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Thomas Gertler SJ

Exerzitien als Exempel
evangelisierender Verkündigung

 

Aus: Thomas Gertler / Stephan Kessler / Willig Lambert (Hg.),
Zur größeren Ehre Gottes (c) Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 2006

 

Die Exerzitien sind das größte Geschenk, das Ignatius der Kirche hinterlassen hat. In ihnen kann intensiv erfahren werden, wie das Wort Gottes einen Menschen in kurzer Zeit verwandeln kann, ihn trösten, befreien, versöhnen und begeistern kann. Exerzitien sind so wohl eine der wirksamsten Weisen, das Evangelium zu verkünden. Das liegt sowohl an der Art und Weise, wie darin das Wort Gottes vermittelt und angeeignet wird, wie an den Inhalten, mit denen die Exerzitien konfrontieren. Beides gehört zusammen. Beides ist gleich bedeutsam. Nach jahrelangem Schweigen ist nun das Thema "Mission" wieder in den Brennpunkt theologischen Interesses gerückt. Es ist aber oft nicht klar, wie man denn "missionieren" oder den Glauben weitergeben soll. Grundthese dieses Artikels ist, dass die Schritte, die Ignatius in den Exerzitien mit dem Übenden geht, auch die Schritte zum Glauben überhaupt sind, also jene, die in der Mission als Weg zum christlichen Glauben gegangen werden müssen. Zum anderen ist im Dreiklang von Gottes Wort, Exerzitienbegleiter und Exerzitant ein ganz ähnliches Beziehungsgeflecht wie zwischen der Botschaft des Evangeliums, dem Boten und dem Empfänger der Botschaft in der Mission gegeben.

Wenn wir darauf schauen, wie sich in den letzten Jahrzehnten das Verständnis der Exerzitien und auch die Weise, sie zu geben, entwickelt hat, so ist es erstaunlich, wie diese Fragen und viele Themen der Missionstheologie parallel laufen und sich gegenseitig erhellen. So kann die Entdeckung der Weise, wie der hl. Ignatius in den Exerzitien das Evangelium wirken lässt, uns heute anregen, Wege zur wirksamen Mission zu finden und zu gehen.{1} Dabei kann nicht allen möglichen Parallelen nachgegangen werden und können nicht alle Konsequenzen gezogen werden. Vielmehr soll der Artikel zum eigenen Nachdenken und Entdecken anregen.

 

1. Exerzitien und Motive zur Mission

Die Exerzitien haben bei der Motivation, in die Mission zu gehen, für viele Generationen von Jesuiten eine bedeutende Rolle gespielt.{2} Drei Exerzitienbetrachtungen sind dabei vor allem wichtig gewesen. Mit der ersten dieser drei Übungen beginnt die so genannte 'Zweite Woche' der Exerzitien. Darin wird der Aufruf eines Königs an seine Ritter meditiert, um mit diesem damals ganz aktuellen Beispiel die Berufung der Christen durch Christus, den ewigen Königs der ganzen Welt zu betrachten. Der weltliche König spricht die Seinen an: "Mein Wille ist es, das ganze Land der Ungläubigen zu erobern" (conquistar toda la tierra de infieles, EB 93). Christus, der ewige König, spricht die Seinen an: "Mein Wille ist es, die ganze Welt und alle Feinde zu erobern (conquistar todo el mundo) und so in die Herrlichkeit meines Vaters einzutreten. Deshalb muss, wer mit mir kommen will, sich mit mir mühen, damit er, indem er mir in der Qual folgt, mir auch in der Herrlichkeit folge"(EB 95). Damit knüpft Ignatius nicht nur an den Kontext seiner Zeit an, sondern legt auch die Grundlage für den späteren Sprachgebrauch, nach dem Missionsunternehmungen in Amerika und Asien als "conquista espiritual" bezeichnet wurden.{3}

Die zweite zur Mission motivierende Betrachtung ist die über die Menschwerdung (EB 101 - 109). Hier schaut der Exerzitant mit den Augen der göttlichen Personen "wie sie das ganze Angesicht oder die Rundung der Erde und alle Völker schauen: in so großer Blindheit und wie sie sterben und zur Hölle hinabsteigen" (EB 106). Und er betrachtet, wie die göttlichen Personen beschließen: "Lasst uns Erlösung des Menschengeschlechtes bewirken" (EB 107). Im abschließenden Gebet soll man "bitten, je nachdem man in sich verspürt, um unserem Herrn, der so vor kurzem Mensch geworden ist, mehr nachzufolgen und ihn nachzuahmen" (EB 109) und so in die Missio des Sohnes einzutreten, die vom Vater ausgeht. Wie sehr sich diese Betrachtung in der Motivation des hl. Franz Xaver niedergeschlagen hat, zeigt sein berühmter Brief, den er 1544 aus Indien schrieb: "Viele Male bewegt mich der Gedanke, an die Universitäten Europas zu gehen, besonders an die Sorbonne von Paris, und dort wie von Sinnen laut schreiend denen zu sagen, deren Bildung größer ist als der Wunsch, davon guten Gebrauch zu machen: Wie viele Seelen vom Weg des Heiles abkommen und durch ihre Nachlässigkeit in die Hölle kommen! Wenn sie mit dem gleichen Eifer, mit dem sie ihre Studien betreiben, auch Rechenschaft darüber gäben, was Gott von ihnen fordern wird, und über das Talent, das er ihnen gegeben hat, würden sich viele von ihnen bewegen lassen, die nötigen Mittel zu ergreifen, Geistliche Übungen (Exerzitien) zu machen, um den göttlichen Willen in ihrer Seele zu erkennen und zu erspüren und sich ihm gleichförmiger zu machen als ihren eigenen Neigungen, indem sie sagen: 'Herr, hier bin ich. Was willst du, dass ich tun soll? Schicke mich, wohin du willst, und wenn es förderlich ist, selbst bis nach Indien.'"{4}

Die dritte Betrachtung schließlich stellt zwei Heere einander gegenüber, das Banner Christi und das Banner Luzifers, dem Todfeind unserer menschlichen Natur (EB 136 - 148). Darin geht es um den Gegensatz zwischen den Vorgehensweisen beider: Luzifer durch List, Gewalt und Verführung (éNetze und Ketten') zu Reichtum, Ehre und schließlich Hochmut und von dort zu allen anderen Lastern (EB 142). Umgekehrt führt Christus zuerst gegen den Reichtum von geistlicher Armut zu aktualer Armut, gegen die weltliche Ehre hin zu Schmähungen und zum Gering-geschätzt-Werden, gegen den Hochmut hin zur Demut (EB 146). Entscheidend wichtig ist hier zu sehen, wie Ignatius von Anfang an im Unterschied zur Conquista Amerikas bei der geistlichen Welteroberung gerade nicht Gewalt und Zwang und Gier nach Gold, sondern die Lebensgestalt des armen, gehorsamen und demütigen Christus erwartet. Das weist hin auf die Art und Weise, in der das Evangelium gepredigt werden soll und auf die Weise, in der es angenommen werden kann. Es bedarf der Freiheit des Predigers von egoistischen Interessen und es bedarf eines Freiraums, der dem Hörer der frohen Botschaft gelassen wird. Franz Xaver und andere haben danach gelebt. Und sie haben darunter gelitten, dass so viele Christen, die in die neuen Länder kamen, so sehr von Habgier und Gewalttätigkeit besessen waren.{5}

 

2. Die Methodik der Exerzitien

Wir sind damit schon zu einem wichtigen Punkt gelangt, wie denn das Evangelium im Herzen des Menschen Frucht bringen kann.

Die Exerzitien suchen und schaffen Bedingungen, "unmittelbar den Schöpfer mit seinem Geschöpf wirken (zu) lassen und das Geschöpf mit seinem Schöpfer und Herrn" (EB 15). Zu den äußeren Bedingungen gehören dabei Abgeschiedenheit und Stille, Freiheit von äußeren Reizen und Einflüssen (EB 20). In solcher äußeren Langeweile beginnt das Innere des Menschen wieder sensibel zu werden und zu sprechen. Zuerst häufig in quälender und verstörender Weise, denn zuerst steigt meist alles auf, was sonst mit Lärm und Ablenkung verdrängt und zugedeckt wird. Aber dann sieht man auch bald auf den Gesichtern der Exerzitanten, wie die Stille sich zum Frieden wandelt. Es wird damit eine Situation geschaffen, die der des Ignatius während seines langen Krankenlagers entspricht, in der er in der äußeren Reizlosigkeit begann, sich darüber zu wundern, welche unterschiedlichen Wirkungen auf seine innere Gestimmtheit die unterschiedlichen Träume über seine möglichen Lebensziele hatten (BP 6 - 8). Andere äußere Bedingungen wechseln je nach den Inhalten, die betrachtet werden und sie werden bei den einzelnen Wochen erläutert: Fasten oder Bußübungen in der ersten Woche (EB 78, EB 89) oder Helligkeit und Denken an Freudiges in der vierten Woche (EB 229).

Die wichtigste innere Bedingung für die Exerzitien besteht darin, "mit Großmut und Freigebigkeit gegenüber seinem Schöpfer und Herrn in sie einzutreten, indem er ihm sein ganzes Wollen und seine ganze Freiheit anbietet, damit seine göttliche Majestät sich sowohl seiner Person wie alles dessen, was er hat, entsprechend ihrem heiligsten Willen bediene" (EB 5). Denn es ist Sinn und Ziel der Exerzitien, diese Freiheit zu erlangen, nämlich von allen Abhängigkeiten und Ungeordnetheiten frei zu werden und so fähig, Gottes Willen zu erkennen und zu tun (EB 1). Im Prinzip und Fundament (EB 23), das grundsätzlich diese Haltung beschreibt, nennt sie Ignatius "Indifferenz". Sie bedeutet gerade nicht Gleichmut im Sinne von Gleichgültigkeit, sondern eine letzte Entschiedenheit in der Hierarchie der Werte, nämlich dem Willen Gottes nichts anderes voranzusetzen. Damit wird alles andere zweitrangig und in diesem Sinne für mich indifferent. Ich bin frei gegenüber Armut und Reichtum, Gesundheit und Krankheit, langem Leben oder kurzem. Freilich haben wir schon gesehen und werden wir noch behandeln, dass es dann doch einen Vorzug gegenüber der armen und gehorsamen Lebensweise Jesu gibt. Also kann man festhalten: Ausgangspunkt für die Exerzitien ist die Sehnsucht des Übenden nach größerer Freiheit und Ziel der Exerzitien ist es, diese größere Freiheit zu erlangen. Sie wird sich in der Annäherung an die Lebensform Jesu finden, in der die höchste Freiheit verwirklicht ist.

Für den Begleiter bei den Übungen gilt in noch größerem Maße, dass er die innere Freiheit besitzt und den Übenden nicht in bestimmte Richtungen drängen darf, sondern er soll "den Schöpfer mit dem Geschöpf wirken lassen"(EB 15). Dafür soll er dann aber auch von seiner Seite so intensiv sorgen, wie es möglich ist. Die Freiheit, um die es in den Exerzitien geht, ist keine abstrakte und leere, sondern eine gefüllte und gerichtete Freiheit.{6} Sie hat als Gegenstand oder Inhalt die Freiheit des anderen und als Richtung die wachsende Freiheit. Beides muss sich dann im Leben des einzelnen konkretisieren. Dazu sind die Exerzitien da.

 

3. Die Dynamik der Exerzitien als Weg zum Glauben

Die Dynamik oder der innere Verlauf der Exerzitien ist ähnlich wie ihre Methodik auch stets eine Dynamik, wie sie eine bestimmte Zeit in den Exerzitien des Ignatius entdeckt und vollzieht. Das heißt nicht, dass sie sich mit den verschiedenen Zeiten ständig grundsätzlich wandelt, aber die Dynamik erfährt zeitbezogene Akzentuierungen. Die wichtige Entdeckung der letzten 50 Jahre ist die Bedeutung des Prinzips und Fundamentes des Exerzitien: "Der Mensch ist geschaffen, um Gott unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen und mittels dessen seine Seele zu retten; und die übrigen Dinge auf dem Angesicht der Erde sind für den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt, dass der Mensch sie soweit gebrauchen soll, als sie ihm für sein Ziel helfen, und sich soweit von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.

Deshalb ist es nötig, dass wir uns gegenüber allen geschaffenen Dingen in allem, was der Freiheit unserer freien Entscheidungsmacht gestattet und ihr nicht verboten ist, indifferent machen. Wir sollen also nicht unsererseits mehr wollen: Gesundheit als Krankheit, Reichtum als Armut, Ehre als Ehrlosigkeit, langes Leben als kurzes; und genauso folglich in allem sonst, indem wir allein wünschen und wählen, was uns mehr zu dem Ziel hinführt, zu dem wir geschaffen sind"(EB 23). Dieser Text ist zum einen in seiner theologischen Bedeutung entdeckt worden, der schon das Ganze der Exerzitien enthält. Vor allem ist er als spirituelle Grundlage des Exerzitienprozesses erkannt worden. Er darf nicht als Katechismustext verstanden werden, sondern muss in der geistlichen Erfahrung nachvollzogen werden. Dass wir zum Lobe Gottes geschaffen sind, das bedeutet nämlich auf uns gewendet, dass wir geschaffen sind, um Gottes Güte und Liebe zu erfahren, denn nur dann sind wir in der Lage, Gott zu loben und zu preisen.

Der erste Schritt in den Exerzitien ist darum, dass der Exerzitant auf alle Erfahrungen der Liebe und Güte schaut, die er in seinem Leben gemacht hat und diese als die konkreten Weisen wahrnimmt, in denen Gottes Liebe und Güte zu ihm gekommen sind. Diesen Betrachtungen ist heute zeitlich die erste oder besser nullte Woche der Exerzitien gewidmet.{7} Das ist früher nicht so gewesen. In der Moderne sind Alltag und christlicher Glauben nicht mehr unmittelbar so miteinander verbunden. Der Glauben besitzt nicht mehr selbstverständlich die Deutungshoheit über alle Erfahrungen. Darum braucht dieser grundlegende Text nicht allein eine kurze Erinnerung, sondern muss selbst mit Lebensbetrachtungen gefüllt werden, in denen Gott im Alltag entdeckt wird. Wichtig ist bei den Fundamentsbetrachtungen, dass diese Erfahrungen von Liebe und Güte nicht gleich wieder relativiert, sondern ernst genommen werden als solche, die mir persönlich gelten und mit denen ich selbst von Gott gemeint bin.

Freilich steigt sofort die Frage nach den negativen Erfahrungen auf, die ja zumeist viel lauter schreien und viel präsenter sind. Damit führt die Dynamik der Fundamentsbetrachtungen von selbst weiter zum Thema der ersten Woche bei Ignatius, nämlich der Versöhnung mit Gott oder negativ formuliert zur Auseinandersetzung mit der Sünde und dem Bösen. Wirklich vertrauen und mich auf Gott einlassen kann ich ja nur, wenn Gott nicht nur in den positiven und schönen Erfahrungen gefunden werden kann, sondern wenn er auch angesichts meiner schweren Erfahrungen von Leid, von Schuld und Tod der gute und liebende Gott bleibt. Ignatius lässt zunächst die destruktive Macht des Bösen in der Welt betrachten und anschauen. Es gibt dieses Böse und Zerstörerische. Es hat zuletzt das Nichts, die Vernichtung im Sinn, während Gott als der Schöpfer das Sein und seine Erhaltung im Sinne hat. Ich betrachte schließlich auch die destruktiven Kräfte in meinem Leben, die Verweigerung, das Nein. Ich nehme sie ernst. Ja, das ist so.

Es gibt in meinem Leben solche Macht, die ins Aus, ins Nichts, in den Tod führt. Das gibt es nicht nur bei den bösen Anderen. Ich selbst bin tief hinein verstrickt. Tiefer als ich mir eingestehe. Oft bis dahin, dass ich meine, nie mehr da heraus zu können. Es ist ein Wunder, dass dieses Böse in meinem Leben nicht schon längst zur Katastrophe geführt hat. Ja wahrhaftig, das ist auch ein Wunder. Ignatius lässt es uns betrachten mit Staunen (EB 60). Es muss also in meinem Leben eine Kraft geben, die mich vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Es ist wirklich nicht mein Verdienst. Das soll ich erwägen und betrachten (EB 53). Dieses Wunder, dass das Böse ohne mein Verdienst doch nicht sein Ziel, meine Vernichtung, erreicht hat.

Wenn ich mich darauf wirklich einlasse und dieses Wunder sehe, dann mache ich die befreiende Erfahrung des Neuen Testamentes: dass unbegreiflicherweise Gott den Sünder und Feind liebt (Joh 3,16). Denn er ist diese Macht, die mein Leben immer schon bewahrt hat. Diese Wahrheit über mich, dass ich ein Sünder bin, soll mich also nicht klein machen, sondern befreien. Es ist frohe Botschaft, denn Gottes Liebe hat uns schon immer umfangen, auch als wir nicht wollten und Nein gesagt haben. Jesus hat uns schon erlöst (Röm 3,23f; 5,8; 1 Joh 4,9f). Wenn wir das als Erfahrung im Blick auf unser Leben annehmen können, dass uns Gottes Liebe zuvor gekommen ist und in Christus schon immer den ersten Schritt auf uns hin getan hat, dann kann ich glauben, dass Gott nicht nur gut ist in den positiven Erfahrungen meines Lebens, sondern dann kann ich ihn als liebenden und guten Gott auch in den schweren Erfahrungen erkennen. Dann bin ich in der Lage den nächsten Schritt zu tun. Ich trete ein in die zweite Woche, die geprägt ist vom Ruf Christi, wie wir ihn schon oben gehört haben in den Betrachtungen, die so viele in die Missionen gehen ließen. Nun kann ich glauben, dass mich tatsächlich der Ruf Christi, des ewigen Königs, nicht in die Sklaverei oder das Unglück, sondern in die Freiheit und in die Wahrheit führt.

Nun kann ich mich dafür öffnen und soll es auch tun: Gott glauben und mich bekehren. Das führt weiter zu der konkreten Frage, was ich tun soll. Oder zum Thema des Rufes Christi. Hier nun wird auch die anfängliche Offenheit für jede Form der Nachfolge im Blick auf das konkrete Leben Jesu in die Richtung eines Lebens in Armut, des gering geschätzt Werdens und der Demut geführt (EB 146), aber immer indem ich Gott selbst die Freiheit lasse ("wenn seiner göttlichen Majestät damit gedient ist und sie mich erwählen und aufnehmen will", EB 147). In dieser so genannten zweiten Woche ist nun der Ort, ausführlich das Leben, Verkünden und Tun Jesu zu betrachten und daraus den Maßstab für meine Wahl zu gewinnen. Diese Wahl soll dann in der zweiten Woche auch getroffen werden als Antwort auf den Ruf des großen Königs. Erst durch den Entschluss des Exerzitanten wird er wirklich der Liebe und Freiheit Gottes teilhaft, weil er sich ihnen aufschließt. Darum ist das dann auch der Zeitpunkt, an dem große Freude erfahren wird.

Die Wahl, die im Betrachten der Worte und Taten Jesu unter zu Hilfenahme der Regeln zur Unterscheidung der Geister und im Gespräch mit dem Begleiter getroffen wurde, wird bewährt in der so genannten "Dritten Woche". Sie konfrontiert mit dem Leiden und dem Kreuz Jesu. Es geht hier nicht nur darum, dass ich die Güte Gottes auch im Leiden und angesichts des Bösen erkenne, sondern es geht einen Schritt tiefer in den Glauben hinein, nämlich in die Bereitschaft, selbst das Leiden und das Böse in der Nachfolge Christi auf sich zu nehmen, ohne an Gott zu verzweifeln, so wie es Jesus selbst tut. Also weiterhin zu glauben, zu hoffen und zu lieben, auch wenn Gott schweigt und sich der Himmel verdunkelt. So wird der Exerzitant hineingezogen in das Geheimnis der Erlösung oder der Liebe Jesu, die sich am tiefsten (bis zum Äußersten Joh 13,1) und damit als die erlösende erweist am Kreuz. Indem der Exerzitant diesen Weg Jesu mitgeht, wird er von sich selbst gelöst und je mehr das geschieht, wird er auch für andere Zeichen und Werkzeug für die Erlösung. Das wird dann vollendet in der "Vierten Woche", in der die Exerzitien abgeschlossen werden in der Begegnung mit dem Auferstandenen und im (vertieften) Anschluss an die neue, geisterfüllte Gemeinschaft der Glaubenden, nämlich der Kirche.

Dieser Weg der Exerzitien wurde so ausführlich geschildert, weil er der Weg eines jeden zum Glauben ist. In der einen oder anderen Form mit unterschiedlichen Akzenten, werden es immer die gleichen Schritte sein, die zu gehen sind: von der Erfahrung der Liebe und Güte über die Auseinandersetzung mit dem Bösen und dem Leid hin zu Umkehr, Glaube und Nachfolge.

 

4. Der Wandel im Verständnis von Mission

In den letzten hundert Jahren haben die Mission und die Missionstheologie einen Wandel durchgemacht, wie wohl sonst kaum ein theologisches Fach und eine pastorale Praxis. Zugleich sind aber auch alle Erfahrungen der Weltkirche darin präsent von den Entwicklungsproblemen der armen Länder über die Anfragen der anderen Religionen an das Christentum bis hin zur Globalisierung.{8}

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert stand die (Welt-)Mission in Blüte und es gab keinerlei Zweifel an ihrer Berechtigung und auch an ihrer Methode. Was bewusst wurde, war, dass die Aufspaltung der Kirche in verschiedene Konfessionen der Mission und ihrer Glaubwürdigkeit entgegenstand. So führte gerade diese Beobachtung zum Beginn der ökumenischen Bewegung mit der Weltmissionskonferenz von Edinburgh 1910 im Anschluss an das Johanneswort: "dass alle eins seien, damit die Welt glaube" (Joh 17,21). Glaubwürdige Mission ist nur möglich, wenn es auch die Bemühung, um die Einheit der Kirchen gibt. Aber tatsächlich nicht nur die Spaltung der Kirchen stand der Glaubwürdigkeit der Mission im Wege. Ähnlich wie wir es für die Mission der Kirche im 16. Jahrhundert gesehen haben, stand der Glaubwürdigkeit entgegen, dass die Europäer im 19. Jahrhundert mit der Mission auch die Ausbreitung der europäisch-nordamerikanischen Zivilisation erstrebten, und zwar aus einem ganz selbstverständlich empfundenen Überlegenheitsgefühl der Missionare{9}.

Das verband sich häufig noch mit den wirtschaftlichen Interessen der Heimatländer. Wir stoßen hier in analog zur Glaubensverkündigung in den Exerzitien auf das Problem, wenn der Verkünder oder Exerzitienbegleiter seine wirklichen Interessen nicht kennt und nicht die Freiheit besitzt, tatsächlich Gottes Wirken an die erste Stelle zu setzen und damit dem Ziel der Verkündigung, nämlich der Freiheit Gottes und der Freiheit des Exerzitanten schadet. Durch das selbstverständliche Bewusstsein der Überlegenheit bemerkt der Verkünder auch nicht, was durch die Menschen, denen er die Botschaft Gottes bringt, selbst eingebracht werden kann, oder was die Gnade Gottes schon längst gewirkt hat.

Durch das Ende der Kolonialzeit und die revolutionären Bewegungen der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts änderte sich die Sicht der Missionstheologie. So wie bisher konnte man nicht mehr auf die "Objekte" der Mission schauen. Die Schuldgeschichte der Missionen wurde bewusst.{10} Es muss allerdings auch gesagt werden, dass auf der Rückseite dieser Schuldgeschichte gerade die Erfahrungen der Missionare mit der einheimischen Bevölkerung zur Durchsetzung des Menschenrechte beigetragen hat, dass Kulturen, Religionen und Sprachen nicht nur gestört und vernichtet, sondern bewahrt und gesichert wurden, dass Lebensverhältnisse tatsächlich gebessert wurden und der Wert der einzelnen Person deutlicher wahrgenommen wurde.

Zur Blickveränderung trugen auch Faktoren bei, die innertheologisch genannt werden können. Der weltweite Auslöser innerhalb der katholischen Kirche war das II. Vatikanische Konzil. Mit den Bischöfen aus aller Welt kamen auch die Probleme der Welt, besonders der so genannten dritten Welt, mit ins Bewusstsein. Auch theologisch kam die Welt in den Blick.{11} Vor allem die Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" über die Kirche in der Welt von heute versucht darauf zu antworten, und zwar will das Konzil "im Licht Christi...alle Menschen ansprechen, um das Geheimnis des Menschen zu erhellen und mitzuwirken dabei, dass für die dringlichsten Fragen unserer Zeit eine Lösung gefunden wird" (GS 10,2). Aber auch in dem Missionsdekret "Ad Gentes" wird gesehen, dass es neben der Verkündigung Christi ein Eingehen auf die konkreten Nöte der Menschen braucht. Ein ganzheitliches Verständnis von Mission wird vor allem im Apostolischen Schreiben Pauls VI. "Evangelii Nuntiandi" (1975) vertreten.

Dieses Dokument ist bis heute grundlegend. Aber die Wirkung war oft nicht so ausgewogen wie das Dokument selbst. Vielmehr erfolgte nun eine Art Gegenschlag. Sah man vorher einseitig von den europäischen oder nordamerikanischen Kirchen als Missionssubjekte auf die Länder der Südhalbkugel als Objekte der Mission, so wurde nun von den früheren Objekten her gedacht und argumentiert. Das Bewusstwerden eines ganzheitlichen Verständnisses von Mission, das die konkrete Situation und die Nöte der Menschen nicht außer Acht lassen darf und die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Zeugnisses verschob den Blick auf die soziale und politische Not, ja führte teilweise zur Identifikation von Entwicklungshilfe oder Befreiungskampf mit der Evangelisierung, politische Befreiung und Reich Gottes konnten nahezu identisch werden.

Die 32. Generalkongregation der Gesellschaft Jesu aus den Jahren 1974/75 griff die Ergänzung und Erweiterung des Missionsverständnisses mit der Formel auf: "Unsere Sendung heute: Dienst am Glauben und Förderung der Gerechtigkeit" (engl.: Our Mission Today: The Service of Faith and the Promotion of Justice.). In der Interpretation und im konkreten Vollzug wurde dabei auch nicht immer die Ausgewogenheit gewahrt. Der Einsatz für die Gerechtigkeit konnte als die eigentliche Verkündigung des Glaubens angesehen werden. Man wollte vor allem durch den Einsatz für Entwicklung und Einsatz für mehr Gerechtigkeit den Glauben verbreiten. Die Glaubensverkündigung geschah damit nur noch indirekt.

Der Akzent auf dem gesellschaftlichen Einsatz wurde durch die Überzeugung verstärkt, dass nicht nur gerettet werden kann, wer glaubt und die Taufe empfängt, sondern Gott jedem Menschen. die Möglichkeit zum Heil gibt, auch wenn er nicht zur Kirche gehört, ja sie sogar (ohne Schuld) ablehnt, vgl. LG 16; GS 22,5; AG 7. Ohne dies beabsichtigt zu haben, wirkte Karl Rahners Lehre vom "Anonymen Christen" in die gleiche Richtung.{12}

Nicht nur die Schuldgeschichte hemmte die Motivation zur Mission. Es kam hinzu, dass in den Ländern der Nordhalbkugel im Gefolge der Aufklärung und der gesellschaftlichen Veränderungen die Stellung des Christentums sich veränderte. Der Glaube wurde zunehmend als Privatsache angesehen und seine Funktion vor allem auf die Sorge für den Nächsten und in der Moral beschränkt. All das erschütterte auch das bisherige Selbstverständnis der Christen und die Motivation zur Mission erheblich. Glaube wurde von den Christen eher als Last und Problem empfunden und nicht zuerst als Gabe und Geschenk, das gern weitergegeben wird. Zugleich wurden die früher christlichen Länder selbst Missionsländer und die jungen Kirchen der Südhalbkugel wurden selbstständig und entwickelten ihre eigenen erfolgreichen Missionsstrategien. Mission ist darum nun die große Herausforderung die Kirche in den früheren christlichen Ländern.

Innerhalb der evangelischen Kirche und Missionsauffassung spielte sich ähnliches ab. Dabei sind wie so häufig die Spannungen und Gegensätze innerhalb der evangelischen Kirche deutlicher sichtbar als innerhalb der katholischen Kirche. Sie wurden greifbar an den gegensätzlichen Positionen, die vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Missionsfragen vertreten wurden und den Positionen der eher evangelikal zu nennenden Richtung. Um diesen Gegensatz deutlich zu machen, sei hier als Beispiel aus der (evangelikalen) "Frankfurter Erklärung" von 1970 zitiert: "'In keinem andern ist das Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin sie sollen selig werden.' (Apostelgeschichte 4,12)
                 Wir erkennen und bezeugen:
Jesus Christus unser Heiland und wahrer Gott und wahrer Mensch, wie Er uns in der Heiligen Schrift in Seinem Persongeheimnis und Seinem Heilswerk vor Augen gestellt ist, ist Grund, Inhalt und Autorität unserer Sendung. Ziel dieser Sendung ist es, allen Menschen in allen Lebensbereichen die Gabe Seines Heils bekannt zu machen. Dadurch fordern wir die Nichtchristen, die ja auf Grund der Schöpfung Gott gehören, zum Glauben an Ihn und zur Taufe auf Seinen Namen auf; denn in Ihm allein ist ihnen ewiges Heil verheißen.
                Damit wenden wir uns gegen die seit der 3. Weltkirchenkonferenz zu Neu-Delhi [1961] in der Ökumene sich verbreitenden falschen Lehre, daß sich Christus anonym auch in den Fremdreligionen, dem geschichtlichen Wandel und den Revolutionen so offenbare, daß Ihm der Mensch ohne direkte Kunde des Evangeliums hier begegnen und sein Heil in Ihm finden könne. Wir verwerfen zugleich die unbiblische Beschränkung der Person und des Werkes Jesu auf Seine Menschlichkeit und Sein sittliches Beispiel. Damit ist die Einzigartigkeit Christi und des Evangeliums zugunsten eines Humanitätsprinzips preisgegeben, das andere auch in anderen Religionen und Weltanschauungen finden können."{13}

Von evangelikaler Seite wurde vor allem Wert gelegt auf die Autorität der Heiligen Schrift als Wort Gottes, die durch eine solche kairologische und kontextuelle Theologie in Frage gestellt wird, wie im zitierten Abschnitt kritisiert.{14} Der Vorwurf der der Genfer Missionstheologie andererseits war, dass die soziale Seite des Evangeliums zu wenig wahrgenommen und insofern verkürzt werde. Heute finden beide Seiten wieder mehr zusammen zu einem ganzheitlicheren Verständnis von Mission. Der Blick wandelt sich wieder und weitet sich. Das gilt auch für die katholische Kirche. Hier hat es zwar weniger ein eigentliches theologisches Defizit in der Lehre gegeben, im praktischen Verhalten und in der atmosphärischen Situation jedoch waren katholische und evangelische Seite sich recht nahe.

Deutliches Zeichen dieser Wandlung auf katholischer Seite ist nun das kräftige Aufgreifen des Missionsthemas in Europa sowohl bei den Kirchenleitungen wie bei den Theologen. Im Jesuitenorden hat die Formel von Glauben und Gerechtigkeit eine Ergänzung erfahren durch die Begriffe Inkulturation und Dialog.{15} Und es ist ganz klar, dass die Glaubensverkündigung an der ersten Stelle steht und alles andere prägt. Im Dreiklang von Botschaft Gottes, Bote und Empfänger, darf weder vom Boten oder von den Bedürfnissen des Empfängers allein gedacht und geschaut werden, sondern der Ausgangspunkt der Bewegung wieder in den Blick genommen werden, nämlich die Initiative Gottes. So ist allen Seiten wieder neu und tiefer ins Bewusstsein gekommen, dass Mission nicht zuerst eine Veranstaltung der Kirche sondern Gottes ist. Praktisch alle Missionstheologien gründen heute in der Missio Dei und nicht mehr bei der Kirche als Missionssubjekt oder denken allein von den Bedürfnissen der Empfänger her.

 

5. Die Missio Dei

Dieser Begriff wurde zuerst von Karl Hartenstein auf der Missionskonferenz von Willigen (1952) geprägt und von Georg Vicedom verbreitet.{16} So wird die Mission trinitarisch verankert. Der Vater sendet den Sohn. Vater und Sohn senden den Geist. Die Sendung des Vaters gibt der Auferstandene mit der Gabe des Geistes weiter. "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Joh 20,21). Wird die Mission in dieser trinitarischen Sendung verankert, so werden Engführungen und Einseitigkeiten überwunden. Mission ist dann nicht mehr eine Veranstaltung der Kirche, sondern die Kirche ist Werk der Missio Dei und die Mission der Kirche ist Unterstellung unter die und Eintritt in die Mission Gottes. Gott selbst ist das Subjekt der Mission. Und die Gestalt der Mission hat dann auch die Gestalt der Sendung des Sohnes. Und wir könnten nun wieder die Dynamik der Exerzitien durchgehen, die diese Gestalt haben:

Die Liebe Gottes verkünden, mit der Sünde und dem Bösen konfrontieren, zur Umkehr und zum Glauben rufen, einladen selbst in die Missio des Sohnes einzutreten unter der Gestalt des Kreuzes, in Armut, Gehorsam und Demut, in Hingabe für den Nächsten, um darin die Kraft der Auferstehung zu erfahren, die Präsenz Gottes und wieder die neue Gemeinschaft der Glaubenden, also die Dreigestalt von Inkarnation, Kreuz und Auferstehung. Es gibt in dieser Bewegung Gottes auf den Menschen zu nicht eigentlich Objekte im Sinne einer bloßen Passivität, sondern wie der Exerzitant in den Exerzitien immer der Übende, also aktiv Tätige ist, so ist ja auch in der missionarischen Verkündigung der Hörer des Wortes selbst zu höchstem Engagement herausgefordert, ja, ist auch Gott selbst immer schon dort anwesend, wo das Wort ankommt. Grundvoraussetzung und Grundbedingung für die Fruchtbarkeit des Wortes Gottes ist dabei, dass es frei ist zu wirken. Das meint nicht nur die Religionsfreiheit (damit auch bürgerliche Freiheit) als politische Forderung.

Das meint die Achtung des missionarischen Verkünders vor der Freiheit und Würde des Hörers, die in der Vergangenheit zu wenig gesehen wurde. Es meint auch den Anspruch des Wortes Gottes an die Verkünder, sich wirklich dem Wort zu unterstellen und es frei wirken zu lassen, also die ständige Umkehr und Buße der Kirche selbst. Die Bereitschaft wirklich in die Sendung des Sohnes einzutreten in der Selbsthingabe und im Dasein für andere. So schließt sich der Kreis. Er begann mit der Betrachtung über den Ruf Christi und der Besinnung auf die Missio Gottes selbst. "... wie die drei göttlichen Personen die ganze Fläche oder Rundung der ganzen Welt voller Menschen schauten und wie, da sie sahen, dass alle zur Hölle abstiegen, in ihrer Ewigkeit beschlossen, dass die zweite Person Mensch werde, um das Menschengeschlecht zu retten" (EB 102). So kommt der ursprüngliche Dreiklang zwischen Botschaft und Boten und Hörer wieder zustande, in dem Gottes Melodie rein und frei erklingt. Ermutigend ist, wie sich in den letzten Jahren die Formen der Exerzitien vervielfältigt und verflüssigt haben und wie sich so tatsächlich Exerzitien und evangelisierende Verkündigung annähern.

Man denke nur an die äußerst erfolgreiche Form der Exerzitien im Alltag, die helfen, dass Glaube und Alltag wieder zusammen finden. Man denke an neue Formen der Exerzitien auf der Straße, die die Not und das Elend bei uns wahrnehmen. Man denke an Exerzitien im Internet oder neuestens Exerzitien mit Filmen. Auch innerhalb der evangelischen Kirche gibt es ein wachsendes Interesse an den ignatianischen Exerzitien und schon gut etablierte Formen, sie zu halten. Es zeigen sich so neue Formen von Inkulturation und Dialog, die zur Verlebendigung und Erneuerung des Glaubens in unserer Welt beitragen und in die Missio Dei selbst hinein nehmen.

 

LITERATUR

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N. SCHWERDTFEGER, Der 'anonyme Christ' in der Theologie Karl Rahners, in: M. DELGADO / M. LUTZ-BACHMANN (Hg.): Theologie aus Erfahrung der Gnade : Annäherungen an Karl Rahner. Berlin : Morus, 1994, 72 - 94.

M. SIEVERNICH, Die Mission und die Missionen der Gesellschaft Jesu, in: J. MEIER (Hg.), Sendung - Eroberung - Begegnung. Franz Xaver, die Gesellschaft Jesu und die katholische Weltkirche in Zeitalter des Barock (Studien zur Außereuropäischen Christentumsgeschichte, Bd. 8), Wiesbaden: Harrassowitz Vlg 2005, 7 - 30.

H. STEUBING (Hg.), Bekenntnisse der Kirche. Bekenntnistexte aus zwanzig Jahrhunderten, Wuppertal ²1977, 314 - 320.

G. F. VICEDOM, Missio Dei. Einführung in eine Theologie der Mission, München: Kaiser ²1960.

 

Anmerkungen

{1} Normalerweise stellt man Exerzitien und Mission nicht in Beziehung, weil Exerzitien Sache für schon engagierte Christen sind, während sich die Mission an Nichtchristen richtet. Allerdings sollte nachdenklich machen, dass Peter Faber - von dem Ignatius sagte, dass er die Exerzitien in hervorragender Weise verstanden hat - die Exerzitien zur religiösen Erneuerung einer ganzen italienischen Region um Parma einsetzte, Ignatius selbst erkennt an, dass wenigstens die erste Woche der Exerzitien auch Anfängern im Glauben gegeben werden können (EB 18), vgl. A. FALKNER, Die "Leichten Exerzitien".

{2} Vgl. M. SIEVERNICH, Die Mission.

{3} M. SIEVERNICH, Die Mission 11.

{4} FRANCISCUS XAVERIUS, Epistolae aliaque eius scriptae, 2 Bde. (MHSJ 67, 68), ed. G. SCHURHAMMER et I. WICKI, Rom 1944-45, Dokument 20,8, Übersetzung bei M. SIEVERNICH, Die Mission 19.

{5} J. LOOSEN, Franz Xaver, der Heilige der Hoffnung, in: GuL 26 (1953) 90 - 101.

{6} Vgl. TH. PRÖPPER, Erlösungsglaube und Freiheitsgeschichte, unter Rückgriff auf die Freiheitsphilosophie von Hermann Krings.

{7} Man bezeichnet diese zeitlich erste Woche lieber als nullte Woche, um die Zählung des Ignatius beibehalten zu können: 0. Woche: Prinzip und Fundament; 1. Woche: Sündenbetrachtung, 2. Woche: Ruf zur Nachfolge und Betrachtung des Lebens Jesu, 3. Woche: Leidensbetrachtungen, 4. Woche: Auferstehungsbetrachtungen.

{8} G. COLLET, Katholische Missionswissenschaft.

{9} Vgl. F. LUDWIG, Mission und Kolonialismus.

{10} Vgl. nur das einflussreiche Buch von FRANTZ FANON, Die Verdammten dieser Erde (1961).

{11} J. B. METZ, Zur Theologie der Welt; L. RÜTTI, Zur Theologie der Mission, der Metz und Moltmann aufnahm.

{12} Die anonymen Christen, in: Schriften zur Theologie; vgl. N. SCHWERDTFEGER, Der 'anonyme Christ'.

{13} H. STEUBING (Hg.), Bekenntnisse der Kirche. Bekenntnistexte aus zwanzig Jahrhunderten, Wuppertal ²1977, 314-320

{14} Vgl. P. BAYERHAUS, Er sandte sein Wort. Theologie der christlichen Mission, Bd. I: Ddie Bibel in der Mission, Wuppertal, Bad Liebenzell 1996. Bayerhaus ist der Verfasser der Frankfurter Erklärung.

{15} "Kein Dienst am Glauben ohne
Förderung der Gerechtigkeit,
Eintritt in Kulturen,
Offenheit für andere religiöse Erfahrungen.

Keine Förderung der Gerechtigkeit ohne
Glauben mitzuteilen,
Kulturen umzuwandeln,
mit anderen Traditionen zusammenzuarbeiten.

Keine Inkulturation, ohne
sich über den Glauben auszutauschen,
mit anderen Traditionen in Dialog zu treten,
sich einzusetzen für Gerechtigkeit.

Kein Dialog ohne
den Glauben mit anderen zu teilen,
Kulturen zu untersuchen,
Sorge zu tragen für Gerechtigkeit."
(34. Generalkongregation 1995)

{16} Missio Dei. Einführung in eine Theologie der Mission (1. Aufl. 1958); vgl. A. FELDTKELLER, Pluralismus - was nun?

 

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