William Strieder SJ

P. William Strieder SJ
Geboren am 10. September 1912 in Leipzig
Ordenseintritt am 21. April 1936 in Mittelsteine
Priesterweihe am 19. Dezember 1942 in Wien
Gestorben am 1. März 2002 in Berlin-Kladow

"Das Licht in deinem Leben gab Gott zum weitergeben!"
Als Maxime seines Lebens hat Pater Strieder diesen Vers an den Schluss seines "curriculum vitae" geschrieben.

Sein Lebensweg war zunächst bewegt. In Leipzig geboren, verbrachte er seinen 1. sowie seinen 10. Geburtstag auf einem Schiff Richtung Amerika. Als er 17 war, siedelte die Familie ganz nach USA über, wo der Vater, ein Schirmfabrikant, in die Bonbonfabrik des Schwagers eintrat. Das Leben in USA hielt der Leipziger Großbürger nicht lange aus. Nach neun Monaten kehrte er nach Europa zurück. William, der in Milwaukee auf dem Jesuiten-Gymnasium war, kam mit seinem Bruder auf die "Stella Matutina" nach Feldkirch. Nach dem Abitur studierte er zunächst drei Jahre Theologie in München, bis er sich 1936 entschied, in Mittelsteine in die Gesellschaft Jesu einzutreten.

Mit dem Noviziat und dem Studium in Pullach begann zunächst eine ruhige Zeit, die jedoch durch den Krieg abrupt abgebrochen wurde. 1940 Soldat, Sommer 1941 mit nach Russland, Herbst 41 entlassen, auf Umwegen nach Wien zum Weiterstudium, dort Advent 42 von Kardinal Innitzer zum Priester geweiht. Auch die Seelsorge für den jungen Priester war zunächst sehr bewegt: Kinderheim in Wartha/Schlesien, Ostern 45 Aushilfe nördlich von Wien, abgesetzt nach Rottmannshöhe, von dort nach Achenkirch/Tirol, Theologisches Schlussexamen in Innsbruck, neun Monate Kaplan in Wattens/Inntal, Tertiat in St. Andrä/Kärnten.

Danach begann die Zeit, die er wohl als die wichtigste Zeit für seine Seelsorge ansah: der Provinzial rief ihn 1947 in die DDR nach Rostock. 1949 wurde er Seelsorger in Ribnitz, hatte zusammen mit Pater Nauke sechs Gottesdienststationen zu versorgen. 1954 kam er wieder nach Rostock, wo er in einem Neubaugebiet eine neue Gemeinde aufbauen sollte. Sieben Jahre strapazierten die DDR-Behörden seine Geduld, bis es dank Mittelsmännern gelang, dass Ulbricht selbst die Weisung erteilte, die katholische Gemeinde dürfe den erworbenen Bauernhof behalten und die vorhandenen Gebäude für ihre Zwecke aus- und umbauen. Zwei Jahre später, 1963 wurde die St. Josefskirche eingeweiht. Dort feierte er sein 25-jähriges Priester-Jubiläum, von dort musste er im Mai 1980 zu einer schweren Darmoperation in das St. Hedwigskrankenhaus nach Berlin.

Damit war nach 33 Jahren seine Seelsorge in Mecklenburg beendet. Er kam nach Erfurt-Hochheim als "Mädchen für alles", wie er selbst meinte: Gottesdienst- und Beichtaushilfe, Haus- und Krankenbesuche, Lauferei nach Handwerkern und zu Behörden, Wanderungen im schönen Thüringer Wald und Urlaub an der Stätte seiner ersten Priesterjahre - in Tirol. Dort feierte er seinen 80. Geburtstag, drei Monate später in Erfurt-Hochheim sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Es blieben ihm noch sieben Jahre in dieser Gemeinde St. Bonifatius.

1999 begann seine letzte Station: das Peter-Faber-Kolleg in Berlin-Kladow. Am Morgen des 28. Februar 2002 feierte er hier gemeinsam mit allen das Requiem für die kurz zuvor verstorbenen drei Mitbrüder, die an diesem Tag beerdigt werden sollten. In der folgenden Nacht, schon in der Morgenfrühe des 1. März, des Herz-Jesu-Freitag, wurde er ohne langen Todeskampf aus diesem Leben in den Frieden Gottes abberufen.

R.I.P.

PATER WILLIAM STRIEDER ZUM 75. GEBURTSTAG

  1. Mit Recht vergleicht man oft den braven
    Pfarrer mit dem Hirt von Schafen, weil
    man den Vergleich schon kennt sowohl
    im Alten wie im Neuen Testament,


  2. Ich muß auch sagen, auf William paßt er,
    er ist mit Leib und Seele Paster
    und setzte stets sich völlig ein,
    mags Ribnitz oder Rostock sein,


  3. Aus 'nem Bauernhof, 'nem alten
    konnt' er 'ne Pfarrei gestalten.
    Und wo einst lag des Bauern Stroh,
    singt heute die Gemeinde froh.


  4. Einst hört man das Gebrüll von Rindern,
    heute hört man das von Kindern.
    Wo einst der Stall mit Schafen voll,
    dort feiert man heut Feste toll.


  5. Schaut man zurück nach Rostocks Tagen,
    so kann mit vollem Recht man sagen,
    daß der Vergleich sich nicht geirrt;
    der William war dort guter Hirt.


  6. Und was man lernte in der Jugend,
    das wird im Alter dann zur Tugend.
    Er ist noch immer guter Hirt,
    was Josef ihm bescheinigen wird.


  7. Beliebt bei Jungen und bei Alten,
    muß er mal die Pfarrei verwalten
    und ganz besonders treu im Dienst
    er beim Besuch der Kranken ist.


  8. Doch so wie die Jahresringe
    wachsen zu uns andere Dinge
    und so lernt man immer weiter,
    manchmal mühsam, manchmal heiter.


  9. Ganz so lernt auch immer wieder
    unser guter Pater Strieder
    und so bleibt er jugendfrisch
    auch mit Fünfundsiebenzich.


  10. Seit einem Jahr so ungefähre
    macht er eine neue Lehre.
    Täglich sieht man ihn im Garten
    Beete und Rabatten warten.


  11. Er pflanzt Bohnen und Tomaten,
    Hacke schwingt er und den Spaten,
    reißt das Unkraut aus mit List
    und befördert es zum Mist.


  12. Nach einundfünfzig Jahren im Orden
    ist William Gärtner noch geworden.
    Andere setzen sich zur Ruhe,
    er zieht an die Gartenschuhe.


  13. Überdenk ich recht die Gaben,
    welche so ein Gärtner haben,
    üben und gebrauchen muß,
    komme ich sehr bald zum Schluß,


  14. Daß zwar mit dem Hirt von Herden
    Pfarrer gern verglichen werden,
    doch es geht genauso gut,
    wenn man's mit dem Gärtner tut.


  15. Besonders, denk ich, Pater Strieder
    spiegelt alle Tugend wieder,
    die ein guter Gärtner hat,
    züchtet er den Kopfsalat


  16. Oder Blumenkohl und Kräuter,
    Rosen, Zwiebeln und so weiter,
    Als erste Gabe nenn' ich Jetzt:
    Große Freude, daß was wächst,


  17. Als zweites darf man wohl erwarten
    vom Pfarrer wie vom Herrn im Garten,
    daß jedes Kräutchen, das nicht schlecht,
    im Garten hat ein Lebensrecht.


  18. Das dritte ist 'ne schwere Tugend,
    ganz besonders in der Jugend,
    nämlich mit Geduld zu warten,
    bis zur Ernte reif der Garten.


  19. Als viertes muß man darauf sehn,
    ganz behutsam umzugehn
    mit Pflanzen, welche zart und fein,
    sonst gehen sie uns nämlich ein.


  20. Als fünftes ganz besonders taugen
    für den Garten scharfe Augen,
    um die Disteln und die Quecken
    gleich am Anfang zu entdecken.


  21. Als sechstes muß man fest entschlossen
    schnell entfernen wilde Sprossen,
    denn die geilen Triebe sind
    schlecht für Strauch und Menschenkind,


  22. Als siebtes muß man fleißig sein,
    will man ein guter Gärtner sein,
    dann lacht nach Müh und vielem Schweiß
    die reiche Ernte ihm als Preis.


  23. So mein' ich, daß der Jubilar,
    der so ein fleißiger Gärtner war,
    von Gottes Güte darf erwarten,
    einst einen Platz im Himmelsgarten.


  24. Dies wünschend ich das Glas erhebe
    und rufe aus: "Der William lebe,
    einmal, zweimal, dreimal hoch
    und werde hundert Jahre noch!"

Mit Freude und Bewunderung für Dich
überreicht am 10. September 1987
von Deinem Thomas Gertler SJ