Und wir wollen uns jetzt hier in Berlin darauf einlassen! Mitte November 2007 soll es soweit sein. Deshalb machen wir auch bereits seit März 2007 Praktika in den verschiedenen Beratungsstellen und Schutzwohnungen von SOLWODI.

Da es sich bei unserem Unternehmen in Berlin um ein neues Projekt handelt, gehören wir – im Gegensatz zu unseren Schwestern in Nürnberg – nicht unserer Londoner Ordensprovinz an: Wir sind vielmehr direkt unserer Ordensleitung unterstellt.

Und hier ein paar Einzelheiten über die ersten beiden Comboni-Schwestern, welche in Berlin arbeiten:

Schwester Mabel Mariotti

Schwester Mabel Mariotti (44) stammt aus Mailand/Italien. Sie ist seit 1990 Mitglied der Comboni-Missionsschwestern. Von 1993-98 war sie in den USA, wo sie Psychologie und Theologie studiert und sich besonders mit Counselling befasst hat. Auch während ihrer sieben Jahre in Dubai (1998-2005), sowohl als Lehrerin, als auch als Schulleiterin, hat sie als Counselor gearbeitet und sich gleichzeitig für den interreligiösen Dialog interessiert. So hat Schwester Mabel 2001 ihren Master-Titel in Islamischen Wissenschaften erworben. Ende 2005 kam sie für eine Sabbatzeit nach Rom. Seit letztem Jahr (2006) lebt sie nun in Berlin.

Schwester Margit Forster (53) aus Hausen im Großraum Nürnberg ist seit 1979 bei den Comboni-Missionsschwestern. Nach ihrem Theologiesstudium in Rom hat sie acht Jahre in Kenya und vier Jahre in Uganda gearbeitet (Schule, Berufepastoral, Jugendarbeit, Begleitung junger Frauen in die Ordensgemeinschaft). Anschließend gehörte sie sechs Jahre der Generalleitung der CMS in Rom an und arbeitete anschließend noch über ein Jahr in der italienischen Hauptstadt als Generalsekretärin für Ausbildung in ihrem Orden. Sie bekennt: "Während dieser Zeit wurde mir immer mehr bewusst, dass ich immer weniger Kontakt mit dem wirklichen Leben hatte. Ich brauchte eine Sabbatzeit! Und so schließt sich der Kreis, bzw. beginnt ein neues Kapitel meines Lebens, für das ich sehr dankbar bin."

Schwester Margit Forster

Sr. Margit Forster
Sr. Mabel Mariotti

So sind wir zu erreichen:

Comboni-Missionsschwestern
Boddinstr. 6
12053 Berlin
Tel: (0 30) 81 86 96 29
E-Mail: berlin@comboni.de
http://www.comboni.de/standorte/berlin/index.php



Ein Bundesverdienstkreuz für die Naunyn

Christian Herwartz und Bruder Franz Keller

Wenn um die Mittagszeit in der Naunynstraße eine gepanzerte Limousine im Halteverbot, vor dem berüchtigten Trinkteufel steht (Unterzeile: "Tor zur Hölle"), dann weiß man, dass gerade etwas Ungewöhnliches passiert. Und so war es auch diesmal, am 16. Januar, als sich zwei Welten kurzzeitig näher kamen.

SPD-Staatssekretär für Kultur, André Schmitz, und die Beauftragte für Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, Maria Bering, hatten im Auftrag des Bundespräsidenten zwei Bundesverdienstkreuze mitgebracht. Sie wurden Pater Christian Herwartz, der St. Thomas Gemeinde als lieber und langjähriger Begleiter bekannt, und Bruder Franz Keller für ihr mehr als 25-jähriges Engagement in der offenen Kommunität, Naunynstraße 61, überreicht. Mit dabei waren Monika Gröber, die die Ehrung vorgeschlagen hatte, sowie Andreas R. und Christian S., Klaus und eine Freundin der Wohngemeinschaft.

Nach der Pflicht, die Kür: Am Abend hatte "die Naunyn" zu einer kleinen Feier eingeladen. Viele Freundinnen und Freunde waren gekommen. Sie hatten zu Essen und zu Trinken mitgebracht - und auch die eine oder andere Frage. Wie war das mit denen ("da oben")? Wie war Monika denn auf sowas gekommen? Und nicht zuletzt: Jesuitenorden und Verdienstorden, passt das denn zusammen?

Es war für alle spannend zu erfahren, dass die beiden Abgesandten gut vorbereitet und mit viel Zeit und Interesse gekommen waren. So entsponn sich ein anregendes, etwa einstündiges Gespräch, das die beiden Gäste sichtlich bewegte. Sie schienen mit so etwas nicht gerechnet zu haben. Zweit Jesuiten, die eine Wohngemeinschaft mit bis zu dreißig Bewohnern aus aller Welt mit ihrer Gegenwart, ihrer Energie und ihren Renten unterhalten: Obdachlose, Ausländer, Flüchtlinge, Menschen in schicksalhafter oder frei gewählter Armut finden hier Zuflucht und Gemeinschaft, für Wochen, Monate oder Jahre. Die Konflikte, die es (natürlich!) gibt, die Hochs und Tiefs - und dann, dass immer wieder Hilfe kommt. Von Menschen, rein zufällig, so könnte man's sagen; wir Christen sagen: von Gott. - Die beiden Vertreter des Senats verabschiedeten sich schließlich mit der Bemerkung, dass sie nun wohl in eine andere Welt gingen. Wo der Geist weht….

Es war schön zu sehen, dass die beiden Inhaber (so dürfen sich Christian und Franz jetzt nennen) zufrieden damit waren, sich doch für die Annahme der Ehrung entschieden zu haben. Leicht hatten sie es sich nicht gemacht, hatten Zeit, Ort und Rahmen sorgfältig gewählt. Und so wurde Monikas Idee Wirklichkeit: Franz und Christian, deren Aktionsspektrum ja tatsächlich von der Mildtätigkeit bis hin zur Erregung öffentlichen Ärgernisses reicht, wurden geehrt vom Staat, der - und hier wird es deutlich - ja immer eine doppelte Existenz hat: Apparat und eben auch Gesellschaft.

Es war offenbar für beide Welten gut, nicht nur zu wissen, sondern auch einmal zu spüren: da drüben, das sind (auch nur) Menschen. So entsteht Wertschätzung und Anerkennung und zwar auf beiden Seiten. Wir Menschen wissen nicht, was aus dem kurzzeitigen Heraustreten aus den sorgsam abgesteckten Parallelwelten noch werden kann ….

Marie-Luise Beck

 

    Was ist ein Bundesverdienstkreuz? "Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, Kurzbezeichnung Bundesverdienstkreuz, einziger Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland; […] gestiftet von Bundespräsident T. Heuss am 7. 9. 1951. Die Beliehenen werden als "Inhaber" bezeichnet." (Brockhaus) Etwas über 1000 Ordensverleihungen jährlich, die selten vom Bundespräsiden-ten selbst, sondern meist von hochrangigen Vertretern der Länder vorgenommen werden. Die Voraussetzungen sind: "Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wird an in- und ausländische Frauen und Männer für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, z. B. auch Verdienste aus dem sozialen, karitativen und mitmenschlichen Bereich. Es sind Verdienste, die in der Regel unter Zurückstellung der eigenen Interessen über einen längeren Zeitraum mit erheblichem Einsatz erbracht wurden." (Broschüre "Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland")