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Georg Evers {*}

Konfliktverschärfung statt Verständigung?

Bischofsweihen als Stolpersteine
im vatikanisch-chinesischen Verhältnis

 

Aus: Herder Korrespondenz, 2006/6, S. 290-294

 

    Eine Zeitlang sah es so aus, als stünde eine Verständigung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China kurz bevor. Dann geriet vor wenigen Wochen durch die Weihe von Bischöfen für chinesische Diözesen ohne die Zustimmung Roms wieder einmal Wasser in den Wein. Offenbar möchte die "Patriotische Vereinigung" mit Unterstützung aus Partei und Regierung eine Normalisierung des Verhältnisses zwischen Rom und Peking hintertreiben.

 

Am 30. April 2006 wurde Joseph Ma Yinglin (41) ohne Zustimmung des Papstes und ungeachtet von Appellen aus Rom und Hongkong zum Bischof von Kunming geweiht. Kurz nach dieser Weihe in Kunming erfolgte am 3. Mai eine weitere Bischofsweihe, wieder ohne Zustimmung Roms, als Joseph Liu Xinhong (41) in Wuhu zum neuen Bischof von Anhui geweiht wurde. In beiden Fällen waren die Dossiers der Kandidaten nach ihrer Wahl durch Organe der chinesischen Ortskirche in Rom zur Bestätigung vorgelegt worden, wo sie ohne endgültige Entscheidung noch unter Bearbeitung waren.

Besonders gegenüber dem Bischofskandidaten Ma Yinglin gab es römische Vorbehalte, da er als Sekretär der Chinesischen Bischofskonferenz ein enger Mitarbeiter von Liu Bainian, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Patriotischen Vereinigung gewesen war und als sein Protegé gilt. Nachdem die Weihen schon einmal aufgeschoben worden waren, setzte sich die Patriotische Vereinigung mit ihrem harten Kurs durch, die Weihen auch ohne Erlaubnis Roms auf jeden Fall durchzuführen. Es war vor allem Liu Bainian, der diese Weihen auch gegen den Widerstand innerhalb der offiziellen Kirche durchgesetzt hat, um das nach Interpretation der Patriotischen Vereinigung unstrittige Recht der chinesischen Ortskirche, auch ohne römische Zustimmung Bischöfe wählen und weihen zu können, unmissverständlich vor der Welt zu bekunden.

 


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Unklar ist allerdings, inwieweit die neun Bischöfe, die an der Weihe in Kunming beteiligt waren, freiwillig teilnahmen und ob sie von der fehlenden Zustimmung Roms gewusst haben. Dass Bischof Bernhardine Dong Guangqing (88) von Wuhan zum leitenden Bischof bei der Weihezeremonie bestimmt wurde, hat einen besonderen Beigeschmack, da der Franziskaner zu den beiden ersten Bischöfen gehört, die 1958 ohne Zustimmung des damaligen Papstes Pius XII. geweiht und danach zunächst exkommuniziert wurden. 1984 wurde Bischof Dong vom Vatikan anerkannt und hat sich seither sehr um die Verständigung zwischen der offiziellen und der Untergrundkirche in seiner Diözese bemüht. Dass er sich jetzt im hohen Alter bei dieser provokativen Bischofsweihe freiwillig engagiert haben sollte, ist daher eher unwahrscheinlich.

Der Vatikan reagierte auf die Weihen mit einer offiziellen Erklärung, in der das Bedauern über die "unerlaubten Weihen" ausgedrückt wird, die nach dem Kirchenrecht (Kanon 1382) mit Exkommunikation geahndet werden könnten. Ausdrücklich wird festgehalten, einige der an der Weihe beteiligten Bischöfe seien offensichtlich massiv unter Druck gesetzt worden. Damit soll wohl auch begründet werden, dass sich der Vatikan mit kanonischen Strafen erst einmal zurückhalten will.

Ausdrücklich wird die Bereitschaft des Heiligen Stuhls herausgestellt, trotz allem zugunsten einer friedlichen Lösung und einer dauerhaften Einigung mit der chinesischen Führung zu arbeiten. In ähnlicher Weise scheint auch die chinesische Seite an einer Begrenzung der gegenwärtigen Spannungen interessiert zu sein, weil nur wenige Tage nach den beiden umstrittenen Bischofsweihen Paul Pei Junmin (37) am 7. Mai zum Koadjutor des amtierenden Bischofs Pius Jin Peixian (83) von Shenyang sowohl mit staatlicher wie auch mit päpstlicher Zustimmung geweiht werden konnte.

Wohl eher zufällig in der Strudel der Auseinandersetzungen um die illegalen Bischofsweihen geriet Bischof Vincent Zhan Silu (45) von der Diözese Mindong in der Fujian-Provinz, der sich am 14. Mai selbst als Bischof in seine Diözese eingeführt hat. Bischof Zhan gehört zur Gruppe von fünf Bischöfen, die am 6. Januar 2000 in Beijing ohne Zustimmung Roms geweiht wurden. Zhan, der damals zum Koadjutor der Diözese Mindong geweiht wurde, kehrte nach der Weihe in seine Diözese zurück und arbeitete als Seelsorger in einer Pfarrei, ohne zunächst die Funktion eines Bischofs auszuüben.

Wie er in einem Interview sagte, wollte er erst das Vertrauen von Priestern und Gläubigen gewinnen. Zugleich bemühte er sich um Anerkennung seiner Weihe seitens Rom. Diese blieb allerdings bis dato aus. Ob er auf eigene Faust oder auf Anweisung der Patriotischen Vereinigung gehandelt hat, ist unklar, jedenfalls hat er am 14. Mai offiziell das Amt des Bischofs der Diözese Mindong in einer Feier übernommen, die nicht in der Bischofsstadt Fuan, sondern in seiner Heimatstadt Ningde stattfand. Auffallend war, dass die Zeremonie ohne Assistenz durch andere Bischöfe und bei geringer Beteiligung der Gläubigen stattfand.

Seit dem Amtsantritt von Benedikt XVI. wurde in der Presse immer wieder von Anzeichen einer sich anbahnenden Übereinkunft zwischen dem Vatikan und der chinesischen Führung in Beijing gesprochen. Bei Audienzen auf dem Petersplatz hatte Benedikt XVI. in den letzten Monaten mehrmals chinesische Priester und Seminaristen in besonderer Weise begrüßt und dabei sein starkes Interesse an der Entwicklung der katholischen Kirche in China bekundet. Besondere Aufmerksamkeit fand eine Begegnung am Rande einer Audienz auf dem Petersplatz Anfang August 2005, als der Papst eine Gruppe von in der Priesterausbildung tätigen Rektoren und Spirituälen der offiziell anerkannten Priesterseminaren aus der VR China besonders begrüßte, die sich in Deutschland über Probleme der heutigen Priesterausbildung informiert hatten.

Auch am Weltjugendtag in Köln im August 2005 nahmen neben einer offiziellen Delegation der von der chinesischen Regierung anerkannten katholischen Kirche auch etwa 100 junge Chinesen aus der "Untergrundkirche" teil. Die Kontakte zwischen den beiden Gruppen gestalteten sich weitgehend problemlos, da die Jugendlichen schnell ein gutes Verhältnis zueinander fanden.

Allerdings gab es auch immer wieder andere Signale aus China, die deutlich machten, dass innerhalb der chinesischen Regierung eine Normalisierung der Beziehungen zum Heiligen Stuhl kontrovers gesehen wird. So hatte der Papst im Vorfeld der Bischofssynode über die Eucharistie im Herbst 2005 vier Bischöfe aus der VR China eingeladen, von denen Li Duan von Xian (78), Aloysius Jin Luxian von Shanghai (89) und Li Jingfeng von Fengxiang (83) zu den von der Regierung anerkannten Bischöfen gehören, während Bischof Wei Jingyi von Qiqihar (43) zur Untergrundkirche gerechnet wird. Nach längerer Bedenkzeit hat die chinesische Regierung dann allen vier eingeladenen Bischöfen die Ausreise nach Rom verweigert.

 

Abbau der Spannungen zwischen der "offiziellen" und der "Untergrundkirche"

Im Laufe der letzten Jahre haben sich die Spannungen zwischen den Angehörigen der "Untergrundkirche" und denen in der "offiziellen" Kirche ständig verringert. In den achtziger Jahren kursierte in der "Untergrundkirche" ein Bischof Fan Xueyan (1907-1992) von Baoding zugeschriebenes Papier, in dem die Bischöfe und Priester in der "offiziellen" Kirche als Verräter bezeichnet

 


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wurden, deren Weihen ungültig seien und deren bischöfliches und priesterliches Handeln daher ebenfalls als unwirksam anzusehen sei. Die Gläubigen wurden gewarnt, bei ihnen die Sakramente zu empfangen, weil diese ungültig seien.

Diese scharfe Rhetorik ist inzwischen kaum noch zu hören. An vielen Stellen haben Bischöfe und Priester der "offiziellen" Kirche Formen gefunden, in denen sie pragmatisch und unspektakulär mit den entsprechenden Vertretern der "Untergrundkirche" zusammenarbeiten. Zu Beginn des Jahres 2006 gab es für die 138 Diözesen in der VR China 103 Bischöfe, von denen 65 der "offiziellen" Kirche zugehören, während 38 zur "Untergrundkirche" gezählt werden. Im Jahr 2005 sind allein 12 Bischöfe gestorben, von denen drei zur Untergrundkirche gehörten, während es nur drei Weihen für die offizielle KIrche gegeben hat, die alle mit Zustimmung des Papstes stattgefunden haben.

Denn es ist kein Geheimnis mehr, dass inzwischen die meisten Bischöfe in der "offiziellen" Kirche eine päpstliche Anerkennung ihrer Weihe erhalten haben. Man spricht von mindestens 70 Prozent, während andere sogar mit einem Anteil bis zu 90 Prozent rechnen, die ihre Einheit mit dem Papst wiederhergestellt haben. In der Prozedur der Wahl und Weihe von neuen Bischöfen war in den letzten fünf Jahren ebenfalls eine interessante Entwicklung zu verzeichnen, bei der sich eine von beiden Seiten zunächst stillschweigend geübte Praxis eingespielt zu haben schien.

Die potentiellen Kandidaten für das Bischofsamt werden zunächst innerhalb der offiziellen Kirche durch Priester, Ordensmitglieder und Laien gewählt. Je nach den örtlichen Gegebenheiten ist dabei der Einfluss der Patriotischen Vereinigung mehr oder weniger bestimmend, die oft versucht, ihre Kandidaten durchzubringen oder gewählte Kandidaten zum Beitritt zur Vereinigung zu bewegen. Danach werden die Namen an vatikanische Stellen weitergeleitet, damit eine Zustimmung zur Wahl und Weihe der Kandidaten möglichst schon im Vorfeld erreicht werden kann.

Diese Kontakte erfolgen in der Regel über den in Hongkong stationierten, aus Irland stammenden Eugene Nugent, der offiziell der vatikanischen Botschaft in den Philippinen zugeordnet ist, de facto aber so etwas wie der für chinesische Belange zuständige Quasi-Nuntius ist. Am Ende dieser Prozedur konnte dann die aktuelle Weihe mit Zustimmung sowohl der chinesischen staatlichen Stellen wie auch des Vatikan erfolgen. Strittig blieb in Einzelfällen, ob die durch den Vatikan erfolgte Zustimmung während der Weihehandlungen durch das Verlesen des päpstlichen Ernennungsschreibens auch öffentlich kundgetan werden durfte. Es gab Weihekandidaten, die auf das öffentliche Verlesen der päpstlichen Ernennung bestanden und nur unter dieser Bedingung bereit waren, die Weihehandlungen an sich vornehmen zu lassen.

Auch bei der Weihe des neuen Weihbischofs Joseph Xing Wenzhi (42) im Juni 2005 für die Diözese Shanghai wurde die Zustimmung Roms zur Weihe öffentlich gemacht. Das Gleiche gilt für den neuen Koadjutorbischof für Xian, Dang Mingyan, der dem schwer erkrankten Bischof Li Duan im Juli 2005 zur Seite gestellt wurde, wie auch für Paul He Zheqing, der im Oktober 2005 als Koadjutor für die Diözese Wanxian geweiht wurde und mit 37 Jahren gegenwärtig der jüngste Bischof in

 


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China ist. Auch 2006 schien es, als ob die stillschweigende Übereinstimmung beibehalten werde, als Joseph Xu Honggen als Bischof von Suzhou, der schon 1999 von Vertretern der Ortskirche gewählt worden war, mit Zustimmung des Papstes am 20. April geweiht werden konnte.

 

Warum brüskiert man Rom durch nicht abgesprochene Bischofsweihen?

Die letzten Bischofsweihen in der VR China ohne jedwede Absprache mit Rom und als Provokation der päpstlichen Autorität gab es im Januar 2000, als in Beijing fünf Bischöfe geweiht wurden. Auch damals hatte es Ende 1999 Spekulationen gegeben, dass eine Einigung zwischen Beijing und dem Vatikan unmittelbar bevorstehe und es bald zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen kommen werde. Bei diesen kurzfristig angesetzten Bischofsweihen handelte es sich offensichtlich um eine gewollte Provokation seitens verschiedener Kräfte in Partei- und Regierungskreisen, die zusammen mit Vertretern der Patriotischen Vereinigung eine Einigung zwischen Rom und Beijing hintertreiben wollten.

Schon damals stieß das harsche Vorgehen der Vertreter der Patriotischen Vereinigung auf Widerstand, indem einige der vorgesehenen Kandidaten die Bischofsweihe ablehnten und auch einige der Bischöfe, die als Konsekratoren vorgesehen waren, sich weigerten, aktiv an den Weihehandlungen teilzunehmen. Aufsehen erregte auch der Widerstand einer großen Zahl von Seminaristen des nationalen Priesterseminars, die auch durch scharfe Disziplinarmaßnahmen nicht bereit waren, an der Zeremonie teilzunehmen. Das Verhältnis zwischen Rom und Beijing verschlechterte sich danach noch einmal, als Johannes Paul II. am 1. Oktober 2000 die Heiligsprechung von 120 chinesischen Märtyrern vornahm. Die chinesische Regierung erblickte darin eine gezielte Provokation des Vatikan und reagierte mit Repressalien in der Form von Schulungskursen für Priester und Seminaristen im ganzen Land.

Seitens des Vatikan wurden die Bemühungen um Verständigung trotz aller Rückschläge fortgesetzt. Große Beachtung fand die Erklärung Johannes Pauls II. im Oktober 2001 in Rom, als er sich für die Fehler der katholischen Kirche entschuldigte, die durch katholische Missionare begangen worden seien. Konkret nannte der Papst die falsche Haltung einiger Missionare, die durch zu große Nähe zu den in China tätigen Kolonialmächten und mangelnde Achtung vor der chinesischen Kultur die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt hätten. Zugleich drückte er die Hoffnung aus, es möge zwischen China und der katholischen Kirche, die beide sehr alte Institutionen seien, zu neuen Formen der Zusammenarbeit und des Dialogs kommen.

Für die Entwicklung neuer Formen der Zusammenarbeit gab es in der Folge dann auch immer wieder Hinweise, wobei positive Signale in verwirrender Weise durch negative überlagert wurden und sich ein diffuses Bild von Annäherung auf der einen und weiter bestehendem Dissens auf der anderen Seite ergab. Als ein möglicher Grund für die jetzige plötzliche Verschlechterung des Klimas zwischen Rom und Beijing gilt für viele Beobachter die Ernennung von Bischof Joseph Zen (Hongkong) zum Kardinal im März 2006. Wegen seiner freimütigen und scharfen Kritik der chinesischen Religionspolitik und der kommunistischen Ideologie wurde die Ernennung Zens in Beijing sehr kritisch gesehen.

Offen geäußert wurde die Kritik an der Person von Kardinal Zen von Liu Bainian, dem stellvertretenden Präsidenten der Patriotischen Vereinigung, der sich über die Presse mit Zen auseinander setzte und die mangelnde Beteiligung der Gremien der chinesischen Ortskirche an der Kardinalsernennung monierte. Die herausragende Rolle, die in diesen Auseinandersetzungen der Laie Liu Bainian spielt, erklärt sich aus den besonderen Umständen, die sich in der personellen Besetzung der leitenden Stellen innerhalb der "offiziellen" Kirche in der VR China ergeben haben.

Am 20. April 2005 starb Bischof Joseph Liu Yuanren, der Präsident der Chinesischen Bischofskonferenz, im Alter von 82 Jahren in Beijing. Bisher wurde seine Stelle nicht neu besetzt. Da auch Bischof Michael Fu Tieshan, Präsident der Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung, erkrankt ist und nur eingeschränkt seinen Funktionen nachkommen kann, hat sich die abnormale Situation ergeben, dass die Leitung der offiziell von der Regierung anerkannten katholischen Kirche weitgehend in den Händen von Liu Bainian liegt, der offiziell zwar nur die Funktion eines Vizepräsidenten der Patriotischen Vereinigung wahrnimmt, de facto aber ziemlich uneingeschränkt die Geschäfte führt.

 

Der Patriotischen Vereinigung könnten die Felle davonschwimmen

Liu ist gegenwärtig, sicher auch mit Rückendeckung durch die kommunistische Partei und Regierungsstellen, die treibende Kraft in der gegenwärtigen Auseinandersetzung um die ohne Zustimmung Roms erfolgten Bischofsweihen. Als Begründung für die plötzliche Eile, in kurzer Zeit möglichst viele Bischofsweihen ohne Rücksprache mit vatikanischen Stellen durchzuführen, hat Liu Bainian der Presse gegenüber erklärt, in China seien viele Diözesen schon jahrelang ohne Bischof und dies sei ein unhaltbarer Zustand, da eine Diözese ohne Bischof nun einmal nicht lebens- und funktionsfähig sei.

Dieser Zustand ist allerdings nun wirklich nicht neu. Es ist nicht einsichtig, warum an der Lösung dieses Problems nicht in Ruhe und in Absprache mit Rom hätte gearbeitet werden können. Die plötzliche Eile, diesem Zustand abzuhelfen, hat wohl mehr mit der Angst zu tun, dass nach einer eventuellen Einigung zwischen Rom und Beijing die Rolle, welche die Patriotische Vereinigung bisher spielen konnte, sich gründlich verändern dürfte, ja mit ziemlicher Sicherheit vollständig überflüssig werden könnte.

 


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Hier liegt wohl der eigentliche Grund, warum durch eine Vielzahl von Bischofsweihen ohne Beteiligung Roms und mit deutlicher Absicht, damit die römischen Stellen zu provozieren, der Einigungsprozess nachhaltig gestört werden soll.

Der scharfe Protest des Vatikans macht deutlich, dass die intendierte Wirkung, den Einigungsprozess zu stören, aufzugehen scheint. Seitens des Vatikans wurde jedenfalls erklärt, dass für einen unbestimmten Zeitraum die Prüfung von Weihekandidaten aus der VR China erst einmal ausgesetzt werde. Die gegenwärtigen Spannungen machen deutlich, dass mit einer gewissen Regelmäßigkeit immer dann, wenn eine Einigung zwischen Rom und Beijing bevorzustehen scheint, sich Kräfte innerhalb des Apparats der kommunistischen Partei und der Regierung bemerkbar machen, die zusammen mit bestimmten Gruppen und Personen in der Patriotischen Vereinigung gezielt Maßnahmen ergreifen, den Versöhnungs- und Verständigungsprozess zu stören und eine Einigung zu hintertreiben.

Es bleibt abzuwarten, ob eine pragmatische Überprüfung dieses politischen Ränkespiels gerade auch seitens der chinesischen Führung nicht doch zu einer grundlegenden Änderung in der Bewertung der Bedeutung einer Normalisierung des Verhältnisses zwischen China und dem Vatikan führen müsste. Die Stellung des Papstes und die Bedeutung der diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl haben in den letzten Jahren innerhalb der internationalen Politik bedeutend an Gewicht gewonnen. Das langfristige Interesse der VR China, in der internationalen Politik als ein gewichtiger und zuverlässiger Partner wahrgenommen zu werden, müsste es eigentlich nahe legen, die Beziehungen zum Heiligen Stuhl durch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu regeln.

Die näher rückenden Olympischen Spiele in Beijing im Jahr 2008 verschärfen den Druck auf die chinesische Führung, in den Bereichen Religions- und Meinungsfreiheit Schritte zu unternehmen, um bestehende Abweichungen von internationalen Rechtsvorschriften möglichst glaubwürdig auszuräumen. Im Zuge einer auf diese Ziele gerichteten Politik müsste die chinesische Führung einsehen, dass Versuche, die katholische Kirche des Landes in einer Sonderposition zu halten, nach der sie gezwungen werden soll, einen eigenen Weg als unabhängige Kirche zu gehen, nicht durchsetzbar sind.

Die Vertreter der Patriotischen Vereinigung haben wohl schon lange begriffen, dass sie so gut wie keinen Rückhalt unter den chinesischen Katholiken haben. Ihr einziger Halt ist die Unterstützung durch die Gremien der kommunistischen Partei und der Regierung, die sie wohl nicht auf Dauer davon überzeugen können, dass ein Festhalten an jetzt bestehenden Sonderstrukturen für die katholische Kirche im langfristigen politischen und gesellschaftlichen Nutzen der VR China liegen kann.

 

    {*}Georg Evers (geb. 1936), promovierte bei Karl Rahner über Theologie der Religionen. Von 1979-2001 war er Asienreferent im Missionswissenschaftlichen Institut Missio (Aachen). In dieser Eigenschaft unternahm er zahlreiche Reisen in asiatische Länder und wirkte bei wichtigen theologischen Konferenzen im Rahmen der Vereinigung Asiatischer Bischofskonferenzen (FABC) mit. Zahlreiche Veröffentlichungen zum interreligiösen Dialog und zur Theologie der Mission.

 

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